Comedyshow in Aurich Luke Mockridge verlor seine frühere Leichtigkeit
Der Comedian begeisterte in Aurich über weite Strecken. Mitunter sorgte er aber auch für fragende Gesichter und erntete zurückhaltenderen Applaus.
Aurich - Mit seinem nicht mehr ganz neuen Programm „Trippy“ hat der italienisch-kanadische Comedian Luke Mockridge mehr als 1300 Zuschauer am Sonnabend in der gut gefüllten Auricher Sparkassen-Arena über weite Strecken begeistert. Nach seiner nicht ganz freiwilligen Auszeit, aufgrund von Vorwürfen sexueller Belästigung im Jahr 2021, startete der Bühnenprofi ein Jahr später mit seiner Comeback-Tour „A Way Back to Luckyland“ vor insgesamt mehr als 600.000 Fans. Warum das aktuelle Tourprogramm, mit dem Mockridge seit 2023 auf den Bühnen der Nation unterwegs ist, wieder als Comeback angekündigt wurde, bleibt allerdings der Fantasie der Ticketkäufer überlassen.
Doch was ist eigentlich anders geworden? Was ist aus dem jugendlichen Himmelstürmer geworden, der mit seinen Witzen im Eiltempo an der nationalen Elite der Komiker vorbei gezogen und in kürzester Zeit zum erfolgreichsten deutschen Comedian aufgestiegen ist?
Ein veränderter Comedian nach Vorwürfen wegen sexueller Belästigung
„Ja, Luke Mockridge hat sich stark verändert, er hat die Leichtigkeit seiner Anfangsphase fast völlig verloren“, bestätigt Ann-Marie Kramer im Gespräch mit dieser Zeitung vor der Show. Sie hat den Comedian sowohl vor seinem Abtauchen als auch bei seinem ersten Programm nach der Pandemie gesehen. „Trotzdem ist er ein großartiger Künstler mit viel Temperament auf der Bühne und gutem schauspielerischen Talent, dem das Publikum auch mal Grenzwertigkeit verzeiht“, so die Leeranerin.
Und während der Show hatten die Zuschauer in der Tat ausreichend Gelegenheit, dem Komiker den ein oder anderen Witz unter der Gürtellinie oder die Verletzung des guten Geschmacks zu verzeihen. Doch zunächst wurde Mockridge mit herzlichem Applaus auf der sehr minimalistisch ausgestatteten Bühne empfangen. Und darin badete der Künstler und betonte mehrmals, wie schön es sei, wieder ganz normalen, lebenden Menschen gegenüberzustehen und nicht auf die Hasskommentare anonymer Nutzer aus den sozialen Medien reagieren zu müssen. Er agierte mit dem Publikum, frotzelte mit jungen Zuschauerinnen wegen ihres Wohnortes (Löningen bei Cloppenburg) und feierte mit Tatjana, die ihren Junggesellinnenabschied zelebrierte.
Kritik an Gesellschaft und Politik gehört zum Programm
Bei seinem anschließenden Blick auf die Welt, die für ihn nur noch abgefahren (trippy) ist, ließ er nichts aus. Er machte sich und das Publikum zu Entscheidungsträgern, wie man die Weltbevölkerung verringern kann. „Was haltet ihr davon, wenn alle Großwildjäger verschwinden müssen, Rassisten jeglicher Art, Leute mit Fake-Accounts oder Menschen für das Dschungelcamp sich verpissen müssen“, fragt er rhetorisch. Deutschland wird für ihn zur Reality-Show von Aliens mit einer Heidi Klum als Königin, die alles verschlingt. Donald Trump und Joe Biden gehören nicht an die Spitze der USA. „Warum solche alten Trottel?“, fragt er. „Denen würde kein Autohaus eine Finanzierung für zwei Jahre anbieten.“
Wie weit darf Comedy gehen und welche Reaktionen gibt es beim Publikum? Früher gab es Pappaufsteller von einem Schwein mit einem Hackbeil vor einer Metzgerei. „Das ist absolut absurd“, sagte Mockridge. Wie wäre es mit Aufstellern von einem katholischen Priester vor einem Kinderheim? Michael Schumacher vor einer Skischule? Oder von einem Baby vor einer Abtreibungsklinik? Das ist alles absurd, aber so abgefahren ist nach Mockridges Auffassung die Welt. Spätestens an dieser Stelle wurde der Applaus merklich zurückhaltender.
Nach der Pause kam mit dem rosa Flügel (enthüllt zu der Melodie vom rosaroten Panter) die Musik ins Spiel. Hier zeigte Mockridge sehr zur Freude der Zuschauer, wie gut er als Musiker und Sänger ist. Doch auch dabei stand die Kritik an dem Zustand in Deutschland zunächst im Vordergrund. „Da wird ein Kinderlied (Alle Kinder lernen lesen….) wegen Begriffen wie Indianer, Eskimos oder Chinesen fast verboten und auf der anderen Seite kümmert sich keine Sau darum, wenn es in Titeln wie ,Mambo Nr. 5‘ ohne Zweifel um Sex mit namentlich genannten Frauen geht“, so sein Statement. Warum er in der folgenden Zeit klassischen Komponisten wie Bach, Beethoven oder Mozart mit ihren bekanntesten Werken sexuelle Ziele unterstellt, konnte sich manchem Zuschauer nicht erschließen.
Der Abend endete mit einer Zugabe am E-Piano und das begeisterte Publikum hatte einen Luke Mockridge erlebt, der auf der Bühne mehr „trippy“ als in der Vergangenheit „lucky“ daherkommt.