ÖPNV  Auricher Stadtbus steht auf der Kippe

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 24.04.2024 18:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ein Nachfolger für den Anrufbus wird gesucht. Es könnte sein, dass es am Ende gar kein Angebot mehr gibt. Foto: Romuald Banik
Ein Nachfolger für den Anrufbus wird gesucht. Es könnte sein, dass es am Ende gar kein Angebot mehr gibt. Foto: Romuald Banik
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Drei Fraktionen und der Auricher Bürgermeister lehnen ein Linienbussystem für die Stadt ab. Denn das könne sich die Stadt nicht leisten.

Aurich - Am Donnerstag soll der Umwelt- und Verkehrsausschuss der Stadt über die Einführung eines neuen Stadtbussystems entscheiden. Mindestens zwei Linien soll es nach den Vorstellungen des Büros „Mobile Zeiten“ geben, die im Halbstundentakt den Auricher ZOB ansteuern. Damit würde der bisherige Anrufbus abgelöst, der nur wenige Fahrgäste im Jahr anlocken konnte, dennoch aber über 300.000 Euro kostete.

Vom neuen Linienbussystem ist aber auch nicht der komplette Rat überzeugt. So legten SPD und GAP ein eigenes Konzept vor, mit dem alle Ortsteile erfasst werden sollten. Bei „Mobile Zeiten“ würden nur kernstadtnahe Ortsteile profitieren. Und Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos) lehnt ein Linienbussystem völlig ab.

Knappe Entscheidung im Auricher Rat

Denn der Haushalt der Stadt könne die Ausgaben, die wahrscheinlich bei mindestens 500.000 Euro liegen würden, nicht tragen. „Wir haben das Geld nicht“, so Feddermann im Gespräch mit unserer Zeitung. Er verweist auf die Stadt Cloppenburg. Dort gebe es einen Stadtbus, der sogar bis 23 Uhr am Abend fahre. „Das wird aber vom Kreis Cloppenburg organisiert, nicht von der Stadt.“ Aus diesem Grund habe die Verwaltung in der Beschlussvorlage auch einen zweiten Punkt eingefügt. Dieser besagt, dass die Verwaltung eine Anpassung des bestehenden Anruf-Bus-Systems prüfen soll, wenn es für den Stadtbus keine Mehrheit geben würde.

Und das könnte durchaus passieren. Denn der Auricher Rat hat 41 Mitglieder. Neben dem Bürgermeister sprechen sich auch die 15 Ratsmitglieder der CDU/FDP-Gruppe gegen die Einführung des neuen Stadtbussystems aus. Das teilt Vorsitzender Arnold Gossel auf Anfrage mit. Ebenso wird die fünfköpfige AWG-Fraktion gegen die Einführung des neuen Systems stimmen, wie Fraktionschef Richard Rokicki sagt. Damit hätte man, wenn in der entscheidenden Ratssitzung alle Mitglieder anwesend sein sollten, 21 Stimmen gegen den Stadtbus – das Projekt wäre gescheitert.

Kritik: Äußere Ortsteile werden nicht bedient

Es bleibt aber eine knappe Angelegenheit, da Hermann Ihnen (parteilos), der der AWG-Fraktion angehört, seit langer Zeit nicht mehr an den Sitzungen teilgenommen hat. Den Bus-Gegnern könnte so eine Stimme fehlen.

Wie Horst Feddermann sind auch Arnold Gossel und Richard Rokicki der Ansicht, dass der ÖPNV Sache des Landkreises, nicht der Stadt ist. Außerdem, so Gossel, würden die Ortsteile, die in den Genuss eines Linienbusses kommen würden, die Innenstadt auch mit dem Fahrrad bequem erreichen können. Hingegen würden die äußeren Ortsteile, die auf einen Bus angewiesen wären, nicht angeschlossen.

AWG lehnt auch Anrufbus ab

Es müssten für die neuen Linien auch neue Haltestellen eingerichtet werden. „Die Anzahl und die Kosten für Grunderwerb und Herstellung sind nicht beziffert“, sagt Gossel. Weder das alte Anrufbussystem noch das frühere Stadtbussystem hätten die Menschen dazu bewegt, den ÖPNV zu nutzen. Daher gehe die Gruppe von CDU und FDP davon aus, dass auch das neue Angebot nicht angenommen werden würde. Älteren oder körperlich eingeschränkten Menschen könnte die Stadt besser Taxigutscheine zur Verfügung stellen. Das für den Stadtbus vorgesehene Geld könne besser in den Ausbau von Radwegen investiert werden, so Gossel abschließend.

Auch Richard Rokicki fürchtet, dass der Stadt die Kosten „um die Ohren fliegen werden“. Denn SPD und GAP würden ja bereits mehr als die zwei zunächst vorgeschlagenen Linien fordern. „Das wird am Ende eine Million Euro im Jahr kosten. Wo soll das Geld herkommen?“ Die AWG werde auch dem Alternativvorschlag der Verwaltung, den Anrufbus fortzuführen, nicht zustimmen. „Der funktioniert nicht, das ist ein Geisterbus.“ In die Pflicht nehmen müsse man den Landkreis Aurich. Dieser müsse die Busliniennetze erweitern.

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