Kiel Potenziale der Landwirtschaft: Wie funktioniert eine Biogasanlage?
Nach ausbleibender EEG-Förderung ist die Zukunft mancher norddeutschen Biogasanlage ungewiss. Wie eine Biogasanlage funktioniert und welche Potenziale der Landwirtschaft zur Stromerzeugung zugrunde liegen.
Ob Vizekanzler Robert Habeck mit Schleswig-Holsteins Umweltminister Tobias Goldschmidt diskutiert oder im niedersächsischen Friesoythe die größte Biogasanlage Europas entstehen könnte: Die Frage, wie Deutschland CO₂-neutral heizen kann, rückt weiter in den Fokus. Eine Antwort könnten weiterhin Biogasanlagen sein.
Am Freitag, 26. April, stimmte diesbezüglich der Bundesrat dem Vorstoß von Schleswig-Holsteins Umweltminister Tobias Goldschmidt zu. Dieser hatte zuvor gefordert, dass Biogasanlagen, die von einem potenziellen Förderende des EEG-Gesetzes gefährdet sind, gestärkt werden sollen. Die Rahmenbedingungen sollen zukünftig verbessert werden, um gesteckten Klima-Zielen gerecht werden zu können – so etwa der im Heizungsgesetz formulierten Forderung, dass Erneuerbare Energien zukünftig beim Heizen einen Anteil von 15 Prozent ausmachen sollen. Biogas gilt weiter als möglicher Schlüssel der Klimapolitik – doch, wie funktionieren eigentlich Biogasanlagen?
49,3 Milliarden Kilowattstunden: So viel Strom wurde 2023 laut Angaben des Umweltbundesamtes aus Biomasse erzeugt. Die chemische Analyse nach der Biogas-Produktion zeigt die Ähnlichkeit zum herkömmlichen Erdgas. Biogas besteht zu 50 bis 60 Prozent aus Methan. Den Rest machen mehrere verschiedene Gase aus. Der große Unterschied zwischen Bio- und Erdgas: der geringe CO₂-Anteil von Biogas. An CO₂ wird lediglich die Menge freigesetzt, die zuvor von den verwendeten Pflanzen aufgenommen wurde. Ein komplexes Verfahren erlaubt es später, Biogas unmittelbar in das Gas-Netz einzuspeisen oder Blockheizkraftwerke mit Strom zu versorgen.
Dass Biogas überhaupt gewonnen werden kann, hat in erster Linie mit der sogenannten Feststoffvergärung zu tun. Ein Prozess, der in der Biogasanlage dafür sorgt, dass die Biomasse, bestehend aus Kohlenhydraten, Proteinen und/oder Fetten zersetzt wird. Ein großer Behälter wird bereitgestellt und der Abbau der Biomasse durch Mikroorganismen beginnt. Es kommt zu Stoffwechselprozessen der Mikroorganismen und Methan entsteht.
Eine Biogasanlage besteht aus Vorgrube, Fermenter, Gastank und einem Gärrestelager. Die Vorgrube ist wesentlich, um die Biomasse zu lagern und zu zerkleinern. Im Anschluss beginnt im Fermenter der organische Abbau. Hier wird dafür gesorgt, dass die Biomasse und die Bakterien weiter vermischt werden. Wie Verbraucher-Portal Verivox berichtet, entscheidet sich hier auch, wie viel Strom später einmal aus Biogas gewonnen werden kann. Relevant dafür ist die Größe des Fermenters. Gespeichert wird das Biogas im Gastank, während der rückständige Abbau im Gärrestelager deponiert wird. Aufgrund seines Nährstoffreichtums kann er zu einem späteren Zeitpunkt als Dünger verwendet werden.