Öffentlicher Nahverkehr Aurich soll wieder einen Stadtbus bekommen
Bis zu vier feste Buslinien könnte es ab dem kommenden Jahr in Aurich geben. Das hängt davon ab, wie viel Geld die Politik dafür ausgeben will.
Aurich -Nach über 20 Jahren wird Schluss mit dem Auricher Anrufbus. Er soll zum Juni kommenden Jahres durch ein Stadtbussystem mit mindestens zwei Linien ersetzt werden. Das geht aus einer Beschlussvorlage der Stadtverwaltung hervor, die in der kommenden Woche im Umweltausschuss diskutiert werden soll. Montags bis freitags soll es demnach zwischen 6 Uhr und 18 Uhr, sonnabends von 8 Uhr bis 16 Uhr Verbindungen im Halbstundentakt am ZOB geben.
Nicht das gesamte Auricher Stadtgebiet wird vom neuen System profitieren. Denn neben den ökologischen Aspekten berücksichtigt die Verwaltung auch ökonomische Faktoren. Daher wurde vom Planungsbüro „Mobile Zeiten“ auch untersucht, wie viele Einwohner vom Busangebot profitieren würden und wo attraktive Ziele liegen könnten. Von den bis zu vier Linien werden daher nur die Innenstadt, Extum, Haxtum, Wallinghausen, Egels sowie eventuell die Ostpreußensiedlung/Am Tiergarten und Popens etwas haben.
Verwaltung appelliert an Politik
Die weiter entfernten Stadtteile wie zum Beispiel Middels, Brockzetel oder Plaggenburg sind nicht Bestandteil des Stadtbusses. Sie werden über die Regionalbuslinien des Landkreises bedient. Mindestens 500.000 Euro muss die Stadt jährlich dafür ausgeben. Der Anrufbus kostet derzeit gut 300.000 Euro. Sollen alle vier Linien realisiert werden, würde fast das Doppelte dafür fällig.
In Beschlussvorlagen macht die Auricher Verwaltung Vorschläge an die Politik, wie Dinge in der Stadt geregelt werden könnten. In den Fachausschüssen und schließlich im Rat werden diese Vorschläge dann diskutiert und angenommen oder abgelehnt. Das ist das übliche Geschäft in jeder Kommune.
Zwei Seiten mit Stadtbus-Vorteilen
Einen neuen Weg ist die Auricher Verwaltung nun aber mit der Beschlussvorlage für ein neues Stadtbussystem gegangen. Denn die Vorlage enthält nicht nur einen Vorschlag, sondern auch einen eindringlichen Appell an die Fraktionen, sich dem Bus nicht zu verschließen. Denn Deutschland und alle Länder, Kreise und Kommunen ständen nach wie vor am Beginn der Mobilitätswende, die zwingend erforderlich sei für die gesetzten Klimaziele.
Mit dem Stadtbus könne der Individualverkehr verringert werden. Wichtige Ziele wie das Krankenhaus, Schulen oder Einkaufszentren könnten bequemer erreicht werden. Stärkung der Gemeinschaft und Förderung des lokalen Gewerbes sind nur einige der Vorteile, die die Verwaltung für den Bus aufzählt. Es müsse dafür auch weniger Geld ausgegeben werden als für den Bau neuer Straßen und Parkplätze.
Erster Gutachter plant mit neun Linien
Mehr als zwei Seiten umfasst die Aufzählung der Vorteile des Stadtbussystems für Aurich. Etwas unverständlich bleibt dabei, warum bei all diesen Vorteilen das Planungsbüro „Mobile Zeiten“ so weit hinter dem Ansatz der SHP-Ingenieure zurückbleibt. Diese hatten bereits im Jahr 2019 ein Stadtbussystem mit neun Linien vorgestellt, dass alle Auricher Ortsteile an allen Wochentagen bedient hätte.
Mittlerweile ändert der Landkreis Aurich seine Buslinien. Deswegen müsste das fünf Jahre alte Gutachten sicher angepasst werden. Es war damals von jährlichen Kosten von 900.000 Euro ausgegangen. Abzüglich von Fördergeldern und Fahrkarteneinnahmen hätte die Stadt 600.000 Euro aus dem Haushalt geben müssen.
Bei den Beratungen über einen Nachfolger für den Anrufbus spielten die Kosten aber durchaus auch eine Rolle. Die CDU wollte das Angebot am liebsten ganz einstellen. Und auch die FDP tendierte in den Beratungen in diese Richtung. Grüne, SPD, GAP und Linke hingegen sahen Mobilität als die Voraussetzung für die Teilhabe am täglichen gesellschaftlichen Leben. Das Geld für den ÖPNV müsse die Stadt sich leisten wollen.
Politik muss sich jetzt entscheiden
Ob sie das tut, muss die Politik nun in den kommenden Wochen entscheiden. Zwei Buslinien kosten mindestens 500.000 Euro, vier Linien an sechs Tagen würden fast eine Million Euro kosten, dafür aber auch mehr Bürger erreichen.
Von der Linkspartei gibt es dazu bereits einen Antrag. Die Fraktion möchte künftig vier feste Linien des Auricher Stadtbusses haben. Das Konzept vom Büro „mobile Zeiten“ soll dabei als Grundlage für den weiteren Ausbau des Linienbussystems dienen. Zu prüfen sei, ob ein Anrufbus an Sonn- und Feiertagen als Ergänzung eingerichtet werden könne.
Es sei entscheidend, so die Linken-Fraktion in einer Stellungnahme, mit einem möglichst guten Angebot zu beginnen. Nur so könnten sofort eine große Akzeptanz und hohe Fahrgastzahlen erreicht werden. Das SHP-System mit neun Linien würde aber heute mindestens 1,3 Millionen Euro kosten. Daher seien vier Linien, ergänzt um Rufbussystem oder Sammeltaxis, ausreichend.
Die Beratungen über die Zukunft des Auricher ÖPNV werden am Donnerstag, 25. April, ab 17 Uhr im EEZ in Sandhorst fortgesetzt. Die Sitzung des Umwelt- und Verkehrsausschusses ist öffentlich.
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