Hannover Nach Abi-Panne in Niedersachsen: Ministerium räumt Fehler ein
Erst war das Kultusministerium in Niedersachsen nach der Abi-Panne überzeugt davon, dass es „super“ reagiert habe. Am Freitag nun waren auch selbstkritische Töne zu hören.
Im Zusammenhang mit der Abi-Panne im Fach Politik-Wirtschaft am Donnerstag hat das Kultusministerium mittlerweile Fehler eingestanden. So habe es etwa beim Hochladen der neuen Aufgaben technische Probleme und somit Verzögerungen gegeben, räumte Ministeriumssprecherin Britta Lüers am Freitag vor Journalisten in Hannover ein. „Wir müssen schauen, wo und wie wir in solchen Fällen noch schneller und besser werden können“, sagte Lüers.
Damit gab es offenbar über Nacht einen Sinneswandel in der Behörde. Noch am Donnerstagabend war das Ministerium überzeugt davon, dass das Krisenmanagement gut funktioniert und alles „super“ geklappt habe.
Zu den Turbulenzen war es überhaupt erst durch einen Einbruch in ein Gymnasium in Goslar in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag gekommen. Die Täter brachen einen Tresor auf, in dem unter anderem die Abiprüfungen für Politik-Wirtschaft lagen, hieß es vom Kultusministerium. Blätter mit den Aufgaben hätten auch auf dem Schulhof gelegen.
Beim Zentralabitur werden bei den Prüfungen allen Schülern in einem Bundesland die gleichen Aufgaben vorgelegt.
Das Kultusministerium hat die betroffenen Schulen eigenen Angaben zufolge um 7.30 Uhr darüber informiert, dass die ursprünglich vorgesehen Aufgaben wegen des Vorfalls nicht verwendet werden dürfen und über einen Download-Server Ersatzaufgaben zur Verfügung gestellt werden. Diese sollten um 8.30 Uhr vorliegen, „aufgrund technischer Probleme“ sei es aber schließlich 9.43 Uhr geworden.
Die etwa 8000 betroffenen Prüflinge aus 450 Schulen in ganz Niedersachsen hatten dann die Wahl, ob sie die neuen Aufgaben bearbeiten oder auf den Nachholtermin am 8. Mai ausweichen. Einige Schüler hatten morgens bereits damit begonnen, die ursprünglichen Aufgaben zu bearbeiten, bis sie vom Abbruch erfuhren.
Laut Polizei Goslar hatte ein Wachmann am Donnerstagmorgen um kurz vor 4.00 Uhr ein offenstehendes Fenster am Gebäude des Gymnasiums in Goslar bemerkt und die Beamten verständigt.
Während der Landeselternrat von „inakzeptablen Zuständen“ spricht, sind aus der Schülerschaft Forderungen nach einem Punkt mehr in der Bewertung der Klausur laut geworden. Eine entsprechende Onlinepetition läuft bereits.
Außerdem fordert der Landesschülerrat (LSR) Niedersachsen eine Entschuldigung des Kultusministeriums für die „unzumutbaren Umstände“. Ministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) indes trat in der Angelegenheit bisher nicht persönlich in Erscheinung, sondern überließ die Kommunikation ihrem Sprecherteam. „Auch in diesem Zusammenhang prüfen wir, ob es einen Optimierungsbedarf gibt“, antwortete Sprecherin Lüers auf die Frage eines Journalisten, ob es nicht sinnvoll gewesen wäre, wenn die Ministerin sich gezeigt und persönlich Stellung bezogen hätte. Am Freitagmittag dann folgte schließlich eine schriftliche Erklärung der Ministerin, in der sie sagte, sie fühle mit den Abiturientinnen und Abiturienten.
Matteo Feind, stellvertretender LSR-Vorsitzender, schreibt in einer Mitteilung von Freitag: „Solche Szenen dürfen sich auf gar keinen Fall wiederholen, vor allem nicht in der weiteren Prüfungsphase des jetzigen Abiturjahrgangs. Es braucht eine starke Verbesserung der Kommunikation zwischen dem Kultusministerium und den Schulen.“
Dazu die Ministerin in ihrer Erklärung: „Wir werden anhand dieses Fallbeispiels prüfen, inwiefern wir noch besser werden können oder Handlungsbedarfe identifizieren.“