Appen  Ernährungs-Doc Matthias Riedl: So bedenklich sind Saftkuren und Proteinshakes

Anna Goldbach
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Von Anna Goldbach
| 13.04.2024 09:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Proteinshakes lieber selber machen und Nahrung lieber essen als trinken – das sagt zumindest Ernährungs-Doc Matthias Riedl Foto: Jule Kipsch/Anna Goldbach
Proteinshakes lieber selber machen und Nahrung lieber essen als trinken – das sagt zumindest Ernährungs-Doc Matthias Riedl Foto: Jule Kipsch/Anna Goldbach
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Proteinshakes und Saftkuren sind angesagt. Mit dem NDR-Ernährungsdoc Matthias Riedl nehmen wir Food-Trends unter die Lupe. Diesmal erklärt er, wie sinnvoll Flüssignahrung wirklich ist.

„This is Food“ ist auf den Trinkmahlzeiten eines gewissen Herstellers zu lesen. Suggeriert wird, dass das Getränk mit seinen Nährstoffen eine Mahlzeit ersetzt. Grundsätzlich erfahren Proteinshakes oder High-Protein-Produkte wie Puddings oder Joghurts einen Hype – finden sie sich doch in den Regalen von Supermärkten und Discountern.

Aber wie steht es um Flüssignahrung, Proteinshakes und Saftkuren? Versorgen Sie den Menschen tatsächlich mit dem, was er braucht? Sind Saftkuren wirklich so gut wie ihr Ruf? Und wie viel Protein ist zu viel? Matthias Riedl, Arzt für Innere Medizin, Ernährungsmedizin und Diabetologe, Unternehmer und Publizist, hat Antworten.

Saftkuren zählen zum Fasten. Der Konsument verzichtet auf Nahrung und nimmt stattdessen mehrere Säfte zu sich, die ihn mit Nährstoffen versorgen sollen. Darunter finden sich meist Säfte aller Art: Grüne Smoothies mit Spinat, Beeren- oder Multifruchtsäfte, aber auch Produkte mit Mandelmilch zum Beispiel.

Der Ernährungs-Doc weiß: „Saftfasten hat sicherlich seine Berechtigung. Wenn ich das allerdings mit Frucht- und nicht mit Gemüsesäften mache, sind sie bedenklich“.

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Das liegt am hohen Fructoseeintrag der meisten Fruchtsäfte. Aus diesem Grund seien auch fertige Saftkuren nicht zu empfehlen. „Das Problem ist, dass die Lebensmittelindustrie sich auf alles stürzt und kaputt macht, indem sie Produkte mit viel Zucker oder Obst anbietet, die halt gut laufen“.

Wenn also Saftkur, dann selbstgemacht. Am besten mit Gemüsebrühe und Gemüsesäften. Riedl:

Und das gilt auch für fertige Proteinshakes, Flüssignahrung und High-Protein-Produkte, die sich gerade bei Sporttreibenden großer Beliebtheit erfreuen.

„Fliegen wir denn zum Mond und brauchen Astronautennahrung? Das ist keine menschliche Ernährung, das ist Geldmacherei. This is no food“, findet der Ernährungs-Doc deutliche Worte. Auch die High-Protein-Produkte, die zuhauf angeboten werden, sieht er kritisch. Aus gutem Grund.

„In diesen Produkten stecken 50 Gramm Protein. Das ist der Tagesbedarf einer Person, die um die 50, 60 Kilo wiegt.“ Gerade bei jungen Männern sei zu beobachten, dass sie über die benötigten und empfohlenen zwei Gramm Eiweiß pro Kilogramm am Tag gehen und zusätzlich zu den Shakes auch noch sehr eiweißhaltige Nahrung zu sich nehmen würden. Das sei zu viel.

„Wir betreuen ja auch die Olympischen Spiele im Medicum Hamburg. Dass wir mit dem Protein so hoch gehen, machen wir nur bei Hochleistungssportlern in ganz bestimmten Phasen, weil das ansonsten einfach zu viel ist“, so Riedl. „Bei uns im Team nimmt niemand Proteinshakes – außer sie sind selbstgemacht.“

Auch für Personen, die abnehmen wollen, seien die Produkte nicht geeignet. Denn: Zu viel Protein macht dick, sagt Riedl. „Wenns dann auch noch tierisches Eiweiß ist, ist es eh zu spät“.

Die Proteinshakes würden zudem Mineralölrückstände enthalten. „Dann wird da Süßstoff reingeballert, der die Darmflora stört und irrsinnige Vitaminmengen und künstliche Aromen, Stiftung Warentest warnt davor“, so Riedl weiter.

Für die Shakes gilt demnach das gleiche wie für die Saftkuren: Selbstgemacht können sie durchaus konsumiert werden. „Das empfehlen wir. Denn wenn man Mandelmilch oder Milch mit Haferflocken, Beeren und Mandelmus mischt, ist das auch tatsächlich Food“. Von Fertigprodukten sollte man allerdings die Finger lassen.

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