Auricher Innenstadt  ADFC – Fahrradzone ohne Vorteile für Radfahrer

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 02.05.2024 16:52 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ende Oktober vorigen Jahres wurde die Fahrradzone in der Auricher Innenstadt eingerichtet. Foto: Romuald Banik
Ende Oktober vorigen Jahres wurde die Fahrradzone in der Auricher Innenstadt eingerichtet. Foto: Romuald Banik
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Vor sechs Monaten wurde die Fahrradzone in der Auricher Innenstadt eingerichtet. Gebracht hat das laut dem Fahrradclub nichts. Der ADFC schlägt Verbesserungen vor.

Aurich - Seit Ende Oktober ist die nördliche Auricher Innenstadt als Fahrradzone ausgewiesen. Eine Aktion, die nach Ansicht des ADFC Aurich für die Radfahrer keine nennenswerten Vorteile gebracht hat. Albert Herresthal vom Vorstand des ADFC Aurich, bringt es auf den Punkt: „Nur Schilder allein machen noch keine Verbesserungen für den Radverkehr aus, wenn alle übrigen Schwachstellen erhalten bleiben.“ Oder wenn sich gar Verschlechterungen durch die Fahrradzone ergeben. Dazu gehöre die Anhebung des Tempolimits. Denn bis Ende Oktober 2023 galt in der gesamten Auricher Innenstadt Tempo 20. In den Bereichen der Fahrradzone darf nun aber mit Tempo 30 gefahren werden – selbst in der Nürnburger Straße, die bislang eine sogenannte Spielstraße war.

Einen tatsächlichen Vorrang für Radfahrer habe die Fahrradzone aber nicht gebracht. Herresthal nennt als Beispiel die Kirchstraße, in der die Zahl der Parkplätze für Autos in Richtung der Fußgängerzone sogar ausgeweitet worden ist. Diese Stellplätze sind kostenlos, mit einer Parkscheibe darf dort eine Stunde lang geparkt werden. Dieses Angebot führe aber zu vermehrtem Park-Suchverkehr. In der engen Kirchstraße würden dann Fahrradfahrer innerhalb der Fahrradzone von Autos bedrängt. Herresthal fordert daher, das Parkplatzangebot dort sowie in der Bahnhofstraße zu reduzieren. „Ausreichend Stellplätze für mobilitätseingeschränkte Menschen und Taxen müssen selbstverständlich erhalten bleiben.“

Forderung: Nürnburger Straße in beide Richtungen für Radler öffnen

Änderungen muss es nach Ansicht des ADFC auch in der Nürnburger Straße geben. Nach wie vor ist es eine Einbahnstraße, die für Autofahrer ebenso gilt wie für Radfahrer. Letztere müssen, wenn sie vom ZOB in Richtung Kirchstraße fahren wollen, eigentlich den Nürnburger Wall nutzen. Viele machen das nicht und kommen dann auf der Nürnburger Straße als Geisterfahrer den Autos entgegen. Die Straße ist schmal, ein Ausweichen schlecht möglich.

Dem ADFC sind die kostenfreien Parkplätze in der Kirchstraße ein Dorn im Auge. Foto: Romuald Banik
Dem ADFC sind die kostenfreien Parkplätze in der Kirchstraße ein Dorn im Auge. Foto: Romuald Banik

Albert Herresthal hat eine einfache Lösung dafür, denn „für den Radverkehr gesperrte Straßen innerhalb einer Fahrradzone wegen des Autoverkehrs sind ein Widerspruch in sich“. Deshalb schlägt der ADFC vor, die Nürnburger Straße für den Radverkehr in beide Richtungen zu öffnen. Dafür müsste der Autoverkehr reduziert werden, indem die Nürnburger Straße zur Anliegerstraße erklärt wird.

Vorschlag: Durchgangsverkehr verbieten

Ein weiteres Ärgernis ist für den ADFC, dass es mitten in der Fahrradzone eine Straße gibt, die für Radfahrer täglich acht Stunden lang tabu ist: Die Norder Straße darf nämlich nur von 18 Uhr bis 10 Uhr am nächsten Morgen von Radfahrern befahren werden. Zudem ist der mittlere Bereich laut Herresthal durch das grobe Kopfsteinpflaster von schlechter Qualität für Radfahrer. Die Pflasterung wollte die Verwaltung im vorigen Jahr erneuern lassen trotz knapper Kassen. Das wurde von der Politik verhindert.

Die Zufahrt zum Schloss-Parkplatz könnte an den Anfang der Burgstraße verlegt werden. Das würde die Fahrradstraße entlasten. Foto: Romuald Banik
Die Zufahrt zum Schloss-Parkplatz könnte an den Anfang der Burgstraße verlegt werden. Das würde die Fahrradstraße entlasten. Foto: Romuald Banik

Herresthal kann nachvollziehen, dass auch Fahrradstraßen weiterhin von Autos genutzt werden müssen. Kunden und Angestellte der Innenstadt müssen die Parkplätze von Sparkasse, Volksbank oder beim Schloss erreichen können. Das gelte auch für die Gäste der Hotels. Das rechtfertige ein gewisses Maß an Autoverkehr in der Fahrradzone, müsse aber so weit wie nur möglich reduziert werden.

Burgstraße soll entlastet werden

Das gelte auch für die Burgstraße. Um dort die Zahl der Kraftfahrzeuge zu reduzieren, schlägt der ADFC vor, die Schrankenanlage vor dem Schlossparkplatz an den Anfang der Burgstraße zu verlegen. Dort könne ein Zugang zum Parkplatz geschaffen werden für Autos. Die Ausfahrt könne dort bleiben, wo sie sich nun befindet. Radfahrer würden gewinnen, weil die jetzige Zufahrt dann, mit einem Poller versehen, von ihnen genutzt werden könnte. Bislang gibt es dort nur ein großes Schild, das Radfahrer zum Absteigen nötigt. Würde die Zufahrt zum Parkplatz verlegt, würde das für Autofahrer keine Einschränkungen bedeuten, für Radfahrer aber ein großer Gewinn sein.

Die Einrichtung der Fahrradzone, so das Fazit des ADFC nach sechs Monaten, sei grundsätzlich ein erster Schritt für eine bessere Infrastruktur für Fahrräder. Für einen Erfolg brauche es aber konkrete Maßnahmen. Dazu gehöre, den Parksuchverkehr so weit wie möglich einzuschränken. „Das Aufstellen von Schildern allein dient dem Radverkehr nicht“, so Herresthal.

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