Osnabrück  Israelische Serie „Borders“ über Grenzpolizei in Tel Aviv verspricht Hochspannung pur

Frank Jürgens
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Von Frank Jürgens
| 05.05.2024 12:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Unbeherrscht, impulsiv und unberechenbar - Avi (Ben Sultan, Mitte, hier mit Ido Elieli und Noa Astanjelove) muss immer wieder gebremst werden. „Borders“. Ab 3. Mai in der ZDF Mediathek. Foto: ZDF und Ran Mendelson
Unbeherrscht, impulsiv und unberechenbar - Avi (Ben Sultan, Mitte, hier mit Ido Elieli und Noa Astanjelove) muss immer wieder gebremst werden. „Borders“. Ab 3. Mai in der ZDF Mediathek. Foto: ZDF und Ran Mendelson
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Die vom ZDF koproduzierte achtteilige israelische Serie „Borders“ verspricht einen hochdramatischen Einblick in die israelische Gesellschaft aus der Perspektive eines impulsiven Grenzpolizisten.

Israel haben die meisten Serienfans eher nicht auf dem Schirm, wenn es um hochwertige Serienkost geht. Und doch haben sich israelische Produzenten und Kreative längst mit eindrucksvollen Produktionen verewigt. Titel wie „Teheran“ (zwei Staffeln bei AppleTV+) oder „Fauda“ (vier Staffeln bei Netflix) erfreuen sich weltweit großer Beliebtheit. Und die Serie „Hatufim – In der Hand des Feindes“ gilt als eine der erfolgreichsten israelischen Serien überhaupt und diente sogar als Vorlage für die vielfach preisgekrönte US-Serie „Homeland“ mit Claire Danes und Damian Lewis.

Hinter derlei Erfolgen muss sich auch die neue hochdramatische Serie „Borders“ über die israelische Grenzpolizei nicht verstecken. Ungewöhnlich erscheint hier nun vor allen Dingen die Tatsache, dass das ZDF als Koproduzent dieser israelischen Serie mit an Bord sitzt. Was für deutsche Zuschauer den Vorteil hat, dass sie für dieses „ZDFneoriginal“ keinen Netflix-Zugang brauchen. Während die weltweiten Vertriebsrechte beim kostenpflichtigen Streaming-Giganten liegen, sind alle acht Episoden der Serie hierzulande frei zugänglich in der ZDF Mediathek und auch bei ZDFneo zu sehen.

Im Mittelpunkt stehen zwei Grenzpolizisten aus der Stadt Bat Jan im Bezirk Tel Aviv. Nachdem der hochintelligente, aber impulsive und zu unkontrollierten Gewaltausbrüchen neigende Avi (Ben Sultan) sowie sein bester Kumpel Kobi (Ido Eliali) mit einem mächtigen arabischen Clan Ärger bekommen haben, sinnen sie auf Rache. Wie? Ganz einfach. Sie bewerben sich beim Grenzschutz, wo sie auf Narrenfreiheit in Uniform hoffen.

Natürlich dauert es nicht lange, und den beiden droht das Militärgericht. Aber Hitzkopf Avi bekommt nicht nur eine letzte Chance, sondern wird auch nach Jerusalem versetzt. Nach einem Anti-Terroreinsatz kehrt er als Nationalheld nach Hause. Was nicht nur seinen Vater (Shlomi Shabbat), sondern auch Avis väterlichen Freund Chiko (Haim Zanati) freut, einen ziemlich üblen Mafioso. Als Avi mit der Versetzung in eine knallharte Anti-Terroreinheit die Chance seines Lebens bekommt und seinen Paten ignoriert, geraten die Dinge endgültig außer Kontrolle.

Die Arbeiten an „Borders“ waren bereits vor dem 7. Oktober 2023 abgeschlossen. Auch wenn die unfassbaren Terroranschläge auf Israel sowie die seither eskalierende Spirale der Gewalt zu einer völlig neuen Situation geführt haben, funktioniert die hochdramatische Serie trotzdem als Spiegel der multikulturellen israelischen Gesellschaft mit all ihren gesellschaftlichen Widersprüchen und politischen Problemen unserer Zeit.

Dabei legt Meni Yaish (Buch und Regie) erkennbaren Wert auf realistische Darstellungen und zieht auch deutliche Parallelen zur realen Vorfällen. Brutale Übergriffe auf verhasste „linke“ Demonstranten, die gegen den rechtsextremen Ministerpräsidenten „Bibi“ Netanjahu protestieren sind genauso der Wirklichkeit nachempfunden wie schikanöse Kontrollen bei arabischen Autofahrern und sexuelle Übergriffe auf weibliche Auszubildende. Wobei die permanente Terrorgefahr als reale Alltagsbegleitung in Israel wie eine unsichtbare Drohung über allem schwebt.

Neben der straffen Dramaturgie glänzt insbesondere der junge Nachwuchsdarsteller Sultan, mit dessen Figur Avi das spannende Drama seinen unheilvollen Lauf nimmt. Sultan spielt seine Rolle mit einer wahnsinnigen Intensität und Glaubwürdigkeit, ohne die die Serie nur halb so gut funktionieren würde. Damit dürfte er sich in Israel von seinem bisherigen Image als Teenie-Darsteller emanzipiert haben.

„Border“. Alle acht Episoden bereits jetzt in der ZDF Mediathek und auf ZDFneo am Dienstag, 7. Mai ab 23.15 Uhr.

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