Diskussion über Tourismus Sorge vor Ausverkauf des Badesees Tannenhausen
Massentourismus am Badesee Tannenhausen: Das ist für Anwohner ein Schreckgespenst. Wie kann man das Angebot nachhaltig verbessern? Dazu gibt es verschiedene Vorschläge.
Aurich - Verkommt der Badesee Tannenhausen zu einem kommerziellen Freizeitpark? Diese Befürchtung hat die Linke im Auricher Rat. Tannenhausen müsse ein Naherholungsgebiet bleiben, sagte der Linken-Ratsherr Reinhard Warmulla am Donnerstag, 11. April 2024, in der Ratssitzung, wo es um ein Tourismuskonzept für das Freizeit- und Erholungsgebiet ging.
Der Badesee mit Sandstrand und Wakeboardanlage ist ein Publikumsmagnet. Das Gewässer wurde in den 1970er Jahren durch den Zusammenschluss mehrerer Gruben gebildet, die durch den Sandabbau entstanden waren. An heißen Tagen ist es im Strandbad brechend voll. Die Straßen im Ort sind vom Verkehr überlastet und werden zugeparkt. In den Sommermonaten gibt es mittwochs und sonnabends Livemusik im Beachclub. Die Ferienhaussiedlung lockt Touristen an.
Eintritt soll frei bleiben
Mit einigen Nutzungen werde schon „über das hinausgegangen, was wir uns je hätten vorstellen können“, sagte Warmulla. Er betonte: „Wir dürfen niemals den freien Badebetrieb dem Kommerz unterordnen.“ Heißt: Der Eintritt zum Badesee soll frei bleiben. Über die Erhebung von Eintrittsgeld war im Rat schon öfter diskutiert worden, es hatte dafür jedoch nie eine Mehrheit gegeben.
Die Stadt hat das Büro GLS Glücksburg Consulting aus Hamburg mit der Erstellung eines Tourismuskonzeptes für Tannenhausen beauftragt. Es soll als Orientierungshilfe bei der Weiterentwicklung des Badesees und der näheren Umgebung dienen. Anwohner und Akteure wie Veranstalter, Gastronomen und Vereine werden einbezogen. Mitarbeiterinnen des Büros hatten das Konzept bereits im Februar dem Bauausschuss des Rates vorgestellt. Demnach soll es in Tannenhausen eine sanfte touristische Entwicklung geben, bei der auch die Belange der Anwohner sowie Fragen des Natur- und Umweltschutzes berücksichtigt werden. Es gehe mehr um Qualität als um Quantität, hieß es.
Schlechtes Netz und zu viel Müll
In dem 56-seitigen Konzept werden Stärken, Schwächen und Ziele benannt. Als Stärken werden unter anderem der Aquapark und die Wakeboardanlage, der freie Eintritt zum Badesee und das Mehrzweckgelände für Veranstaltungen aufgeführt, als Schwächen unter anderem das nur saisonale gastronomische Angebot, Lärmbelastung, hohe Parkgebühren, schlechte Busanbindung, Netzüberlastung des Mobilfunks und zu viel Müll.
Zu den Vorschlägen gehören die Errichtung eines Trimm-Dich-Pfades und einer Minigolfanlage, der Ausbau des Camping-Angebotes, die Schaffung von Schlechtwetterangeboten sowie mehr Bänke und mehr öffentliche Toiletten. Der Text kann auf der Homepage der Stadt Aurich nachgelesen werden.
Arbeitskreis mit Unternehmern
Der Auricher Rat hat beschlossen, das Tourismuskonzept als Grundlage für die zukünftige Gestaltung des See und der näheren Umgebung zu verwenden. Trotz aller Skepsis stimmte auch die Linke zu. Der Beschluss war einstimmig.
CDU-Fraktionschef Arnold Gossel betonte, es sei nicht zu befürchten, „dass irgendjemand mit irgendetwas überfahren“ wird. Der Badesee sei eine schöne Anlage. „Wir wollen dafür sorgen, dass das so bleibt.“ Gossel verwies auf einen Arbeitskreis, der sich mit der Weiterentwicklung des Sees befasst. Das hatte die Politik im März beschlossen. Dem Arbeitskreis gehören neben Ratsmitgliedern und Mitarbeitern der Stadtverwaltung auch Unternehmer an.