Weiter Wirbel bei Wirtschaftsbetrieben  Chefplaner für Norddeicher Freibad kündigt noch in der Probezeit

| | 23.04.2024 16:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Seit Jahren liegt das Becken des Norddeicher Freibades ungenutzt hinter dem Deich. Foto: Rebecca Kresse
Seit Jahren liegt das Becken des Norddeicher Freibades ungenutzt hinter dem Deich. Foto: Rebecca Kresse
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Es gab offenbar unterschiedliche Auffassungen über die Arbeitsweise. Ein weiterer Grund für die Kündigung: Der Norder Stadtbaurat hat das Genehmigungsverfahren zum Freibadbau gestoppt.

Norden - Kaum war er da, ist er auch schon wieder weg: Der neue Chefplaner für das Norddeicher Freibad, Rainer Feldmann, hat noch innerhalb seiner Probezeit bei den Wirtschaftsbetrieben Norden wieder gekündigt. Aus guten Gründen, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung sagte. Dabei spielt offenbar auch der neue Stadtbaurat, Christian Pohl, eine Rolle.

Ziemlich klar ist für Feldmann schon jetzt: Das Freibad wird nicht im geplanten Zeitraum und nicht für die geplante Summe gebaut werden können. Klar ist auch: Die Wirtschaftsbetriebe der Stadt Norden kommen einfach nicht zur Ruhe. Erst wird der neue Geschäftsführer Said M.R. Khashey nach nur einem Monat im Amt wieder entlassen. Dann wird bekannt, dass auch der ehemalige technische Leiter der Wirtschaftsbetriebe, Wolfgang Völz, gehen musste. Der wehrt sich dagegen vor dem Arbeitsgericht. Jetzt zieht Rainer Feldmann die Reißleine.

Rainer Feldmann hat nach nur vier Monaten als Chefplaner für das Norddeicher Freibad seinen Job wieder gekündigt. Foto: Willi Frerichs.
Rainer Feldmann hat nach nur vier Monaten als Chefplaner für das Norddeicher Freibad seinen Job wieder gekündigt. Foto: Willi Frerichs.

Stadt hält Chefplaner-Posten nicht mehr für nötig

Die Stadt bestätigte als Gesellschafterin der Wirtschaftsbetriebe der Stadt Norden GmbH die Kündigung zum 30. April. Die Stelle soll demnach nicht wieder neu besetzt werden, „da der Bedarf für die bisherigen Aufgaben eines Ingenieurs in Zukunft nicht mehr gegeben sind“, so die Stellungnahme. Rainer Feldmann habe in den vergangenen Wochen, vor allem im Hinblick auf die reale Kostenplanung des Freibads in Norddeich, „sehr gute Arbeit“ geleistet, heißt es. Auch sei das Projekt bereits vollständig an Kollegen und Geschäftsführung übergeben worden. Aus Sicht der Stadt sei die Position Feldmanns als Chefplaner für das Freibad innerhalb der Wirtschaftsbetriebe obsolet, weil bereits die externe Vergabe an ein Planungsbüro beschlossen sei. Diese sei mit der „Einsetzung eines Bauleiters in der Bauphase“ verbunden.

Diese nachträgliche Erklärung wirft zumindest Fragen auf: Wenn all das bereits feststand, warum hat die Stadt Norden den Posten überhaupt ausgeschrieben und zum 1. Januar 2024 besetzt, wenn sie eigentlich gar nicht nötig ist?

Arbeitsweise von Feldmann passte nicht jedem

Aber der Reihe nach: Am 1. Januar übernahm Feldmann das Amt als Chefplaner bei den Wirtschaftsbetrieben (wir berichteten). Feldmann ist in Norden und im Landkreis Aurich kein Unbekannter. Er saß im Auricher Kreistag, war jahrelang Mitglied der FDP, trat als Bürgermeisterkandidat gegen Florian Eiben an, hatte aber das Nachsehen. Als Diplom-Bauingenieur war er fachlich qualifiziert und brachte als jahrelanger Geschäftsführer beim Landschafts- und Kulturbauverband Aurich in Südbrookmerland auch noch Führungserfahrung mit.

Genau das ist offenbar aber auch schon Teil des Problems. Feldmann ist, so sagt er es selbst, gewohnt, selbstständig zu arbeiten, das große Ganze im Blick zu haben und auch nach links und rechts zu schauen. „Dabei habe ich mich sicherlich auch um ein paar Dinge gekümmert, die nicht ganz meinem Aufgabenbereich entsprechen, zu denen ich aber trotzdem etwas sagen wollte – sowohl im Positiven als auch im Negativen“, sagte Feldmann. Das gefiel dem Interimsgeschäftsführer der Wirtschaftsbetriebe Markus Aukskel offenbar nicht ganz so gut. Der soll Feldmann gesagt haben, er solle sich auf seine Aufgaben konzentrieren, alles andere gehe ihn nichts an und davon solle er schön die Finger lassen. So berichtet es Feldmann. „Das ist eine Arbeitsweise, die kann man sich nicht angewöhnen, wenn man es zwanzig Jahre anders gemacht hat“, so Feldmann.

