Anzeige wegen Tierquälerei  Besitzerin des verwahrlosten Hundes in Norden gefunden

Hannah Weiden
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Von Hannah Weiden
| 22.04.2024 13:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Verein „Aktive Tierfreunde“ hat Anzeige gegen eine Hundebesitzerin erstattet. Symbolfoto: Taufan/dpa
Der Verein „Aktive Tierfreunde“ hat Anzeige gegen eine Hundebesitzerin erstattet. Symbolfoto: Taufan/dpa
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Der Hund wurde eingeschläfert, weil er in einem so schlechten Zustand war. Die Besitzerin meldete sich kurze Zeit später selbst bei dem Tierschutzverein – mit einem weiteren hilfsbedürftigen Hund.

Norden - Die Besitzerin des schwerkranken und verwahrlosten Hundes, der vergangene Woche in Norden gefunden wurde, hat sich gemeldet. Das teilen der Tierschutzverein „Aktive Tierfreunde“ aus Norden sowie die Polizei mit. Der kleine Hund wurde am Sonntag, 14. April 2024, von Passanten auf dem Grasstreifen an der Oderstraße hinter dem Telematikzentrum gefunden und war in einem sehr schlechten Zustand. Achtung: Im Verlauf des Artikels werden Fotos des Hundes zu sehen sein.

Der Rüde war bis auf die Knochen abgemagert, bedeckt mit Flöhen, das Fell fehlte großflächig, er hatte extrem faulige Zähne mit Wucherungen am Zahnfleisch, ein Auge fehlte, das andere war trüb, ein Hoden tumorös, der Kiefer schief gewachsen, so dass er ihn kaum öffnen konnte und die Zunge hing aus dem Maul heraus. „Am schlimmsten waren aber die extrem entzündeten und vereiterten Ohren“, sagte Sonja Lindemann vom Tierschutzverein Aktive Tierfreunde aus Norden gegenüber dieser Zeitung. Sie war zu dem Hund gerufen und um Hilfe gebeten worden. Lindemann hatte den Hund umgehend zu einer Tierärztin gebracht, die ihn aber nur noch von seinem Leid erlösen und ihn einschläfern konnte.

Zweiter Hund soll nun behandelt werden

Die Besitzerin hat sich am nächsten Tag überraschend eigenständig bei dem Tierschutzverein gemeldet. „Sie rief mich am nächsten Tag an und sagte, man hätte ihren Hund gefunden“, sagt Sonja Lindemann dazu auf Nachfrage. Die ältere Frau hätte in der Nähe des Fundortes eine Bekannte besucht, wobei ihr der Hund entlaufen sei. „Ich bin dann zu der Frau hingefahren, weil sie sagte, dass sie noch einen zweiten Hund, den Bruder des anderen Hundes, hat.“ Lindemann habe die Tierhalterin überzeugen können, ihr dieses Tier vor ihrer Wohnung zu zeigen.

„Der Hund ist auch auffällig. Ihm fehlt Fell, vermutlich hat er auch Flöhe. Seine Augen sahen nicht gut aus, am Hoden sah es auch bei ihm so aus, als hätte er einen Tumor“, sagt die Tierschützerin. Immerhin seien die Ohren des 14 Jahre alten Rüden nicht so entzündet gewesen wie bei dem eingeschläferten Tier. Generell sei der Bruder in einem etwas besseren Zustand als das zuvor gefundene Tier, so der Eindruck der Tierschützerin.

So geht es mit dem Hund weiter

Angesprochen darauf, ob ihr der Zustand ihrer Hunde nicht bewusst sei und dass ein Tier mit offensichtlichen Schmerzen laut Tierschutzgesetz behandelt werden muss, hätte die Besitzerin „höflich und freundlich“ gesagt, dass ihr das gar nicht aufgefallen sei. „Weitere Fragen hab ich nicht stellen können, weil ich so schockiert war“, sagt die Tierschützerin. „Sie war dann aber einverstanden, dass wir mit ihm zum Tierarzt gehen, wenn wir die Kosten dafür tragen“, sagt Sonja Lindemann. Erfahrungsgemäß werde das Veterinäramt Aurich nämlich nur wenig unternehmen. Der Verein sammelt Spenden, um die Kosten für die Behandlung zahlen zu können.

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Gepostet von Aktive Tierfreunde EV am Samstag, 20. April 2024

Wie es mit dem Rüden weitergeht, ist aktuell noch nicht klar. „Wir müssen jetzt erst einmal schauen, wie wir ihm bestmöglich medizinisch helfen können“, sagt Sonja Lindemann. Einen Hund aus seiner bekannten Umgebung zu holen und zum Beispiel in ein Tierheim zu bringen, sei dabei nicht immer die beste Lösung - sofern die medizinische Versorgung sichergestellt sei. „Er war ja seit 14 Jahren an 24 Stunden am Tag mit seiner Besitzerin zusammen.“ Einem vermutlich blinden Hund tue man keinen Gefallen damit, ihn aus dieser Umgebung rauszunehmen. „Wir haben schon einige ähnliche Fälle, wo wir uns um die Versorgung des Hundes kümmern, damit er in seiner gewohnten Umgebung bleiben kann.“ Man müsse schauen, was das Beste für das Tier sei.

Anzeige gegen die Besitzerin

Der Verein hat Anzeige gegen die Besitzerin erstattet, was Polizeisprecherin Wiebke Baden auf Nachfrage bestätigt. „Eine entsprechende Anzeige liegt bei uns vor“, die mutmaßliche Besitzerin sei über den Verein ausfindig gemacht worden, so Baden. „Das wird jetzt erst einmal geprüft und ermittelt“, sagt die Polizistin. Auch das Veterinäramt sei mit im Boot.

Der Verein appelliert: „Bitte schaut genau hin, wenn euch etwas mit einer Tierhaltung komisch vorkommt, besonders, wenn man die Tiere nie sieht. Sprecht Menschen an, die zurückgezogen leben, und fragt, ob sie Hilfe für ihre Tiere brauchen. Meldet euch, wenn Tiere in Not sind.“

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