Knatsch in Aurich  Große Maifeier geplatzt – Gastronomen sauer auf Verwaltung

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 22.04.2024 17:47 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das Aufstellen des Maibaums ist in Aurich immer groß zelebriert worden. Das Foto entstand bei einer Feier im Jahr 2016. Foto: Archiv
Das Aufstellen des Maibaums ist in Aurich immer groß zelebriert worden. Das Foto entstand bei einer Feier im Jahr 2016. Foto: Archiv
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Die Altstadt-Gastronomen in Aurich wollten eine dreitägige Sause zum 1. Mai auf die Beine stellen. In letzter Minute kamen Sicherheitsbedenken von der Stadt. Warum erst so spät?

Aurich - Es hätte so schön werden können: Eine Live-Band aus Hamburg war so gut wie verpflichtet, Oldtimer hätten bestaunt werden können. Eine Verlosung von Gastro-Gutschein-Paketen war geplant, deren Erlös der Feuerwehr zugutekommen sollte. Sascha Hellwig vom Verein Altstadt-Gastronomie hatte ein kompaktes, attraktives Programm für das Aufstellen des Maibaums auf dem Auricher Marktplatz für Dienstag, 30. April 2024, und auch für die zwei Folgetage arrangiert. Vor etwas mehr als zwei Wochen musste er die Planungen stornieren und umdisponieren: „Ich habe überraschend und sehr kurzfristig einen Anruf von der Stadt bekommen, dass es Sicherheitsbedenken gebe. Die Beton-Bodenplatte, auf der der Maibaum steht, sei vom Hochbauamt bemängelt worden. Deshalb wolle sie die Traditionsveranstaltung auf dem Georgswall ausrichten.“

Das könne man zwar verstehen, räumt Sascha Hellwig ein. Die Information sei aber „sehr, sehr kurzfristig“ an ihn herangetragen worden. Er verstehe nicht, warum nicht im Vorfeld jemand von der Stadt geprüft hat, ob der Ständer und die Grundlage für den Maibaum intakt sind. Dem Altstadt-Gastronomen-Verein hat diese Nachlässigkeit viel Arbeit beschert, das Programm musste ganz neu aufgestellt und verschlankt werden. „Drei Tage sind am Georgswall nicht drin“, sagt Sascha Hellwig. Die Feier findet deshalb jetzt nur am 30. April statt. Auftakt ist um 18 Uhr. Anstelle der Hamburger Live-Band spielt jetzt die Coverband „Adenalin“.

Verein macht Verlustgeschäft

Sascha Hellwig ist froh, dass er noch keinen festen Vertrag mit der ursprünglich ins Auge gefassten Hamburger Band abgeschlossen hatte. „Sonst hätten wir noch eine Vertragsstrafe zahlen müssen“, sagt er. Die bereits für das Ursprungs-Event gemachte Werbung habe man allerdings in den Müll werfen müssen. Auf die Frage, wie hoch der finanzielle Schaden sei, der dem Verein und ihm bisher entstanden ist, zögert der Gastwirt kurz. Dann sagt er, er wolle keinen konkreten Betrag nennen. Er spricht allerdings davon, dass dem Verein ein Verlustgeschäft bevorstehe.

Das Aufstellen des Maibaums verlangt immer viel Manpower. Foto: Archiv/Ortgies
Das Aufstellen des Maibaums verlangt immer viel Manpower. Foto: Archiv/Ortgies

Als Mitglied der Altstadt-Gastronomie hat Sascha Hellwig die Organisation der Maifeier federführend von Arno Fecht übernommen, der sich seit Jahren um dieses Event kümmert, diesmal aber aus beruflichen Gründen dafür nicht zur Verfügung stehen kann. Er war 2018 eingesprungen, nachdem die Stadt sich 2016 aus finanziellen Gründen nicht mehr in der Lage sah, die Traditionsveranstaltung auszurichten. Ein Jahr lang gab es keinen Maibaum auf dem Marktplatz, dann hat die Altstadt-Gastronomie sich um die Organisation gekümmert und ihr auch ein neues Profil gegeben. Früher haben die Volkstanzgruppe und die Feuerwehrkapelle das musikalische Programm bestimmt. Seit sechs Jahren prägen rockige Rhythmen das Klangbild. Die Altstadt-Gastronomen sorgen überdies dafür, dass kulinarisch niemand Grund zu klagen hat.

Kran muss bezahlt werden

Beim Aufrichten des 25 Meter hohen Baumes ist indessen Unterstützung erforderlich. „Wir bekommen seit Jahren Hilfe von der Wallster Firma Hoffdmann, die gegen eine geringe Aufwandsentschädigung ihre Maschinenkraft zur Verfügung stellt“, sagt Arno Fecht auf Anfrage der Redaktion. Wegen der technisch anspruchsvollen Bedingungen am Georgswall könne man in diesem Jahr allerdings nicht auf diese Unterstützung zurückgreifen. Man benötige einen Kran, der von der Neermoorer Verleih-Firma Ulferts stamme. Die Stadt sei den Gastronomen entgegengekommen, indem sie die Kosten für diesen Part übernimmt. Der Pflanzenhändler Jochen Jakobs habe ebenfalls Unterstützung zugesagt: Er wird das Tannengrün spenden, um den Maibaum zu schmücken.

Die Verwaltung streitet ab, den Altstadt-Gastronomie-Verein erst vor zwei Wochen über die Sicherheitsbedenken auf dem Marktplatz informiert zu haben. „Es liegt schon viele Wochen zurück, dass wir das angesprochen haben“, sagt Johann Stromann auf Anfrage der Redaktion. Es seien tatsächlich „statische Probleme“, die ein Aufstellen des Maibaums auf dem Marktplatz verhinderten, bestätigt der Stadtsprecher. Auf die Bitte, den Zeitpunkt zu konkretisieren, wann genau die Altstadt-Gastronomen über die Verlegung der Feier informiert worden seien, reagierte der Stadtsprecher mit dem knappen Satz, das wisse er nicht. Aus seiner Sicht habe es „keine Probleme“ gegeben. Der Maibaum werde vor dem Rathaus aufgestellt.

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