Syndney  Sicherheit im Internet: Australien testet den Porno-Pass

Barbara Barkhausen
|
Von Barbara Barkhausen
| 07.05.2024 12:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Nicht jugendfrei: Wer in Australien künftig im Internet pornografische Filme anschauen will, braucht einen sogenannten Porno-Pass. Foto: dpa/Matthias Balk
Nicht jugendfrei: Wer in Australien künftig im Internet pornografische Filme anschauen will, braucht einen sogenannten Porno-Pass. Foto: dpa/Matthias Balk
Artikel teilen:

Wer in Australien künftig im Internet Pornos anschauen will, der braucht einen sogenannten Porno-Pass. Mit der Idee will das Land verhindern, dass Kinder und Jugendliche mit Fotos und Videos in Kontakt kommen, die für ihr Alter unangemessen sind. Kann das funktionieren?

Gerade hat sich Australiens Premierminister Anthony Albanese noch mit Tech-Milliardär und X-Chef Elon Musk angelegt, weil er ein Gewaltvideo auf dessen Plattform weltweit löschen lassen wollte. Das Wort „Zensur“ flog auf der einen Seite, „arroganter Milliardär“ hieß es vonseiten des australischen Regierungschefs. Letzterer greift nun weiter durch, um mehr Ordnung in die Netzwelt zu bringen, zumindest in die australische.

So schränkt die australische Regierung den Zugang zu Pornos im Internet ein und verbietet sogenannte Deepfake-Pornos, sexuelle Inhalte, die durch künstliche Intelligenz (KI) erstellt wurden. Anfang August soll zudem ein Gesetz „Doxxing“ unter Strafe stellen. Letzteres ist die Veröffentlichung privater Informationen im Internet – mit der Absicht, einer anderen Person Schaden zuzufügen.

Das aktuellste Projekt ist der sogenannte Porno-Pass, der Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren vom Zugriff auf pornografische Websites abhalten soll. Hier hat Australien im Mai nun ein Pilotprogramm angekündigt. Algorithmen in sozialen Medien könnten die Gleichstellung der Geschlechter untergraben, indem sie frauenfeindliche Inhalte verbreiteten, die sexistische Einstellungen bei jungen Menschen normalisierten, hieß es in einer Erklärung der Regierung.

Premierminister Albanese plädierte in diesem Zusammenhang zudem für eine Null-Toleranz-Haltung gegenüber der Verherrlichung von Gewalt gegenüber Frauen. „Junge Erwachsene sollten von Online-Influencern nicht in Respektlosigkeit oder Frauenfeindlichkeit erzogen werden“, sagte er.

Der Porno-Pass ist nun eine konkrete Maßnahme, mit der ein Unterschied im Verhalten junger Männer erzielt werden soll. Dieser Pass soll es künftig nur noch Erwachsenen ermöglichen, Pornografie im Internet anzuschauen, ähnlich wie ein normaler Reisepass es einem erlaubt, in ein Flugzeug einzusteigen. Über den „Pass“ soll das Alter einer Person überprüft werden, bevor er oder sie Zugang zu einer pornografischen Website erhalten.

Wie genau das funktionieren soll, ob jeder einen solchen Pass erhalten wird oder nur Leute, die diese Websites nutzen, all das ist noch nicht bis ins Detail ausgeführt worden, doch die eSafety-Beauftragte des Landes hat bereits eine Art „Fahrplan“ vorgeschlagen. Als Optionen wurden Gesichtsanalysetools, die Bilder oder Videos von Nutzern auswerten, vorgeschlagen. Letzere schätzen das Alter einer Person ein.

Auch sogenannte „Tokens“ von Drittanbietern, bei denen ein Anbieter das Alter einer Person überprüft und einen Token für den Zugriff auf pornografische Websites ausstellt, wären eine Möglichkeit.

Als dritte Option stünde eine digitale Identitäts-App als Methode zur Altersüberprüfung zur Verfügung, die den Vorteil hätte, dass persönliche Informationen sicher auf den Telefonen der Personen gespeichert werden könnten. QR-Codes oder Links könnten die Konnektivität mit der App erleichtern und die Weitergabe von Altersangaben an Websites ermöglichen. Laut der lokalen Tageszeitung „Sydney Morning Herald“ sollen die Pässe über „elektronische Tokens“ ausgestellt werden, die auch für Online-Spirituosenläden und Glücksspielseiten verwendet werden könnten, doch offiziell bestätigt ist dies noch nicht.

Nach Angaben der eSafety-Beauftragten haben 75 Prozent aller australischen Jugendlichen im Alter von 16 bis 18 Jahren bereits Online-Pornografie angeschaut. Fast 40 Prozent griffen sogar noch vor dem 13. Lebensjahr auf Pornografie zu, fast zehn Prozent waren bereits vor ihrem zehnten Lebensjahr damit in Berührung gekommen.

Wie potenziell gefährlich dies sein kann, zeigte eine britische Studie aus dem Jahr 2021: Diese analysierte mehr als 130.000 Videos von pornografischen Websites wie Pornhub, XHamster und XVideos und stellte fest, dass zwölf Prozent der Videos, die Erstnutzern auf einer Homepage gezeigt wurden, sexuelle Aktivitäten beschrieben, die sexuelle Gewalt darstellten.

Im November 2022 war Pornhub die beliebteste Pornografieseite in Australien und die 14. meistbesuchte Website Australiens. Eine australische Studie der School of Justice der Queensland University of Technology (QUT) zeigte im März erst, dass der Konsum von Pornografie mit verschiedenen schädlichen Einstellungen und Verhaltensweisen verbunden ist. Darunter sind riskantes Sexualverhalten, stärkere Objektivierung von Frauen, Akzeptanz von Vergewaltigungsmythen sowie sexuelle Nötigung und Aggression.

Einfach werde die Umsetzung und auch die Durchsetzung dieser neuen Vorschriften nicht, wie Paul Haskell-Dowland, Professor für Cybersicherheit an der australischen Edith Cowan University, in einem Online-Aufsatz zum Thema schrieb. „Die Realität ist, dass kein System perfekt ist.“ Kinder könnten beispielsweise gefälschte Daten – oder echte Informationen einer anderen Person – eingeben, um zu behaupten, sie seien älter. Sogar der Einsatz biometrischer Daten könne möglicherweise mithilfe eines älteren Verwandten, eines Fotofilter oder einer KI-Anwendung umgangen werden. Deswegen sei es wichtig, neben der Altersverifizierung auch die Authentizität der Person zu überprüfen.

Auch die Organisation Act for Kids forderte, dass die Maßnahmen noch weitreichender sein sollten. Obwohl die Kinderschützer begrüßten, dass der Prozess dazu beitragen werde, junge Menschen davon abzuhalten, sich pornografische Inhalte anzusehen, so helfe er ihnen nicht zu verstehen, „warum die Inhalte nicht in Ordnung sind oder was in Bezug auf Einwilligung, Beziehungen und Sex in Ordnung ist“. Deshalb brauche es dringend Investitionen in Früherziehungsprogramme, die Kindern, insbesondere kleinen Jungen, respektvolle Beziehungen vermitteln.

Ähnliche Artikel