Verkehrsüberwachung  Landkreis Aurich plant zwei neue Superblitzer

Marion Luppen
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Von Marion Luppen
| 10.04.2024 17:54 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Blitzer an der Leerer Landstraße misst in beide Fahrtrichtungen. Das macht Schule. Foto: Archiv/Ortgies
Der Blitzer an der Leerer Landstraße misst in beide Fahrtrichtungen. Das macht Schule. Foto: Archiv/Ortgies
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Im Landkreis Aurich sind im vergangenen Jahr weniger Autofahrer geblitzt worden als 2022. Das lässt die Kreisverwaltung nicht auf sich sitzen. Sie rüstet auf. Auch die Wittmunder schmieden Pläne.

Aurich/Wittmund - Der Landkreis Aurich wird in diesem Jahr zwei neue Superblitzer aufstellen – das sind stationäre Messanlagen, die die Geschwindigkeit in beide Fahrtrichtungen messen. Eine solche Säule steht seit März 2022 an der Leerer Landstraße (B 72) in Aurich. Erlaubt ist dort Tempo 50. Nirgendwo in Ostfriesland werden so viele Geschwindigkeitsverstöße festgestellt wie dort. Die Anlage an der B 72 löst im Schnitt 56-mal am Tag aus.

Zwei ähnliche Säulen wird der Landkreis im Laufe des Jahres an den Landesstraßen in Westerende-Kirchloog und in Wirdum installieren. Die alten, abgängigen Messanlagen an diesen Stellen werden durch neue, moderne Geräte ersetzt. Das teilte Ragnar Hoffmann, Leiter der Zentralen Bußgeldstelle, am Mittwoch, 10. April 2024, bei der Präsentation der polizeilichen Verkehrsunfallstatistik 2023 für die Landkreise Aurich und Wittmund mit. Wann genau die neuen Blitzer aufgestellt werden, konnte Hoffmann nicht sagen. Das hänge von mehreren Faktoren ab, unter anderem vom Wetter. „Die Aufträge sind erteilt.“ Auch bei der mobilen Überwachung wird aufgerüstet.

Fünf mobile Anlagen

Die Zahl der geahndeten Geschwindigkeitsverstöße im Landkreis Aurich ist 2023 im Vergleich zum Vorjahr um rund zehn Prozent gesunken. „Das ist insgesamt eine positive Entwicklung“, sagte Hoffmann. Man wolle aber nichts dem Zufall überlassen. „Zur weiteren Reduzierung der Geschwindigkeitsüberschreitungen“ habe der Landkreis eine weitere mobile Messanlage angeschafft. Insgesamt seien jetzt fünf mobile Anlagen im Einsatz.

Stationär wird in Aurich an drei Stellen kontrolliert: an der Leerer Landstraße, am Pferdemarkt (einschließlich Rotlichtblitzer) und an der Esenser Straße. Die stationären Blitzer an der B 72 in Holtrop sind seit Jahren außer Betrieb, bleiben aber zur Abschreckung stehen, wie Hoffmann auf Nachfrage sagte.

Blitzeranhänger im Anmarsch

Die Standorte der stationären Messanlagen haben sich offensichtlich herumgesprochen. Laut Hoffmann sind dort im vergangenen Jahr 14 Prozent weniger Verstöße festgestellt worden, an den mobilen Anlagen vier Prozent weniger. In beiden Bereichen dürften die Zahlen aber mit der Anschaffung neuer Geräte wieder nach oben schnellen.

Der Landkreis Wittmund setzt bislang ausschließlich auf mobile Geschwindigkeitsüberwachung. Auch dort war die Zahl der Verstöße im vergangenen Jahr rückläufig (minus 12 Prozent). „Wir überlegen und prüfen, im Jahr 2025 auch in eine semitransportable Anlage einzusteigen“, sagte Uwe Telle vom Landkreis Wittmund. Gemeint ist ein Blitzeranhänger. Der Vorteil: Er kommt ohne Personal aus und kann rund um die Uhr eingesetzt werden. Man müsse aber zunächst schauen, ob es dafür im Landkreis Wittmund geeignete Stellen gibt, sagte Telle.

„Die 100 Euro jucken keinen“

Zu hohe Geschwindigkeit gehört nach Angaben der Polizei zu den Hauptunfallursachen – ebenso zu geringer Abstand. Die Übergänge seien jedoch fließend, sagte Polizeichef Stephan Zwerg. Es stelle sich die Frage: „War ich zu schnell für meinen Abstand, oder war mein Abstand für meine Geschwindigkeit zu gering?“ Sonja Boje, Leiterin Einsatz bei der Polizeiinspektion Aurich/Wittmund, sagte: „Das Thema Geschwindigkeit ist einer der Dreh- und Angelpunkte im Straßenverkehr. Wir werden uns auch in diesem Jahr mit diesem Thema befassen.“

Als weitere Hauptunfallursachen gelten Vorfahrtverstöße, Fehler beim Abbiegen sowie Alkohol-, Drogen- und Medikamenteneinfluss. Eine Ursache tauche in der polizeilichen Statistik nicht auf, sagte Zwerg: das Handy am Steuer oder am Lenker. „Ich bin mir sicher, dass das eine Hauptunfallursache ist.“ Der Nachweis sei jedoch nur schwer zu erbringen. Die Polizei hat in den Landkreisen Aurich und Wittmund im vergangenen Jahr genauer hingeschaut und gut ein Drittel mehr Handyverstöße bei Autofahrern festgestellt, bei Radfahrern sogar fast sechsmal so viele.

„Jeder hat den Drang, aufs Handy schauen zu müssen“, sagte Harald Saathoff vom Einsatz- und Streifendienst des Polizeikommissariats Norden. Das drohende Bußgeld von 100 Euro sei in seinen Augen sehr liberal. „Die 100 Euro jucken keinen.“ Pech hat allerdings, wer wegen zu schnellen Fahrens geblitzt wird und dabei ein Handy am Ohr hat. Geahndet wird von den Bußgeldstellen beides – und das kann in Kombination schnell zu einem Fahrverbot führen.

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