Öffentlicher Nahverkehr Mit dem „Plusbus“ nach Jever
Vier Landkreise bauen das ÖPNV-Angebot sowohl im Nordosten Aurichs als auch im Süden deutlich aus. Profitieren soll vor allem eine Gruppe.
Aurich - Plusbus heißt das Konzept, das vor nunmehr elf Jahren im Mitteldeutschen Verkehrsverbund erdacht worden ist. Ein Konzept, dass den Fahrgästen auf den betreffenden Linien mehr Komfort, mehr Qualität und vor allem eine zuverlässige Taktung verspricht. Zusammen mit den Landkreisen Wittmund und Friesland wird der Landkreis Aurich ab dem kommenden Jahr auch einen solchen Plusbus anbieten: Die Linie 480 von Aurich über Wittmund nach Jever soll deutlich aufgewertet werden. Zusammen mit dem Ausbau der neuen Linie 490 (bisher 473) Aurich-Esens werde es eine Verdopplung der Kilometerleistung auf diesen Strecken geben, so Kreisrat Sebastian Smolinski am Mittwoch im Kreiswirtschaftsausschuss.
Statt bislang nur 380.000 Kilometer werden die Busse auf diesen Strecken künftig jährlich 780.000 Kilometer zurücklegen. Geschaffen wird insbesondere mit der Expresslinie 480 eine direkt Verbindung der drei Kreisstädte Aurich (ZOB), Wittmund (Markt) und Jever (Bahnhof). Bedient werden des Weiteren nur die Orte, die direkt an der Strecke liegen. Umwege werden nicht gefahren, damit Pendler eine schnelle und zuverlässige Alternative zum Auto haben. Insbesondere die Berufstätigen sind auch der Grund dafür, dass das neue Angebot auch in den Schulferien fortgeführt werden soll.
Bahnhof in Jever schnell erreichbar
Bislang gibt es auf der Linie 480 nur drei Fahrtenpaare pro Tag. Ansonsten gelangen Fahrgäste nur mit mehreren Umstiegen von Aurich nach Jever. Die AG Weser-Ems sieht die Plusbus-Linie gar als förderwürdig an im Konzept „Schiene-Bus-Grundnetz“.
Eine Information, die Arnold Gossel (CDU) jubeln ließ. Auf diese Weise bekämen die Auricher einen direkten Bahnanschluss – wenn auch über einen Umweg. In der Tat kann man ab dem 1. Mai 2025 von Aurich aus genauso zuverlässig und fast ebenso schnell zum Emder oder Leeraner Bahnhof wie zum Jeveraner Bahnhof kommen. Der Unterschied ist nur, dass von Emden und Leer aus Züge direkt nach Bremen, Hannover, Leipzig oder Koblenz starten. Von Jever aus geht es mit dem Zug zunächst nur bis nach Esens oder Wilhelmshaven.
Neue Verbindung nach Augustfehn
Außerdem, so Gossel, reiche es nicht aus, mit komfortablen Bussen im Takt die Strecke zu bedienen. Es müssten dafür auch die Haltestellen besser ausgestattet werden. Denn viele hätten noch keine Wartehäuschen, und auch bei der Beleuchtung sehe es nicht immer gut aus. Smolinski verwies auf das Kreisstraßenamt. Dieses würd eine Prioritätenliste bei den Haltestellen abarbeiten.
Eine gute Nachricht hatte der Kreisrat für die Wiesmoorer. Denn die Linie 470 soll schon ab dem 2. Mai dieses Jahres wieder bis nach Augustfehn fahren. Ein entsprechender Vertrag zwischen den Landkreisen Aurich, Leer und Ammerland sei unterschriftsreif.
Zwei-Stunden-Takt ab 6 Uhr morgens
Für acht Wochen hatte es diese Verbindung zum Bahnhof nach Augustfehn bereits einmal gegeben. Zur Zeit des Neun-Euro-Tickets im Sommer 2022 war die Verlängerung der Linie zur Probe eingeführt worden. Die Fahrgastzahlen waren immerhin so gut, so Smolinski, dass es sich gelohnt habe, über die dauerhafte Einrichtung dieser Verbindung nachzudenken.
Der Leiter des Kreisschulamts, Jens Kleen, führte im Kreiswirtschaftsausschuss die Details aus. Für das Konzept vorgegeben waren ein Zwei-Stunden-Takt, Fahrten in der Zeit zwischen 6 Uhr und 18 Uhr, damit Pendler die Linie nutzen können sowie eine Bedienung auch in den Schulferien.
Gemeinden als Treiber des neuen Angebots
Danach hat die Kreisbahn Aurich die Kosten ermittelt. Rund 200.000 Euro werden pro Jahr anfallen. Jeweils 45 Prozent übernehmen die Kreise Aurich und Leer, zehn Prozent steuert das Ammerland dazu. Ein Jahr soll die Linie auf jeden Fall Augustfehn anfahren. Danach sollen auf Wunsch vom Kreis Ammerland die Fahrgastzahlen ausgewertet werden.
Treiber dieses Angebots, so Kleen, seien die Kommunen gewesen. Wiesmoor, Uplengen, Apen und Remels würden daher auch das Marketing übernehmen.
Kreistagsmitglied Johannes Kleen (SPD, Wiesmoor) betonte denn auch, wie wertvoll die Verbindung nach Augustfehn für den Südkreis sei. Denn der Bahnhof sei grade ausgebaut und saniert worden und werde daher stark genutzt. Edgar Weiß (Freie Wähler, Wiesmoor) nannte das neue Angebot „sehr förderlich für die Verkehrswende“ und wegweisend für die Zukunft.
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