Bauleitplanung Bedenken gegen neue Sportstätte in Marienhafe
In mehreren Stellungnahmen zu den neuen Sportanlagen in Marienhafe wird Kritik an dem Bauvorhaben laut. Wer bisher was zu Protokoll gab.
Marienhafe - Zum Teil schwerwiegende Bedenken haben sogenannte Träger öffentlicher Belange und Bürger in ihren Stellungnahmen zur geplanten zentralen Sportstätte am Tjücher Moortun in Marienhafe formuliert. Die Samtgemeindeverwaltung hat die Eingaben jetzt im Internet veröffentlicht. Sie stammen alle aus der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung im Jahr 2022 und beziehen sich auf den damaligen, zum Teil noch lückenhaften Planungsstand. Einen aktuellen Planentwurf hatten Vertreter des auf Planung, Entwicklung und Realisierung von Sportstätten spezialisierten Architektenbüros „PS+ Elsner Heidbreder“ aus Osnabrück in einer Sitzung des Ausschusses für Soziales, Integration und Sport im Februar dieses Jahr vorgestellt.
Zur Erinnerung: Der Bau der zentralen und mehr als fünf Millionen Euro teuren Sportstätte am Tjücher Moortun in Marienhafe soll im Juli/August dieses Jahres beginnen und Ende 2025 abgeschlossen sein. Geplant sind der Bau von einem Kunstrasenplatz und zwei Naturrasenspielfeldern sowie Leichtathletikanlagen. Der Plan war nach Gesprächen mit Vertretern von Vereinen, die die Sportanlagen künftig nutzen sollen, erneut überarbeitet worden.
Landkreis Aurich beklagt erheblichen Eingriff
Zur ersten Version des Plans gingen 2022 Stellungnahmen des Amtes für Bauordnung, Planung und Naturschutz des Landkreises Aurich, des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG), des Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), der Ostfriesischen Landschaft, des Naturschutzbundes Nabu sowie zwei private Eingaben ein. Sie wurden, wie dem Wortlaut zu entnehmen ist, von den Landwirten Reno und Heike Ippen aus Neuwesteel und nach ON-Informationen vom früheren Vize-Verwaltungschef der Samtgemeinde Brookmerland, Harm Bents, verfasst.
Angesichts der geplanten Versiegelung von knapp 66.000 Quadratmetern spricht der Landkreis Aurich in seiner Stellungnahme von einem „erheblichen Eingriff in die Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Bodens und des Naturhaushalts“. Die zurzeit landwirtschaftlich genutzte Fläche, auf der die Sportstätte entstehen solle, stelle einen „wertvollen Bereich“ zur Aufnahme von Niederschlägen und ein potenzielles Bruthabitat für Bodenbrüter dar. „Durch die Umwandlung in einen Sportplatz geht die Wertigkeit für den Naturraum nahezu vollständig verloren“, so die Auricher Behörde, die wegen der Lage auch eine deutliche höhere Verkehrsbelastung der nahegelegenen Bundesstraßenkreuzung erwartet. Gelobt wird wegen der nahen Bushaltestelle „die gute Erreichbarkeit mit dem ÖPNV“. Beklagt werden die „knappen Ausführungen“ hinsichtlich einer möglichen Sanierung des Sportzentrums in Upgant-Schott und „fehlende Ausführungen“ zu etwaigen Standortalternativen.
Nabu sieht Gefahren für gefährdete Fledermäuse
Kritisch sieht der Landkreis auch die Verträglichkeit der Sportstätte mit der angrenzenden Freizeitanlage Tjücher Moortun und dem Wohnmobilstellplatz dort.
Wie der Landkreis weist auch das LBEG auf die äußerst hohe Bodenfruchtbarkeit in dem Bereich hin, die aus fachlicher Sicht als besonders wertvoll einzustufen sei.
Ein tragfähiges Konzept für die Oberflächenentwässerung fordert das NLWKN ein.
Eine „erhebliche Beeinträchtigung des Naturhaushalts“ durch das Bauvorhaben befürchtet der Nabu. „Massive Beeinträchtigungen“ seien vor allem für acht, teils stark gefährdete Fledermausarten zu erwarten. Offenbar seien die Eingriffe in den Naturhaushalt „kaum bis gar nicht“ berücksichtigt worden, heißt es. Einen Ausgleich des durch den Bau der Sportstätte verloren gehenden Lebensraums hält der Nabu im gesamten Brookmerland für nicht möglich.
Ebenfalls erhebliche Bedenken haben die Landwirte Reno und Heike Ippen formuliert, die das nördlich an das geplante Areal angrenzende Land bewirtschaften. Sie befürchten, dass ihre langgezogene 7,7 Hektar große Ackerfläche noch weiter an Wert verlieren werde und kündigen an, Samtgemeinde und Gemeinde zu verpflichten, den Wertverlust auszugleichen. Sie erinnern daran, dass ihre Feldarbeit mit Lärm, Staub und Gerüchen verbunden ist. „Eine Landbewirtschaftung muss uneingeschränkt weitergehen“, fordern sie. Auch müsse ausgeschlossen werden, „dass Müll und Unrat auf unsere Fläche gelangt“.
Zweifel, ob die Sportanlagen den von Fachverbänden vorgegebenen Normen entsprechen, äußert Harm Bents. Auch hält er die Anordnung der Spielfelder für problematisch. Für Schüler der Grundschule in Upgant-Schott und der IGS Marienhafe-Moorhusen sei das neue Sportzentrum zudem nicht in der vorgesehenen Zeit zu erreichen.
Stand der Bauleitplanung Thema im Bauauschuss
Zum Stand der Bauleitplanung für die neue zentrale Sportstätte will sich die Verwaltung in der öffentlichen Sitzung des Bauausschusses am kommenden Donnerstag, 2. Mai, äußern. Beginn ist um 15.30 Uhr im Gemeindehaus der lutherischen Kirchengemeinde Marienhafe.