Carsharing  Stadt Aurich will Autos teilen und selbst sparen

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 29.04.2024 18:42 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Vor der Fahrradabstellanlage am Rathause sollen zwei Stellplätze für das Carsharing-Angebot reserviert werden. Foto: Romuald Banik
Vor der Fahrradabstellanlage am Rathause sollen zwei Stellplätze für das Carsharing-Angebot reserviert werden. Foto: Romuald Banik
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Eine Konzession für Carsharing soll in der Stadt Aurich ausgeschrieben werden. An drei Standorten wird es insgesamt sechs Fahrzeuge zum Teilen geben. Profitieren will die Stadt auch selbst.

Aurich - Carsharing gibt es in Aurich seit 30 Jahren. Im März 1994 gründete sich der Verein „Carsharing Aurich“, dem heute 40 Mitglieder angehören. Drei Wagen stehen zum Ausleihen bereit. Der Verein soll nun Konkurrenz von Profis bekommen. Die Stadt Aurich will eine Konzession für den Aufbau und Betrieb eines Carsharing-Angebotes ausschreiben. Das hat der Umwelt- und Verkehrsausschuss in der vergangenen Woche einstimmig empfohlen. Aufgebaut werden soll zunächst eine Flotte von sechs Autos an drei Standorten.

Verkehrsplaner Volker Alberts stellte das Projekt vor, von dem vor allem die Auricher Stadtverwaltung profitieren könne. Denn zwei der Wagen sollen ihren festen Stellplatz beim Rathaus erhalten und von den Mitarbeitern für Dienstfahrten genutzt werden. Das schließe aber nicht aus, so Alberts, dass die Wagen auch von Auricher Bürgern genutzt werden könnten. Die Verwaltung werde nicht bevorzugt behandelt bei der Buchung.

Stadt erhofft sich große Einsparungen

Ein ruhiges Autoleben führen die Fahrzeuge, die den Mitarbeitern der Auricher Stadtverwaltung zur Verfügung stehen. Nur 0,9 Fahrten werden pro Tag und Fahrzeug mit den sechs Wagen absolviert. Und in 56 Prozent der Fälle werden Fahrten von bis zu zehn Kilometern unternommen.

Die meiste Zeit des Tages stehen die Autos also – und kosten dennoch Geld. Das legte Verkehrsplaner Volker Alberts im Auricher Umwelt- und Verkehrsausschuss vor Kurzem dar. Daher könne die Stadt Geld sparen, wenn ein Carsharing-System eingeführt werde.

Zwei der sechs Fahrzeuge sollen durch das Carsharing-Angebot ersetzt werden. Bis zu 28 Prozent der Kosten könnte die Verwaltung damit einsparen. Eine Einschätzung, die Heidrun Weber (GFA) bestätigte. Sie nutzt das Angebot des Vereins Carsharing Aurich seit acht Jahren. „Wenn man nicht mehr als 15.000 Kilometer im Jahr fährt, lohnt sich das Carsharing.“ Alle sechs städtischen Autos zusammen kommen auf 29.000 Kilometer im Jahr.

Carsharing als Wachstumsmarkt

Der Verein werde auch trotz des neuen Angebotes aktiv bleiben, versicherte Weber. Man sehe sich mit den 40 Mitgliedern nicht als Konkurrenz, sondern begrüße das neue Angebot für die Stadt Aurich.

Beim Rathaus sollen, so die Bedingung der Verwaltung, zwei Elektroautos auf ihre Fahrer warten. Die anderen beiden Standorte – einer in der Nähe des Marktplatzes, ein weiterer in der nördlichen Kernstadt – können auch mit Verbrennerfahrzeugen besetzt werden. Denn, so Alberts, man dürfe den Menschen nicht zu viel auf einmal zumuten. Der Umstieg zum Carsharing sei für viele schon ein großer Schritt. Dann zugleich den Umstieg auf ein Elektrofahrzeug vorzuschreiben, sei vielleicht eine zu große Hürde. Ein Antrag von Hendrik Siebolds (Linke), nur auf E-Autos zu setzen, wurde denn auch vom Ausschuss abgelehnt.

Alberts sieht im Carsharing aber einen Wachstumsmarkt und versuchte, Bedenken von Richard Rokicki (AWG) zu zerstreuen. Rokicki bezweifelte, dass es außerhalb der Verwaltung viele Kunden geben könnte. Aber, so Alberts, Beispiele aus anderen Städten würden zeigen, dass es funktioniere. So gebe es in Oldenburg über 200 Fahrzeuge im Carsharing, und auch in Leer würde das Angebot stetig ausgebaut. „Es gibt Anbieter, die bewusst in die ländlichen Gebiete gehen.“

Es sei erwiesen, dass ein Carsharing-Fahrzeug zwölf Privatautos ersetze. Studien würden belegen, dass dadurch der Parkdruck sinke. Argumente, die am Ende den Ausschuss überzeugten.

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