Hannover  Steffen Krach (SPD): Wird er Niedersachsens nächster Ministerpräsident?

Lars Laue
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Von Lars Laue
| 06.05.2024 16:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Noch an der Spitze der Region und schon in einigen Jahren an der Spitze des Landes? Steffen Krach (SPD), Präsident der Region Hannover. Foto: Philipp Schroeder
Noch an der Spitze der Region und schon in einigen Jahren an der Spitze des Landes? Steffen Krach (SPD), Präsident der Region Hannover. Foto: Philipp Schroeder
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Wer folgt auf Stephan Weil als Ministerpräsident in Niedersachsen? Einer, der nicht abgeneigt zu sein scheint, ist Steffen Krach. Wer ist der 44-jährige SPD-Mann aus Hannover?

Stephan Weil hat es eindeutig gesagt und zuletzt nochmal bekräftigt: Nach dieser Legislatur als Ministerpräsident ist Schluss. Zieht Weil, wie er es angekündigt hat, bis zum Ende durch, ist er im Herbst 2027 fast 69 Jahre alt und war dann knapp 15 Jahre lang Landesvater von Niedersachsen.

Doch wer kommt dann? Kein Geheimnis ist, dass der jetzige Wirtschaftsminister Olaf Lies gern Weils Nachfolger werden würde. Als es einst um die Spitzenkandidatur für die Landtagswahl im Jahr 2013 ging, trat Lies innerhalb der SPD gegen Weil an. Die Mitglieder aber entschieden sich für Weil. Seither wartet Lies auf eine neue Chance, die sich nun bei der nächsten Landtagswahl Ende 2027 ergeben könnte.

Könnte, aber nicht muss. Denn auch die aktuelle Innenministerin Daniela Behrens wird als potenzielle Kandidatin gehandelt. Darauf angesprochen, reagiert sie stets mit einem Lächeln, das wirkt, als fühle sie sich geschmeichelt. Ein Nein jedenfalls ist das nicht. Hinzu kommt, dass Weil große Stücke auf Behrens hält.

War es das an potenziellen Kandidaten? Mitnichten. Politische Beobachter bringen zuweilen den aus dem niedersächsischen Heidekreis stammenden SPD-Bundeschef Lars Klingbeil ins Spiel. Aber von der Berliner Bühne zurück ins beschauliche Niedersachsen? Das ist mehr als fraglich.

Und da es gibt noch einen, der überraschend offensiv auf die Frage antwortet, ob er sich das Ministerpräsidentenamt zutrauen würde und vorstellen könnte. „Ich bin jetzt 44, Regionspräsident wird nicht mein letzter Job sein“, sagt Steffen Krach, dessen Büro in Hannover nur wenige Meter entfernt liegt von der Staatskanzlei, dem Regierungssitz des Ministerpräsidenten.

Steffen wer? Der SPD-Politiker ist aktuell Präsident der Region Hannover, also so eine Art Landrat, nur für einen XXL-Kreis: In der Region Hannover leben rund 1,2 Millionen Menschen.

Als Regionspräsident hat Krach in diesen Tagen die Hälfte seiner Amtszeit rum. Die nächste Wahl zum Regionspräsidenten steht im Jahr 2026 an. Tritt Krach dann erneut an oder nimmt er Kurs auf die Staatskanzlei?

Da legt sich der Chef von mehr als 3000 Mitarbeitern, die für die Region Hannover tätig sind, freilich noch nicht fest, sondern macht stattdessen deutlich, wie sehr ihm seine jetzige Tätigkeit gefalle. Es gebe noch viel zu tun, betont Krach. „Ich blicke nicht auf andere Jobperspektiven“ , sagt er.

Was für Krach spricht, ist sein Alter. Aktuell ist er 44 Jahre, im Herbst 2027 zur Landtagswahl wäre er gerade 48 geworden.

Dass für die CDU der Landeschef und Vorsitzende der Landtagsfraktion, Sebastian Lechner, als Spitzenkandidat ins Rennen geht, gilt als sehr wahrscheinlich. Zumindest will Lechner, wie er kürzlich in einem Interview mit unserer Redaktion deutlich gemacht hat: „Ich traue mir dieses Amt durchaus zu.“

Lechner und Krach sind übrigens fast ein Jahrgang. Lechner ist jetzt 43 und zur nächsten Landtagswahl dann fast 47 Jahre alt. Beide Kandidaten – ebenso wie übrigens Lars Klingbeil (46) – stünden also durchaus für einen Generationswechsel.

Das kann man von Lies und Behrens indes nicht behaupten. Olaf Lies wird an diesem Mittwoch 57 Jahre alt, Daniela Behrens wird am kommenden Sonntag 56. Lies hat zur Landtagswahl 2027 die sechs vorne, Behrens noch nicht ganz. Wichtig zu wissen ist, dass Lies und Behrens als gut befreundet gelten. „Sie würde ihm immer den Vortritt lassen“, sagt ein politischer Beobachter aus Hannover.

Würde es Krach werden, was nach jetzigem Stand freilich offen ist, hätte Niedersachsen übrigens einen waschechten Hannoveraner an der politischen Spitze des Landes. In der List, einem der beliebtesten Stadtteile Hannovers, aufgewachsen, zog es den 96-Fan nach eigenen Worten „direkt nach der Schule auf den Bolzplatz“.

Sportlich ist Krach immer noch. Er bestreitet im Tennis Punktspiele und tritt in seinem Büro hin und wieder an die Tischtennisplatte. Krach ist Mitglied bei Hannover 96 und versucht, kein Heimspiel zu verpassen.

Bevor der Diplom-Politologe in seine Heimatstadt Hannover zurückkehrte, bekleidet er in Berlin verschiedene Ämter, zuletzt als Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung in der Senatskanzlei. Krach lebt mit seiner Frau und seinen drei Jungs im Alter von zwei, sechs und zehn Jahren vor den Toren Hannovers.

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