Abwasser Fehntjer Kläranlage wird fit für die Zukunft gemacht
Die Technik ist veraltet, und das Klärwerk ist zu klein für die wachsende Gemeinde Großefehn. Nun wurde mit der Sanierung und dem Ausbau begonnen.
Großefehn - In die Jahre gekommen ist die Kläranlage in Großefehn. Zuletzt wurde die 1976 erbaute Anlage am Holtmeedeweg im Jahr 1996 saniert. Die Technik ist veraltet, und sie ist vor allem zu klein für eine Gemeinde, die sich weiterentwickeln will. Daher haben Betreiber EWE Wasser und die Gemeinde Großefehn gemeinsam beschlossen, die Kläranlage zu sanieren.
In einem ersten Schritt werden zwei Millionen Euro in den Neubau der mechanischen Reinigungsstufe investiert. Ein Viertel der Kosten trägt die Gemeinde Großefehn. Statt des sonst üblichen ersten Spatenstichs hatte Ralph Kraemer, Geschäftsführer der EWE Wasser GmbH, sich etwas anderes ausgedacht. Er überreichte Großefehns Bürgermeister Erwin Adams einen dicken gelben Aktenordner, der die Baugenehmigung vom Landkreis Aurich für die Klärwerkserweiterung enthielt.
Gemeinde überlegt Übernahme des Klärwerks
Es sei eine Investition in die Zukunft und in die Partnerschaft von EWE und Gemeinde Großefehn, betonte Kraemer nicht ohne Grund. Denn der Vertrag seines Unternehmens mit der Gemeinde läuft Ende 2029 aus. Großefehn kann bis 2026 kündigen, wenn die Politik demnächst beschließen sollte, die Abwasserentsorgung wieder in Eigenregie zu übernehmen.
Ein nicht undenkbares Szenario, wie Adams betonte. Derzeit beschäftigt sich ein Arbeitskreis des Rates mit dem Thema Abwasser. Bereits im Dezember vorigen Jahres hatte Kämmerin Jördis Lienemann im ON-Gespräch mitgeteilt, dass man das Beste für die Fehntjer rausholen wolle.
Denn seit der Übernahme der Abwasserentsorgung in Großefehn durch die EWE sind die Gebühren immer weiter gestiegen. Zeitweise war die Gemeinde sogar Spitzenreiter in Ostfriesland bei den Gebühren. Vor Ort weist Vertriebsleiter Henning Weidemann zwar darauf hin, dass man die Gebühren in den einzelnen Kommunen nicht miteinander vergleichen könne. Denn diese seien immer auch abhängig von den örtlichen Gegebenheiten. Preistreiber in Großefehn sei zum Beispiel die Fehnbebauung.
Rückkauf würde viel Geld kosten
Dennoch sind viele Fehntjer der Meinung, zu viel zu bezahlen für das Abwasser. Deswegen, so Adams, werde man sich ausführlich, auch im Gespräch mit der EWE, mit diesem Thema beschäftigen. Das Unternehmen biete eine gute Dienstleistung. „Irgendwann wird es aber zum Schwur kommen müssen“, so Adams, und die Politik werde sich entscheiden müssen. Bis dahin werde aber noch viel Schmutzwasser durchs Klärwerk in den Sauteler Kanal fließen. Sollten die Fehntjer sich entscheiden, den Vertrag mit der EWE zu kündigen, würde auch das zunächst den Gemeindehaushalt belasten. Denn 1993 hat die EWE 7,24 Millionen D-Mark bezahlt bei Vertragsabschluss.
Man stehe aber noch ganz am Anfang der Prüfung, ob sich eine Rekommunalisierung lohnen könnte, sagte Jördis Lienemann im Dezember. „Wir wollen das Bestmögliche herausholen.“ Aber man sei in einer Zwickmühle. Es gebe vertragliche Bestandteile, die gut für die Gemeinde Großefehn seien. Dazu gehöre, dass Teile der Anlagen saniert werden müssten. Zudem sei ein Rückkauf nötig, wenn Großefehn in Eigenregie das Abwasser entsorgen wolle.
Zunächst aber ist Erwin Adams froh, dass nun die Sanierung beginnt. Das größere Gebäude für die mechanische Reinigungsstufe soll dabei nur den Anfang darstellen einer auf mehrere Jahre ausgelegten Sanierung der Kläranlage. Ein Jahr lang wird dieser erste Bauabschnitt dauern, ehe die Rohre umgeklemmt werden können, damit das Abwasser dann in die neuen Anlagenbereiche fließen kann. Das wird laut Projektleiter Andreas Hofmann in den Abendstunden erfolgen. Saugwagen nehmen während der Arbeiten das Abwasser auf, bis der neue Rechen-Sandfang die Arbeit aufgenommen hat.