Flensburg  Auch für Warmduscher: Wie man mit einer Wärmepumpe effizient für heißes Wasser sorgt

Ralph Diermann
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Von Ralph Diermann
| 04.05.2024 11:43 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das Umweltbundesamt empfiehlt, Warmwasser in Wohngebäuden durchgängig auf 60 Grad zu erhitzen, um Legionellen vorzubeugen. Für Wärmepumpen ist das eine Herausforderung. Foto: Imago/IlluPics
Das Umweltbundesamt empfiehlt, Warmwasser in Wohngebäuden durchgängig auf 60 Grad zu erhitzen, um Legionellen vorzubeugen. Für Wärmepumpen ist das eine Herausforderung. Foto: Imago/IlluPics
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Wärmepumpen werden ineffizienter, wenn sie neben der Heizwärme auch Warmwasser bereiten müssen. Denn dafür sind höhere Temperaturen nötig. Welche Alternativen es gibt – und wann sie sinnvoll sind.

Wer sein Badewasser mit Legionellen teilt, lebt nicht ungefährlich. Atmet man die Bakterien mit dem Wasserdampf ein, können sie im schlimmsten Fall eine Lungenentzündung verursachen. Allzu heiß mögen es die Legionellen aber nicht. Ab einer Wassertemperatur von 55 Grad vermehren sie sich nicht mehr, oberhalb von 60 Grad sterben sie ab.

Um Legionellen zu vermeiden, empfiehlt das Bundesumweltamt, das Warmwasser in Wohngebäuden durchgängig auf 60 Grad zu erhitzen, so dass es in Bad und Küche mit mindestens 55 Grad aus dem Hahn kommt. Mit einer Gas- oder Ölheizung ist das kein Problem, die Kessel liefern ohnehin weit höhere Temperaturen. Für Warmwasser sorgen sie also quasi nebenbei.

Anders dagegen Wärmepumpen, die mit der seit Jahresbeginn geltenden Novelle des Gebäudeenergiegesetzes zur Standard-Heiztechnologie werden sollen: Sie arbeiten je effizienter und damit stromsparender, desto niedriger die Temperatur ist, die sie bereitstellen müssen.

Für die Raumwärme genügen in der Regel 50 bis 55 Grad, oft gar noch deutlich weniger. Um Warmwasser-Temperaturen von 60 Grad zu erzeugen, müssen die Anlagen also mehr Arbeit leisten. Das schlägt sich in der Stromrechnung der Bewohner nieder.

Deshalb kann es unter Umständen sinnvoll sein, zusätzlich eine zweite kleine Wärmepumpe zu installieren, die sich anstelle der Heizungs-Wärmepumpe um das Warmwasser kümmert. „Warmwasser-Wärmepumpen nutzen die Raumluft als Wärmequelle“, erläutert Martin Brandis vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. „Deren Temperatur ist an den meisten Tagen des Jahres höher als die der Außenluft, die Heizungs-Wärmepumpen in der Regel als Quelle verwenden.

Deshalb arbeiten Warmwasser-Wärmepumpen trotz der hohen Temperatur, die sie liefern, effizient“, sagt der Energieexperte. Damit sparen die Haushalte Strom, was jedoch mit den nicht gerade geringen Anschaffungskosten erkauft wird.

Alternativ wäre es möglich, das Wasser nicht zentral mit der Heizungs- oder einer Warmwasser-Wärmepumpe, sondern dezentral mit elektrischen Boilern oder Durchlauferhitzern zu erwärmen. Dazu muss im Bad, in der Küche und in allen anderen Räumen, in denen Warmwasser benötigt wird, mindestens jeweils eines dieser mit Strom betriebenen Geräte installiert werden.

„Der Vorteil liegt darin, dass so keine Wärme in den Leitungen verloren geht“, sagt Brandis. „Allerdings ist die Effizienz von Wärmepumpen auch bei höheren Wassertemperaturen immer noch besser als die von Elektro-Boilern und Durchlauferhitzern.“

Eine Patentlösung für alle Gebäude gibt es nicht, sagt Brandis – „jede Variante hat spezifische Vor- und Nachteile“. Deshalb sei wichtig, das System sorgfältig zu planen, auch weil es verglichen mit einem Gas- oder Ölkessel deutlich komplexer sei. „Dabei kommt es darauf an, den Wärmebedarf für die Heizung und das Warmwasser genau zu berechnen. Das ist die Voraussetzung, um eine Anlage zu installieren, die bedarfsgerecht und wirtschaftlich ist“, erklärt der Experte.

Keine Option ist hingegen, nach dem Einbau einer Wärmepumpe den alten Gas- oder Ölkessel in Betrieb zu lassen, um damit das Warmwasser zu bereiten. Denn dafür müssten diese auch dann in Betrieb gehalten werden, wenn die Bewohner gerade kein oder nur wenig Warmwasser benötigen. Vor allem aber: Der Bund verwehrt Hausbesitzern in vielen Fällen einen großen Teil der Förderung für die Wärmepumpe, wenn sie ihren Fossilkessel weiter nutzen.

Doch warum das Warmwasser permanent auf 60 Grad erhitzen, wenn doch Legionellen bei dieser Temperatur absterben? Viele Wärmepumpen verfügen über eine sogenannte Legionellenschaltung, die das Wasser automatisch immer wieder kurzzeitig auf diese Temperatur bringt. Im Normalbetrieb bleibt die Wärmepumpe unter 55 Grad.

Jens Schuberth vom Umweltbundesamt hält von diesem Konzept allerdings nichts. „Es gibt keine validen Erkenntnisse, die bestätigen, dass die Legionellenschaltung genügt, um die Bakterienbildung verlässlich zu unterbinden“, sagt der Wärmepumpen-Experte.

Neben der Temperatur haben Haushalte noch einen weiteren Hebel, den Legionellen zu begegnen: die Verweilzeit des Wassers in den Leitungen und im Speicher. Denn je schneller es verbraucht wird, desto weniger Zeit haben die Bakterien zur Vermehrung.

Schuberth empfiehlt deshalb, den Trinkwasserspeicher sowie den Durchmesser der Leitungen möglichst klein zu dimensionieren. Zudem sollten Speicher und Rohre gut gedämmt werden, damit das Wasser nicht so schnell abkühlt, wenn es darin steht.

Und: „Wir vom Umweltbundesamt raten zwar zum Wassersparen. Man sollte das aber auch nicht übertreiben – um das Legionellenrisiko zu minimieren, braucht es einfach einen gewissen Durchfluss.“

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