Hilfe in Rhauderfehn und umzu Wie geht es weiter nach der Diagnose „Demenz“?
In Rhauderfehn gibt es Angebote für Demenz-Patienten und Angehörige. Der Landkreis Leer bietet Infos. Doch die Zahl der Patienten wächst. Das hat Folgen.
Rhauderfehn - „Viele kleine Tode“, so nennt Brigitte Simon das, was ihr Mann Karl-Heinz erleidet. Bei dem Rhauderfehner wurde 2015 Demenz diagnostiziert. Von dem Mann, der er einmal war, ist nicht viel geblieben. Aber das, was noch übrig ist, will die Rhauderfehnerin behalten – so lange wie möglich und bei sich zu Hause. Das, sagt sie, schafft sie eigentlich nur, weil es heute vielerlei Hilfen gibt: die Tagespflege zum Beispiel.
Die entlaste Angehörige enorm, wissen Rainer Helmers und Markus Hanekamp, Vorstände des Rhauderfehner Reilstifts. Die verschiedenen Phasen einer Demenzerkrankung könne mit stark herausfordernden Verhalten einhergehen. Angehörige seien sehr belastet. Die Möglichkeit, den Patienten für einen oder mehrere Vormittage in guten Händen zu wissen, verschaffe Erleichterung. An drei Standorten – an der 1. Südwieke, am Ancora-Ring und seit 2022 auf dem Hof Janssen in Ihrhove – hält das Reilstift solche Angebote bereit. Ob alles passt, können Angehörige bei einem kostenlosen Probetag testen.
Station eröffnete vor zehn Jahren
In diesen Tagen feiere die Pflegeeinrichtung an der 1. Südwieke übrigens das zehnjährige Bestehen ihrer Demenz-Station, betont Helmers. Vorher gab es auf dem Fehn keine Angebote, die speziell auf die besonderen Bedürfnisse der an Demenz Erkrankten abgestimmt waren. Dazu gehören beispielsweise die kleinen Wohngruppen, die den Bewohnern Sicherheit vermitteln.
Heute hat das Reilstift 74 solcher Plätze für Demenz-Patienten mit starken Einschränkungen: 44 an der 1. Südwieke, 30 am Ancora-Ring. Die Plätze sind stark gefragt.
Zahl der Demenz-Patienten steigt
Immer mehr Menschen leiden an einer Demenzerkrankung: Rund 1,8 Millionen sind es (Stand Ende 2022) laut Deutscher Alzheimer Gesellschaft. Das Robert-Koch-Institut (RKI) verweist auf einen möglichen Anstieg der Zahl der Demenzpatienten in Deutschland auf bis zu drei Millionen im Jahr 2070. Denn: „Die Menschen werden immer älter. Und es gibt immer mehr ältere Menschen“, erklärt Rainer Helmers den Anstieg.
Das bedeutet, dass auch immer mehr Hilfs- und Pflegeangebote für Demenzkranke benötigt werden: „Für den Landkreis Leer und die angrenzenden Landkreise besteht nach unserer Einschätzung ein zusätzlicher Bedarf an Pflegeplätzen bis zum Jahr 2026“, heißt es aus dem Leeraner Kreishaus. Vor allem fehle es an Facheinrichtungen für „Herausfordernde Pflege“ (schwere Formen der Demenz, Personen mit hirnorganischen Erkrankungen, Personen mit Aggressionen), so steht es im Pflegebericht 2023.
Kur und Co: Hilfe annehmen
Doch immerhin gibt es heute Hilfen für Betroffene. So informiert der Kreis über Pflegeangebote. „Es ist toll, was es alles gibt“, sagt Brigitte Simon: Ihr Mann bekomme alle 14 Tage Krankengymnastik. Die Tagespflege nutzt sie an vier Vormittagen die Woche. Und im Mai 2023 war sie zur Kur. „Das hat die Krankenkasse bezahlt.“ Sie bekam Anwendungen, ihr Mann war in der angegliederten Tagespflege. Die Alzheimergesellschaft informiert über diese Möglichkeiten.
Ganz wichtig sei es, im Austausch mit anderen zu sein und sich immer wieder zu informieren - auch darüber, welche Hilfen es gibt, sagt Brigitte Simon. Allen Betroffenen rät sie, alle Hilfe anzunehmen, die man kriegen kann. „Ich muss ja auch Kraft schöpfen, um für meinen Mann da sein zu können.“