Berlin  Schlappe für CDU-Frau: Was hat Breher falsch gemacht ?

Rena Lehmann
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Von Rena Lehmann
| 07.05.2024 06:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Mit mittelmäßigem Ergebnis beim Parteitag: Die niedersächsische CDU-Politikerin Silvia Breher. Foto: Imago
Mit mittelmäßigem Ergebnis beim Parteitag: Die niedersächsische CDU-Politikerin Silvia Breher. Foto: Imago
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Silvia Breher und Karin Prien haben als Stellvertreterinnen von Friedrich Merz an der CDU-Spitze die schlechtesten Ergebnisse bekommen. Das sind die Gründe.

Es war nicht die Stunde der Frauen in der CDU beim Parteitag in Berlin. Erst wurde Christina Stumpp aus Baden-Württemberg mit nur 77,9 Prozent als stellvertretende Generalsekretärin im Amt bestätigt. Zum Vergleich: Friedrich Merz erhielt als Vorsitzender knapp 90 Prozent der 1001 Delegiertenstimmen, Generalsekretär Carsten Linnemann kam gar auf das Top-Ergebnis von 91,4 Prozent. Bei den anschließenden Stellvertreterwahlen - die CDU hat insgesamt fünf dieser begehrten Posten zu vergeben - schnitten Silvia Breher aus Niedersachsen und Karin Prien aus Schleswig-Holstein mit bescheidenen Ergebnissen ab.

Breher, die vor zwei Jahren auf 81,2 Prozent kam, erhielt jetzt nur noch 77,4. Prien, 2022 mit 70,8 Prozent gewählt, kam auf noch deutlich schlechtere 58,1 Prozent. Stimmenkönig unter den Stellvertretern wurde der Sozialpolitiker Karl-Josef Laumann mit 92 Prozent, gefolgt von Michael Kretschmer (87,7) aus Sachsen und Andreas Jung aus Baden-Württemberg (79,4). 

Gewählt ist gewählt, könnte man meinen. Aber die Parteilogik funktioniert nach anderen Gesetzen. Wie viel Einfluss man hat, hängt auch davon ab, wie viel Rückhalt man bei Parteitagen erfährt. Unter diesem Aspekt waren die Wahlen ein schlechter Tag für die CDU-Frauen. Die Gründe für die Verluste für Breher, Prien und Stumpp sind aber durchaus unterschiedlich. „Es hat jedenfalls nichts damit zu tun, dass es Frauen sind”, heißt es aus der CDU-Parteizentrale. 

Breher stammt immerhin aus dem großen Landesverband Niedersachsen. In ihrem Wahlkreis Cloppenburg-Vechta holt die 50-jährige Juristin mit dem markanten Haarschnitt mit guten Ergebnissen das Direktmandat, die vielleicht noch wichtigere Währung als das Stimmenergebnis beim Parteitag. Breher war schon im Wahlkampfteam von Armin Laschet und spielt jetzt weiter im Team Merz. Sie hat als Bundesvize bisher kaum Akzente gesetzt, kommt in den Medien selten vor. So einen Stellvertreterposten könnte man besser nutzen als sie es tut, meinen manche in der CDU. Man sieht in dem Wahlergebnis eine Aufforderung: Breher bekommt eine zweite Chance vom Parteitag. Aber jetzt müsste sie mal liefern.  

Karin Prien, Bildungsministerin im Kabinett von Daniel Günther in Schleswig-Holstein, hat eher das gegenteilige Problem. Sie ist Dauergast in den Fernseh-Talkshows, in der CDU eher links einzuordnen und vertritt Standpunkte, die sich nicht immer mit den Standpunkten der CDU insgesamt decken. Typisches Beispiel: Kurz vor dem Parteitag brachte die 58-Jährige eine Zusammenarbeit mit der Sahra-Wagenknecht-Partei BSW in Thüringen ins Spiel. Als ihr Landeschef Daniel Günther dann auch noch Offenheit zur Linkspartei von Bodo Ramelow und wieder mehr Merkel-Politik einforderte, hatte die Schleswig-Holstein-CDU es sich offensichtlich richtig verscherzt.

Zum Teil dürfte das schlechte Ergebnis für Prien dem Unmut über Günthers Äußerungen vor dem Parteitag geschuldet sein. „Prien wurde für Günther abgestraft“, meint eine Delegierte. Dass das Ergebnis dann aber so schlecht ausfiel, hat manche erschrocken. „Die Frauen haben es ganz schön abbekommen“, meint eine prominente CDU-Frau. 

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