Hamburg  Staatsanwaltschaft beschlagnahmt „Clan-Anwesen“ in Ostercappeln

Dirk Fisser, Vincent Buss
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Von Dirk Fisser, Vincent Buss
| 09.05.2024 08:59 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Im Frühjahr durchsuchte die Polizei die Immobilie in Ostercappeln erneut. Dieses Mal ging es um den Verdacht der Geldwäsche. Foto: NWM-TV
Im Frühjahr durchsuchte die Polizei die Immobilie in Ostercappeln erneut. Dieses Mal ging es um den Verdacht der Geldwäsche. Foto: NWM-TV
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Die Staatsanwaltschaft Osnabrück hat eine mutmaßliche Clan-Immobilie in Ostercappeln vorläufig beschlagnahmt. Muss die Familie bald aus dem Anwesen ausziehen?

Ein hoher Zaun umgibt das Grundstück in der Gemeinde Ostercappeln. Was dahinter passiert, dafür interessieren sich Polizei und Staatsanwaltschaft seit Jahren: Die Immobilie im Ortsteil Bergfrieden gehört einer Familie, die die Ermittler in Teilen dem Bereich der Clan-Kriminalität zuschreiben.

Zwei Mitglieder sitzen seit einiger Zeit bereits hinter Gittern. Nun steht die Immobilie selbst im Fokus: Die Staatsanwaltschaft hat das Wohnhaus in Ostercappeln nach einer Durchsuchung im Frühjahr vorläufig beschlagnahmt.

Ein Sprecher der Anklagebehörde bestätigte unserer Redaktion, dass das Amtsgericht Osnabrück einen entsprechenden Beschluss auf Antrag der Staatsanwaltschaft erlassen hat – „wegen des Tatverdachts der Geldwäsche”.

Im Februar war das Wohnobjekt deswegen von den Ermittlern durchsucht worden. Der Verdacht richtet sich konkret gegen die 44-jährige bisherige Besitzerin der Immobilie. Sie soll Geld, das Familienmitglieder durch Straftaten zusammengetragen haben, zurück „in den legalen Finanz- und Wirtschaftskreislauf” gebracht haben.

Es steht wohl die Vermutung im Raum, dass das Geld zumindest teilweise in die Renovierung der Immobilie in Ostercappeln geflossen ist. Durch die vorläufige Beschlagnahmung stellt die Staatsanwaltschaft sicher, dass das Haus zwischenzeitlich nicht den Besitzer wechselt. Und – sollte sich der Verdacht bestätigen – die Werte einziehen kann, sprich: Haus samt Grundstück verkaufen.

Ob es tatsächlich so kommt, ist noch nicht klar. Die Ermittlungen nach der Durchsuchung im Februar dauern an. Wann mit einem Abschluss zu rechnen ist, sei offen, sagte ein Sprecher. Und weiter: „Die Frage einer möglichen Einziehung der Immobilie kann erst nach Abschluss der Ermittlungen beantwortet werden“. Einstweilen dürfen die Familienmitglieder daher weiter in dem Haus wohnen.

Der Geldwäsche-Verdacht hatte sich durch die Auswertung von Beweismitteln ergeben, die bei vorangegangenen Durchsuchungen 2020 in dem Haus sichergestellt worden waren. Die damaligen Ermittlungen führten im März 2022 zu einer Verurteilung von vier Männern, darunter zwei Brüder der 44-Jährigen.

Das Quartett hat nach Überzeugung des Landesgerichts eine Reihe von Einbrüchen sowie einen Raub begangenen. Mehrjährige Haftstrafen waren die rechtliche Konsequenz. Der Bundesgerichtshof bestätigte die Verurteilung.

Bei der Durchsuchung in diesem Februar wurden laut Staatsanwaltschaft Unterlagen, Mobiltelefone und Speichermedien sichergestellt. Die Staatsanwaltschaft in Osnabrück gehört zu den Schwerpunktstaatsanwaltschaften gegen Clan-Kriminalität in Niedersachsen.

Der hohe Zaun um das Grundstück erregte indes auch schon Aufmerksamkeit. Er war höher, als das öffentliche Baurecht erlaubte, wie der Landkreis Osnabrück auf Nachfrage mitteilt. Deshalb sei ein bauaufsichtliches Verfahren geführt worden. Als Konsequenz wurde die Grundstückseinfriedung laut Landkreis Mitte 2022 auf das zulässige Maß zurückgebaut.

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