ÖPNV in Aurich Politik legt eigenes Stadtbuskonzept vor
Das Büro „Mobile Zeiten“ will mit seinem Stadtbus nur die Kernstadt bedienen. Die Gruppe SPD/GAP hat etwas anderes im Sinn.
Aurich - Ein neues Stadtbussystem soll es ab Mitte kommenden Jahres in Aurich geben. Der Anrufbus wäre damit Geschichte. Das Problem: Nach den Vorschlägen des Planungsbüros Mobile Zeiten werden die äußeren Stadtteile nicht berücksichtigt. Die bis zu vier Linien werden nur die Ortsteile anfahren, die genügend Einwohner und attraktive Ziele haben. Ein Ansatz, mit dem die SPD/GAP-Gruppe im Auricher Rat nicht einverstanden ist. Die Gruppe hat nun einen eigenen Vorschlag vorgelegt, den sie „Aurich Mobil“ nennt.
Begonnen werden soll dabei zunächst mit dem kleinen Modell des Büros Mobile Zeiten. Das sieht zwei Linien vor, mit denen Extum, Haxtum und Wallinghausen erschlossen werden sollen. Mobile Zeiten sieht vor, dass sich die Busse alle 30 Minuten am ZOB treffen. Diesen Takt möchte die SPD/GAP-Gruppe im ersten Jahr auf eine Stunde ausdehnen. Das würde dann 400.000 Euro für ein Jahr kosten, 41.000 Euro weniger als bei einem Halbstundentakt.
Feste Linien mit flexiblen Haltestellen
Ab 2026 soll dann „Aurich Mobil“ weiterentwickelt werden. Auf festen Routen sollen nach der Vorstellung von SPD und GAP dann Busse in großen Schleifen und in unterschiedlichen Taktungen die Ortsteile ansteuern. Start und Ziel soll dabei immer der ZOB sein. Sind auf einer Route hohe Fahrgastzahlen zu erwarten, wird die Taktung erhöht. Fahren nur wenige Auricher mit, soll der Takt erweitert werden – auf bis zu vier Stunden. „Für die Einwohner jedes Ortsteils muss die Möglichkeit geschaffen werden, mit dem Bus in die Innenstadt zu kommen.
Jede Route soll zudem drei bis vier feste Zusteigepunkte haben und eine Reihe von flexiblen Haltestellen bekommen. Diese flexiblen Haltestellen sollen, wie bereits jetzt beim Anrufbus, eine Stunde vor der gewünschten Abholzeit bestellt werden. Möglich sein soll das per App, telefonisch oder beim Mobilitätscenter. Damit, so heißt es in dem Antrag, werde eine Kombination aus Linienbus und On-Demand-Bus geschaffen.
„Aurich Mobil“ kostet bis zu 800.000 Euro
Montags bis freitags von 8 Uhr bis 19 Uhr sollen die Busse von „Aurich Mobil“ unterwegs sein. Das Büro Mobile Zeiten sieht in seinem Konzept eine Bedienung ab 6 Uhr morgens bis mindestens 18 Uhr vor. Außerdem gibt es bei dem vorgeschlagenen Modell auch sonnabends Busverbindungen.
Beide Modelle haben eines gemeinsam: Sie werden Geld kosten. Denn, so schreibt es auch die Gruppe SPD/GAP in ihrem Antrag, ÖPNV ist nie selbsttragend und muss immer subventioniert werden. Nach dem ersten Jahr, das die Gruppe mit 400.000 Euro ansetzt, soll „Aurich Mobil“ ausgeweitet werden. Zwei bis drei weitere Linien sollen dann hinzukommen. Im voll ausgebauten Zustand können SPD und GAP sich vorstellen, dass ihr „Aurich Mobil“ rund 800.000 Euro jährlich kosten werde. Daher müsse nach Fördergeldern gesucht werden. Übernehmen könnten den Linienbusverkehr die Stadtwerke Aurich. Diese haben derzeit zwar keine Geschäftstätigkeit, wurden als Firma aber nie gelöscht und könnten jederzeit mit neuen Aufgaben betraut werden.
Spontane Fahrten nur bedingt möglich
Mobilität ist nach Ansicht der Gruppe SPD/GAP eine der wichtigsten Voraussetzungen, um aktiv am Leben teilnehmen zu können. Sie sei ein Baustein für soziale Gerechtigkeit. Denn für alle diejenigen, die ohne privates Auto auskommen müssen oder möchten, müsse die Stadt Aurich Möglichkeiten bereithalten, mit öffentlichen Verkehrsmitteln in das Zentrum zu gelangen. Ein funktionierender ÖPNV gehöre auch zu einer Stadt von der Größe Aurichs.
Entwickelt hat die Gruppe ihr Konzept „Aurich Mobil“ nach dem Vorbild der Stadt Vechta. Diese bietet ein Stadtbus-System und zusätzlich einen Baustein namens „Moobil+“, der von den Landkreisen Cloppenburg und Vechta angeboten wird. In diesem Angebot fahren die Busse auf festen Linien montags bis freitags von 7 Uhr bis 19 Uhr. Die Buchung der Busse erfolgt laut der Homepage von „Moobil+“ telefonisch, per App, online oder persönlich in den Mobilitätszentralen. Alle Fahrten sollten bis eine Stunde vor Fahrtantritt gebucht werden. Der Haken: Spontane Fahrten sind nur bedingt möglich, denn nicht angemeldete Fahrgäste können nur an festen Haltestellen mitgenommen werden, wenn ein freier Sitzplatz bis zum Fahrtziel im Bus vorhanden ist.
Einverstanden mit dem Konzept des Büros Mobile Zeiten sind hingegen die Grünen im Auricher Rat. Denn, so heißt es in einer Mitteilung, dieses Konzept sei das einzig Machbare unter den vereinbarten Voraussetzungen. Dazu gehören die finanzielle Grundlage und die ÖPNV-Planung des Landkreises Aurich. Würde man dies ablehnen und mehr Linien fordern, wäre es nicht mehrheitsfähig. Das könnte aber das Gesamtprojekt gefährden, so die Grünen.
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