Gastronomie  Auricher Dehoga in Sorge vor dem Mindestlohn

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 07.05.2024 18:36 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Mit einer Anhebung des Mindestlohns würden Restaurantbesuche vermutlich teurer werden. Foto: DPA
Mit einer Anhebung des Mindestlohns würden Restaurantbesuche vermutlich teurer werden. Foto: DPA
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Forderungen nach einer deutlichen Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns werden immer lauter. Die Auricher Dehoga-Vorsitzende Mareike Zägel warnt davor.

Aurich - Im Januar kommenden Jahres soll der gesetzliche Mindestlohn von 12,41 Euro auf 12,82 Euro steigen. Das hat die Kommission zur Festsetzung des Mindestlohns beschlossen. Zu wenig, sagen immer mehr Parteien sowie eine Mehrheit der Bundesbürger. In der Diskussion wird immer wieder vorgeschlagen, den Mindestlohn auf 15 Euro pro Stunde heraufzusetzen. In Umfragen sprechen sich bis zu 57 Prozent der Befragten dafür aus. Auch die Gewerkschaft Verdi hat sich der Forderung nach einer deutlichen Anhebung angeschlossen.

Betreffen würde das in Ostfriesland vor allem die Gastronomie. Die Branche würde eine solche Anhebung hart treffen, sagt Mareike Zägel, Vorsitzende des Kreisverbands Aurich des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga). Sie ist Direktorin des Hotels Stadt Aurich am Hoheberger Weg. Denn die Gastronomie sei eine sehr personalintensive Branche. Denn es müssten immer Dienstleistungen von Menschen erbracht werden, sonst würden die Betriebe nicht laufen.

Lohn als Hauptkostenfaktor

Dabei zähle der Mindestlohn für Geringqualifizierte beziehungsweise für Anlern- und Aushilfstätigkeiten. „Gut qualifizierte Mitarbeiter verdienen ohnehin mehr“, so Zägel. Aber auch diese Löhne würden bei einer drastischen Anhebung des Mindestlohns steigen müssen, um Engagement, Ausbildung und Qualifikation attraktiv zu halten.

Der Lohn sei nun einmal in der Gastronomie der Hauptkostenfaktor. Wenn dieser noch weiter steige, würde es die Betriebe stark treffen. Zumal auch davon ausgegangen werden müsse, so Zägel, dass Lebensmittel bei einem höheren Mindestlohn ebenso im Preis steigen werden.

Dehoga: Ertragslage ist angespannt

Aufgefangen werden müsste all das unter Umständen durch höhere Preise in den Hotels und Gaststätten. Es sei aber die Frage, wie weit diese bei den Kunden auch durchsetzbar wären.

„Letztlich sind auch wir Wirtschaftsbetriebe und können nur an unsere Mitarbeiter auskehren, was durch Dienstleistung und Konsum unserer Gäste erwirtschaftet wird.“ Mareike Zägel sagt, sie kenne keinen Kollegen im Dehoga, der den Mitarbeitern nicht liebend gern weitere Lohnerhöhungen zahlen würde. Diese müssten jedoch auch erwirtschaftet werden, damit Arbeitsplätze langfristig und nachhaltig erhalten blieben.

Auf der anderen Seite beklagt der Dehoga-Bundesverband einen Fachkräftemangel auch im Hotel- und Gaststättengewerbe. Gleichzeitig sei die Ertragslage angespannt, heißt es in einer Mitteilung. Gefordert wurde daher bereits im April, die Mehrwertsteuer auf Speisen einheitlich auf den reduzierten Satz von sieben Prozent festzulegen, um die Betriebe zu sichern.

Seit Anfang dieses Jahres gilt in der Gastronomie wieder der reguläre Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent. Bereits im November vorigen Jahres hatte auch Mareike Zägel vor einer Anhebung der Mehrwertsteuer gewarnt. Denn diese bedeute insbesondere eine erneute Belastung der Bürger. Letztlich seien die Gastronomiebetriebe nur die Eintreiber dieser Steuer für den Staat. Der Kostendruck sei enorm und die Inflation reiße Löcher ins Portemonnaie.

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