Stadtbaurat stoppte Genehmigungsverfahren zum Freibad

Eigentlich habe er bis 2026 arbeiten wollen, sagte Feldmann, der im kommenden Monat 65 Jahre alt wird. Unter diesen Bedingungen sei das für ihn aber nicht denkbar gewesen. Auch weil sich die Baumaßnahme des Freibades immer weiter verzögere. „Ich weiß nicht, ob wir bis zum Jahr 2028 fertig sind“, sagte Feldmann. Er gehe eher davon aus, dass es sich weiter verzögern wird. Er habe zudem den Eindruck gewonnen, dass die Wirtschaftsbetriebe jemanden bräuchten, der den Kopf hinhält, falls das Projekt in die Hose gehe, wie Feldmann es formulierte. „Das muss ich mir nicht unbedingt noch antun“, macht er klar.

Die Grafik zeigt, wie das neue Freibad, beziehungsweise die Badelandschaft aussehen soll.
Die Grafik zeigt, wie das neue Freibad, beziehungsweise die Badelandschaft aussehen soll.

Ein entscheidender Punkt für seine Kündigung war für Feldmann aber noch ein anderer, sagte er. Und zwar die Tatsache, dass der neue Stadtbaurat, Christian Pohl, das Genehmigungsverfahren zum Freibad gestoppt und ruhend gestellt hat. Das habe ihm Markus Aukskel in der vergangenen Woche per Mail mitgeteilt, sagte Feldmann. Die Begründung sei gewesen, dass die aktuellen Planungsunterlagen nicht vorliegen. Aufgrund der Vorschriften und Bauverordnung sei es nicht möglich, das Verfahren in seiner jetzigen Form fortzusetzen.

Baubeginn erneut gefährdet

Das Problem: Die Büros, die an den Planungen beteiligt sind, haben schon im vergangenen Jahr mit der Arbeit begonnen, nachdem Bürgermeister Florian Eiben im Stadtrat komplett neue Pläne der geplanten Badelandschaft vorgestellt hat. Der Rat nickte die Pläne ab, beschloss aber eine Baukostenobergrenze von zwölf Millionen Euro. „Ich habe mir die Planungen angesehen und klar gemacht, dass die Kosten zwar heute gelten würden, aber nicht in fünf Jahren. Da ist noch nicht mal das Inflationsrisiko berücksichtigt, geschweige denn die Baukostensteigerung, die wir in den nächsten Jahren haben werden“, sagte Feldmann. Er habe deutlich gesagt, die geplante Badelandschaft sei für das Geld nicht zu bauen. Daraufhin habe er dem Aufsichtsrat der Wirtschaftsbetriebe Änderungsvorschläge unterbreitet, die auch einstimmig beschlossen worden seien, so Feldmann. Es wussten also alle, dass es noch Änderungen geben wird, die den Preis um insgesamt zwei Millionen Euro senken sollten.

Die ursprünglichen Genehmigungsunterlagen waren aber bereits eingereicht worden. Dieses Genehmigungsverfahren wollte Feldmann nach eigenen Aussagen auch weiterlaufen lassen. „Wenn etwas Größeres genehmigungsfähig ist, muss etwas Kleineres erst recht genehmigungsfähig sein“, sagte Feldmann. Die eigentliche Architektur mit den drei verschiedenen Becken bleibe ohnehin erhalten. Die Änderungen hätten sich auf die Wegebefestigung, die Technik und die Konstellation der Becken untereinander bezogen.

Jetzt warten alle darauf, dass die neuen Planunterlagen vorliegen. Das gefährdet aus Sicht des Experten erneut den Baubeginn im kommenden Jahr und damit auch die Fertigstellung. Die Stadt Norden sieht das anders. Laut Verwaltung könne der aktuelle Zeitplan für den Bau des Freibades eingehalten werden. Auch die Tatsache, dass Stadtbaurat Christian Pohl die Bearbeitung des Bauantrages ausgesetzt hat, bis die Entwurfs- und Genehmigungsunterlagen überarbeitet sind, um weiterem Abstimmungsbedarf mit den Fördermittelgebern und anderen Behörden Zeit zu geben, ändere daran laut Stadt nichts.

Die für die Umsetzung des Projektes relevanten Leistungsphasen werden laut Stellungnahme der Stadtverwaltung nach einer erneuten Vorstellung im Rat der Stadt Norden beauftragt, sodass der aktuelle Zeitplan für den Bau des Freibades in Norden-Norddeich eingehalten werden kann, heißt es.

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