Demo in Aurich Menschenkette will „Tierexporte sofort stoppen“
Export-Rindern drohen außerhalb Europas unendliche Qualen. Davon ist sogar die Agrarministerin überzeugt. Doch sie kann nicht helfen. Für den 11. Mai 2024 planen Tierschützer eine Demo in Aurich.
Aurich - „Tierexporte sofort stoppen“: Die Organisation „Ostfriesen gegen Tierleid“ ruft in Kooperation mit „mensch fair tier“ und „Metzger gegen Tiermord“ für Sonnabend, 11. Mai 2024, zu einer Demonstration in Aurich auf. Die Kreisstadt gilt als Drehscheibe für Transporte lebender Tiere in sogenannte Risikoländer außerhalb Europas. Tierschützer sind überzeugt, dass Zuchtrinder in Ländern wie Marokko oder Ägypten früher oder später ohne Betäubung geschlachtet werden. Unterwegs drohten ihnen große Qualen, heißt es. „Entgegen der Behauptung dienen die Rinder nicht zum Zuchtaufbau“, sagt Demo-Mitorganisator Diedrich Kleen, der als Mitglied der Tierschutzpartei dem Rat Wiesmoor angehört.
Die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte (Grüne) setzt sich ebenfalls für das Anliegen der Tierschützer ein, ist aber deutlich an ihre Grenzen gestoßen. Die Ministerin hatte im November 2023 per Erlass die Veterinärämter aufgefordert, Rindertransporte in 17 Staaten in Afrika und Asien zu untersagen. Das Verbot hielt vor Gericht nicht stand. Per Eilantrag setzte ein Unternehmer aus dem Emsland den Transport von 105 trächtigen Rindern nach Marokko durch. Das Oberverwaltungsgericht in Lüneburg bestätigte den Beschluss des Verwaltungsgerichts Osnabrück. Der Landkreis Emsland habe keine konkrete Gefahr für die Tiere dargelegt, hieß es zur Begründung – aus Sicht der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ eine „fatale Entscheidung“.
„Vegan Pete“ tischt auf
Die Tierschützer lassen nicht locker. „Wir machen so lange weiter, bis sich was ändert“, sagt Demo-Mitorganisator Kleen. „Man muss dranbleiben.“ Es ist die dritte Auflage der Demonstration in Aurich. Bei der Premiere im April 2022 waren rund 350 Menschen auf die Straße gegangen, ein Jahr später nur noch rund 200. Manfred Hagemann (Emden) von „Ostfriesen gegen Tierleid“ hat diesmal nach eigenen Angaben 250 Teilnehmer angemeldet. Sie treffen sich um 11 Uhr auf dem Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz bei der Sparkassen-Arena. Nach einigen Redebeiträgen setzt sich der Demonstrationszug gegen 11.30 Uhr in Richtung Pferdemarkt in Bewegung. Von dort geht es über den Marktplatz, Teile der Fußgängerzone und des Wallrings zur Kundgebung vor dem Rathaus. Unterwegs sind laut Hagemann zwei Zwischenstopps für das Verlesen literarischer Texte geplant: auf dem Marktplatz und auf dem Bürgermeister-Müller-Platz beim Landschaftsgebäude.
Auf der Rednerliste stehen Dieter Ruhnke, Vorsitzender des Landestierschutzverbandes Niedersachsen, Ina Müller-Arnke von der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“, Dr. Kirsten Tönnies von den „Tierärzten für verantwortbare Landwirtschaft“ sowie die Mitorganisatoren Diedrich Kleen und Peter Hübner (Syke). Letzterer bietet unter dem Namen „Vegan Pete“ an einem Stand vegane Speisen an. Außerdem werden Infostände aufgebaut.
Plakate werden aneinandergereiht
Noch unklar ist, ob es um 16 Uhr eine Menschenkette vor dem Gelände des Vereins Ostfriesischer Stammviehzüchter (VOST) an der B 72 in Aurich-Schirum geben wird. Im dortigen Viehvermarktungszentrum werden Rinder auf den Transport vorbereitet. Dort wollen die Demonstranten nach Angaben Hagemanns durch eine Aneinanderreihung von DIN-A1-Plakaten mit jeweils einem Buchstaben die Forderung „Tierexporte sofort stoppen!“ abbilden – in doppelter Ausführung, einmal für die Leerer Landstraße (B 72) und einmal für den dort einmündenden Lehmdobbenweg.
Damit das klappt, müssen mindestens 50 Demonstranten mitmachen. Zu Beginn der Veranstaltung am Vormittag werde man ein Meinungsbild bei den Teilnehmern einholen, so Hagemann. Er gibt sich optimistisch: „Ich denke, dass wir die 50 Leute zusammenbekommen.“ Falls nicht, werde man den Schriftzug bereits im Laufe der Abschlusskundgebung beim Rathaus präsentieren.
Die Demonstration wird von der Auricher Polizei begleitet. „Wir erwarten keine Störungen“, sagt Pressesprecherin Wiebke Baden. Auch das städtische Ordnungsamt rechnet mit einer friedlichen Kundgebung. „Das ist unkritisch aus unserer Sicht“, sagt Amtsleiter Helmut Lücht.