Berlin  Landkreise rufen nach parteiübergreifender Pro-Windkraft-Allianz

Tobias Schmidt
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Von Tobias Schmidt
| 06.05.2024 01:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Nur durch sinkende Strompreise kann mehr Akzeptanz für den Ausbau von Windparks geschaffen werden, sagt der Präsident des Deutschen Landkreistages, Reinhard Sager. Foto: IMAGO IMAGES / Jochen Tack
Nur durch sinkende Strompreise kann mehr Akzeptanz für den Ausbau von Windparks geschaffen werden, sagt der Präsident des Deutschen Landkreistages, Reinhard Sager. Foto: IMAGO IMAGES / Jochen Tack
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Was tun gegen die wachsende Windkraft-Wut und das Schüren von Energiewende-Ressentiments durch die AfD? Der Präsident des Deutschen Landkreistages, Reinhard Sager, macht klare Ansagen an Robert Habeck, aber auch seine eigene Partei, die CDU.

Der Ausbau der Windkraft boomt im Norden, in Ostdeutschland ist er ins Stocken geraten. Vor den Wahlen schürt die AfD Energiewende-Ressentimens und treibt CDU und FDP vor sich her. Deutschlands Landkreise sind alarmiert.

Ihr Präsident Reinhard Sager aus Ostholstein macht im Interview klare Vorschläge, was Wirtschaftsminister Robert Habeck, aber auch die anderen demokratischen Parteien jetzt tun müssen, um die Energiewende zu retten.

Frage: Herr Sager, Schleswig-Holstein und Niedersachsen sind Windkraft-Champions, aber im Süden und Osten Deutschlands wachsen Wut und Widerstand gegen neue Anlagen. Bleibt die ganze Last an den Nordländern hängen?

Antwort: Das darf nicht passieren. Der Ausbau erneuerbarer Energien ist entscheidend, um unabhängig von anderen Ländern zu werden und das Klima zu schützen. Er braucht aber Akzeptanz. Die gewinnt man nicht, wenn man weiterhin diejenigen bestraft, denen man Windräder vor die Nase stellt, indem man ihnen die Netzausbaukosten aufbrummt und den Strom für sie besonders teuer macht. Nur umgekehrt wird ein Schuh draus: Wir müssen die Menschen dort dafür belohnen, wo vor ihrer Haustür grüner Strom erzeugt wird. Damit wollen wir aber nicht die Südländer vor den Kopf stoßen: Dort wird viel erneuerbare Energie über Geothermie, Wasserkraft und Photovoltaik produziert.

Frage: Würde der Vorschlag der Bundesnetzagentur, die Netzausbaukosten deutschlandweit umzulegen, das Ziel erreichen?

Antwort: Der Vorschlag von Bundesnetzagentur-Präsident Klaus Müller geht in die richtige Richtung. Der Landkreistag fordert sehr energisch, dass diese Reform schnell umgesetzt wird. Dafür braucht es endlich den politischen Willen in Berlin statt neuer Ideen von Wirtschaftsminister Robert Habeck, den Netzausbau auf Pump zu finanzieren. Diejenigen, die ihren Beitrag zur Energiewende leisten, müssen spürbar profitieren. Das würde vielen Windkraft-Gegnern sofort den Wind aus den Segeln nehmen.

Frage: Die AfD nährt die Windkraft-Wut im Osten und könnte bei den drei Landtagswahlen stärkste Kraft werden. Kann das die ganze Energiewende zum Scheitern bringen?

Antwort: Das dürfen wir nicht zulassen. Auch und gerade in den neuen Ländern müssen die Menschen mitgenommen werden und Vorteile davon haben, wenn sie Windkraft in ihrem Landkreis akzeptieren. Wenn die unschönen Eingriffe in die Natur auch noch dazu führen, dass der Strom für die Familien und Unternehmen teurer wird, sollte sich niemand wundern, wenn Populisten versuchen, das Thema auszuschlachten.

Frage: À propos Populisten: In Thüringen hat Ihre Partei, die CDU, gemeinsam mit der AfD ein Windmühlen-im-Wald-Verbot beschlossen…

Antwort: Ich spreche nicht für die CDU, sondern für die 294 deutschen Landkreise. Dies vorausgeschickt, halte ich fest: Es wäre klug, wenn sich alle demokratischen Parteien hinter dem notwendigen Ausbau der erneuerbaren Energien versammeln würden. Wer Anti-Energiewende-Ressentiments bedient und auf diesem Feld mit Populisten wetteifert, um sich bei den Bürgern anzubiedern, der wird am Ende selbst an Zuspruch verlieren. Der Ausbau der Erneuerbaren ist von überragender Wichtigkeit für das ganze Land: um autark zu werden und das Klima zu schützen. Es wäre unverantwortlich und schlecht für Deutschland, wenn die anderen Parteien es den Grünen überlassen, den Windkraft-Ausbau auch gegen Widerstände voranzutreiben. Denn dann kann es nicht gelingen.

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