Ärger um Schulpläne Container wegen „Inselklasse“ in Osteel
Für das geplante intensivpädagogische Pilotprojekt an der Osteeler Grundschule müssen die Bücherei und der Musikraum weichen. Aber nicht nur das sorgt bei Politik und Verwaltung für Verstimmung.
Osteel - Für die Einrichtung einer sogenannten Inselklasse an der David-Fabricius-Grundschule in Osteel wird ein Gebäudetrakt der Schule geräumt. Wie die Pressestelle der Regionalen Landesämter für Schule und Bildung (vormals Landesschulbehörde) auf ON-Anfrage mitteilte, sehe das Raumkonzept vor, die neue Klasse im Schulgebäude unterzubringen. Dafür müssen der Musikraum und die Bücherei der Schule weichen. Sie werden ausgelagert. Auf dem Schulgelände soll dazu ein Container – die Landesschulbehörde spricht von einem „mobilen Klassenraum“– aufgestellt werden.
In der sogenannten Inselklasse sollen, wie berichtet, maximal acht Schüler aus den 27 Grundschulen im Altkreis Norden sowie der Gemeinde Südbrookmerland bis zu sechs Monate lang intensivpädagogisch betreut werden. Dabei handelt es sich um ein gemeinsames Pilotprojekt des Landkreises Aurich, des Regionalen Beratungs- und Unterstützungszentrums Inklusive Schule (RZI) und des Landesamtes für Schule und Bildung.
In der Inselklasse werden Schüler unterrichtet, die sich beispielsweise nur kurz konzentrieren können, ständige Aufmerksamkeit der Lehrkraft einfordern, Konfliktsituationen nicht selbst lösen können, Arbeitsaufträge verweigern, sich unangemessen gegenüber anderen Kindern oder Erwachsenen verhalten, unruhig sind und wenig Lernbereitschaft zeigen. Ziel ist die schrittweise Wiedereingliederung der Schüler in ihre Wohnort-Grundschulen. Die Inselklasse soll mit einem Drei-Pädagogen-System bestehend aus einer Förderschullehrkraft, einer Grundschullehrkaft und einer sozialpädagogischen Fachkraft ausgestattet werden, um eine individuelle Förderung zu ermöglichen. Zusätzlich werden die Schüler von Mitarbeitern des Mobilen Dienstes emotionale und soziale Entwicklung (ES) betreut.
Die Osteeler Schule erhielt den Zuschlag, weil sie sich als einzige darum beworben hatte. Das Pilotprojekt soll zum kommenden Schuljahr starten.
Offene Fragen und Kritik
Doch noch ist nicht alles in trockenen Tücher, gibt es offene Fragen. Vor allem in der Brookmerlander Politik. Sie fühlt sich von der Schulleitung in Osteel nicht umfassend und zu spät beteiligt. Auch die Verwaltung der Samtgemeinde, die Schulträgerin ist, kritisiert, nicht von Beginn an einbezogen worden zu sein. Erst als sich das Raumproblem abgezeichnet habe, habe sich die Schulleitung gemeldet, heißt es aus Reihen der Politik. Der passt das offenbar nicht.
Politik sieht noch offene Fragen und hat Zweifel
Die Ratsmehrheit aus SPD und Wählergruppe „Moin“ schickte Schulleiterin Insa Clemens-Hedemann einen Katalog mit noch offenen Fragen. Am Donnerstag stand das Thema Inselklasse erneut auf der Tagesordnung des nichtöffentlich tagenden Samtgemeindeausschusses und die Rektorin Politik und Verwaltung dort Rede und Antwort. Wie aus Teilnehmerkreisen zu erfahren war, sollen vor allem die Schulexperten unter den Politikern, wie die frühere Vize-Leiterin der IGS Aurich, Renate Erdt (Grüne), und der Berufsschullehrer Heinrich Ubben (Moin) der Schulleiterin auf den Zahl gefühlt haben.
Ein Ergebnis: Es gibt offenbar bisher keinen Beschluss der Gesamtkonferenz an der Osteeler Schule zu dem Projekt Inselklasse. Auch hat die Politik Zweifel und Bedenken, dass die Eltern der Osteeler Grundschüler bisher ausreichend über dessen Inhalt und Auswirkungen auf den Schulalltag informiert worden sind. Erst wenn das der Fall sei und der Beschluss der Gesamtkonferenz vorliege, will die Politik endgültig grünes Licht geben. Am Donnerstag jedenfalls wurde nach ON-Informationen noch kein Beschluss gefasst.
Noch nicht endgültig bestätigt ist, ob der Landkreis Aurich auch die zusätzlichen Kosten für den Container trägt. Die Landesschulbehörde geht davon aus.
Definitiv ausgeschlossen ist, dass die Schule als Ausweichquartier für Bücherei und Musikraum das benachbarte Multifunktionsgebäude am Sportplatz nutzt. Das gehört der Gemeinde Osteel, die es ihren Vereinen zur Verfügung stellt. Diese und der Rat haben der Schule eine Absage erteilt.
Insa Clemens-Hedemann wollte am Freitag auf Anfrage weder zu ihrem Auftritt vor dem Samtgemeindeausschuss noch zum Thema Inselklasse Stellung nehmen. Sie verwies auf Landkreis und Samtgemeinde, die sich abstimmen und dann äußern wollten. Aus dem Marienhafer Rathaus hieß es dazu bisher auf wiederholte Anfrage nur: „Sie werden zu gegebener Zeit informiert werden.“