Washington  Schon dieser eine 80er-Film zeigt, was MeToo verändert hat

Daniel Benedict
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Von Daniel Benedict
| 26.04.2024 16:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Der Morgen danach: Haviland Morris und Anthony Michael Hall in der berüchtigten Date-Rape-Szene aus John Hughes‘ „Sixteen Candles“. Foto: IMAGO / ZUMA Wire
Der Morgen danach: Haviland Morris und Anthony Michael Hall in der berüchtigten Date-Rape-Szene aus John Hughes‘ „Sixteen Candles“. Foto: IMAGO / ZUMA Wire
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Hat MeToo denn gar nichts gebracht? Dieses Gefühl kann der juristische Erfolg des Ex-Produzenten Harvey Weinstein zumindest wecken. Ein Blick in die Filmgeschichte beweist das Gegenteil.

Mit den Enthüllungen um Harvey Weinstein begann im Oktober 2017 die MeToo-Bewegung. Immer neue, teils sehr berühmte Frauen warfen dem Produzenten sexuelle Gewalt vor. Auf den Skandal folgte eine Flut ähnlicher Erfahrungsberichte – und eine Debatte darüber, was ein Übergriff ist und was einvernehmlicher Sex. Weinstein wurde in zwei Prozessen zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt. Das erste Urteil wurde jetzt im Berufungsverfahren kassiert. Hat MeToo also gar nichts gebracht? Doch.

Wie viel sich verändert hat, erlebt man da, wo alles anfing: im Kino. Zum Beispiel in John Hughes’ „Sixteen Candles“. Die Highschool-Komödie erzählt vom Schulschwarm, der das Mauerblümchen liebt. Bevor er sie in den Armen hält, muss er seine Cheerleader-Freundin abservieren. Und zwar so:

Das Cheerleader-Mädchen trinkt sich ins Koma. Ihr Freund stellt fest, dass er sie jetzt „auf zehn verschiedene Weisen vergewaltigen könnte“ – sich aber zu schade dafür ist. Mit den Worten „Viel Spaß“ reicht er die bewusstlose Schülerin weiter. Am nächsten Morgen wacht das Mädchen neben einem Fremden auf. Jemand hat ihr einen Teil ihrer Haare abgeschnitten, sie vermutet, dass sie Sex hatte - und sagt, dass sie es dann wohl wahrscheinlich genossen hat.

„Sixteen Candles“ startete fast auf den Tag genau vor 40 Jahren. Partyvergewaltigungen waren damals ein Witz. Und die Unterscheidung zwischen einem gemeinsamen Absturz und dem Übergriff auf Bewusstlose spielte für das große Publikum keine Rolle. Das ist der Zeitgeist, in dem Kinder der 80er aufgewachsen sind.

Es stimmt. MeToo hat die sexuelle Gewalt nicht beendet. Frauen werden mit Penis-Fotos belästigt. Auf TikTok kursieren Fakenews über Vergewaltigungstage. Und der Weinstein-Prozess zeigt, dass gerade der Nachweis vor Gericht schwer bleibt. Aber zumindest lacht das Mainstream-Kino nicht mehr über Missbrauch. Es geht alles sehr langsam, aber es geht voran.

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