Hamburg Abitur 2024 in Niedersachsen: Klausuren gestohlen – Prüfungen abgebrochen
Weil Abiturprüfungen im Fach Politik geleakt wurden, musste am Donnerstag spontan auf Ersatzklausuren zurückgegriffen werden. Ein Termin für die Nachschreibklausur steht auch schon fest.
Am frühen Morgen meldeten sich zwei Schülerinnen von Osnabrücker Gymnasien bei der Redaktion und erklärten: Die Abiturprüfungen im Fach Politik-Wirtschaft konnten nicht wie geplant starten. Gestern hat das Kultusministerium bei den Schulen noch abgefragt, ob die Prüfungen problemlos über die Bühne gehen können. „Bis gestern gab es schlichtweg keine Probleme“, hieß es vom Kultusministerium. „Alles war gut vorbereitet.“
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Doch in der Nacht brachen Unbekannte in ein Gymnasium in Goslar ein und öffneten gewaltsam den Tresor, in dem sich auch die Abiturprüfungen befanden. Anschließend verteilten die Täter die Prüfungsbögen auf dem Schulhof. „Die Schule hat nichts falsch gemacht. Es gibt Vermutungen, dass es gar nicht um die Abiturklausuren ging“, erklärt ein Sprecher des Kultusministeriums. Offenbar gibt es eine Einbruchserie in Schulen und Kitas im Raum Goslar.
Aber: „Rein theoretisch hätten die Prüfungsbögen abfotografiert und in ganz Niedersachsen geteilt werden können“, erklärte der Sprecher. Um 7.33 Uhr informierte das Kultusministerium deshalb schließlich alle Gymnasien in Niedersachsen, dass spontan die Ersatzklausuren gezogen werden müssen. Die waren eigentlich für Nachschreibtermine gedacht.
An der Osnabrücker Ursulaschule wurde die Mail rechtzeitig gelesen, sodass die Schüler gar nicht erst anfingen zu schreiben. „Wir wussten sofort, dass sich das nicht lohnt“, berichtet Schulleiterin Daniela Boßmeyer-Hoffmann. Sie weiß aber, dass nicht alle Schulen die Mail aus Hannover rechtzeitig erreicht hat. „Noch hat kein Schüler angefangen zu schreiben“, erklärt Schulleiterin Daniela Boßmeyer-Hoffmann um kurz vor 10 Uhr.
„Manche Schüler können mit der Situation schwer umgehen“, erklärt das Kultusministerium. Deshalb können die Schulen in Absprache mit den Abiturienten nun selbst entscheiden: „Trinken wir jetzt erstmal alle einen Kaffee und fangen dann neu an oder verschieben wir“, erklärte der Ministeriumssprecher im Gespräch.
Ein Termin für die Nachschreibklausur steht auch schon fest. Am 8. Mai „haben wir eine Lücke gefunden“, so der Sprecher. „Mit einem gewissen Stolz kann ich sagen, dass unser Krisenmanagement wirklich gut war. Zum Glück passiert so etwas aber nicht so oft.“
Der Landesschülerrat kritisiert hingegen, dass die Schüler warten mussten, bis sie ihre Klausuren schreiben konnten. Die Kommunikation sei teils schlecht verlaufen: Einige Schulen hatten bereits angefangen, das Abitur zu schreiben, sodass schon bearbeitete Aufgaben dann wieder eingesammelt werden mussten. Das führe zu enormem Druck und Stress. „Besonders Personen, die von ADHS betroffen sind, haben durch eine geringe Konzentration jetzt einen weiteren Nachteil“, hieß es.
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In einer Mitteilung kritisieren der Kreisschülerrat Göttingen und der Stadtschülerrat Wolfsburg das Kultusministerium ebenfalls. Sie forderten „ein Statement des Kultusministeriums bezüglich eines Nachteilsausgleichs und der Frage: Wieso dauerte die Organisation der Ersatzklausuren so lange?“. Mit mehr als 90 Minuten Wartezeit habe sich der Stressfaktor immens erhöht.
Neben einem Statement verlangten die Räte einen einheitlichen Beginn der Abiturprüfungen und eine zukünftige Verbesserung der Kommunikation.