Region Diese Sperrungen des Wesertunnels sollten sich auch Autofahrer aus Delmenhorst vormerken
Sperrungen empfinden Autofahrer immer als nervig. Doch im Fall einer großen Wartung des Wesertunnels gibt es dazu laut zuständiger Behörde keine Alternative. So aufwendig ist das Vorhaben.
Mit seinen 1646 Metern ist der Wesertunnel nördlich von Bremen die einzige Unterquerung der Weser und verbindet als Teil der Bundesstraße 437 die niedersächsischen Landkreise Wesermarsch und Cuxhaven. Im Jahr 2004 eröffnet, wird er regelmäßig Wartungen unterzogen, und in Kürze ist es wieder soweit. Eine große Wartung steht an und deshalb werden von Montag bis Freitag, 8. bis 12. April, die Röhren jeweils von 22 Uhr abends bis 5 Uhr morgens gesperrt. In diesen Nächten wird eine Umleitung über den Fährenersatzverkehr Brake-Sandstedt und weitläufig über Bremen ausgeschildert.
Dieser Schritt ist laut der regionalen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Oldenburg notwendig, um akribisch alle sicherheitsrelevanten Bereiche des Tunnels zu kontrollieren, zu justieren oder instand zu setzen. Und wer bei der Behörde nachfragt, ob dafür wirklich komplette Sperrungen über mehrere Nächte notwendig sind, bekommt von Sprecherin Inka Bodmann eine unmissverständliche Antwort: ja.
Der Wesertunnel weist nach ihren Worten eine Vielzahl technischer Besonderheiten auf. Daraus folgt, dass in den Nächten der Wartung mindestens 25 Menschen damit beschäftigt sind, die Beleuchtungs- und Verkehrsanlagen, die Lüftungs- und Brandmeldeanlagen, die Feuerlöschanlagen, die Kamera-, Lautsprecher- und Notrufanlagen, das Rückhaltebecken, die Tunnelfunkanlage und die Betriebstechnik zu kontrollieren, reparieren und zu reinigen.
Für die Beleuchtung stehen laut Bodmann unter anderem die Kontrolle und Einstellung der Sensoren auf dem Plan. Da der Wesertunnel über eine Adaptionsbeleuchtung verfügt, die die Lichtverhältnisse für die Fahrer von der Helligkeit her je nach Umgebungsbeleuchtung für die Einfahrt und Durchfahrt des Tunnels anpasst, muss die Lichtsteuerung inklusive der Leuchtdichtemessung funktionieren.
Im Bereich der Verkehrsanlagen sorgen Schleifen für die Erfassung und Zählung des Verkehrs. Sollte eine Sperrung notwendig sein, sind Ampel und Schranke notwendig. Hier sind unter anderen die mechanischen Bauteile, die Kabel, Befestigungen und Leuchtmittel zu überprüfen.
Ein extrem relevantes System sind die Lüftungsanlagen, die im Bedarfsfall mit sogenannten Strahlventilatoren für Frischluft sorgen. Die Behördensprecherin erklärt: „Während bei einem hohen Verkehrsaufkommen die Autos selber die Luft vor sich her aus dem Tunnel schieben, muss bei weniger Verkehr trotzdem ein Luftaustausch erfolgen. Hier werden die extrem großen und schweren Ventilatoren, von denen je Röhre 16 Stück paarweise an der Decke verbaut sind, eingesetzt.“ Sie sorgen demnach auch dafür, dass im Brandfall der Rauch nicht durch die Querschläge, die Rettungswege zwischen den Röhren, zieht.
Hierzu wird durch gezielte Luftzufuhr ein Überdruck in der nicht vom Brandfall betroffenen Röhre aufgebaut. Gleichzeitig wird der Rauch in der betroffenen Röhre in Fahrtrichtung nach außen geleitet. Neben einer gründlichen Reinigung stehen hier Schwingungsmessungen und eine Kontrolle der Befestigung auf dem Plan.
„Der Albtraum in jedem Tunnel ist ein Brandereignis“, erklärt Bodmann. „Um dieses möglichst bereits in der Entstehungsphase erkennen zu können, sind im Wesertunnel Einrichtungen zur Brandfrüherkennung installiert.“ Auf der vollen Länge beider Tunnelröhren befindet sich mittig unter der Decke ein Linienbrandmeldekabel. Hierin befindet sich alle zehn Meter ein Sensor, der permanent die Temperatur misst. Steigt der Wert um mehr als 3,7 Grad Celsius pro Minute an, meldet das Kabel ein ungewöhnliches, nicht natürliches Ereignis und löst einen direkten Alarm bei der Feuerwehr aus. Zeitgleich erfolgt eine Sperrung des Tunnels.
Das Prüfverfahren im Zuge der Wartung sieht hier unter anderem eine Kontrolle der Sensoren mit Heißluft vor. Da hierdurch ein künstlicher Brandalarm erzeugt wird, ist eine enge Abstimmung mit der Feuerwehr notwendig.
Es ist ein technisch komplexes Verfahren: Die Meldeanlage für Sichttrübungen saugt permanent Luft ein, trocknet sie, um Nebel auszuschließen, und analysiert die Probe auf Rauchpartikel. So können auch Schwelbrände identifiziert werden.
Auch die Anschlüsse der Löschwasserversorgung müssen gereinigt und auf Funktion geprüft werden. Die Druckerhöhungsanlage stellt bei Löscharbeiten einen konstanten und ausreichenden Druck für die Feuerwehren bereit. Auch diese Anlage wird überprüft, beispielsweise durch Druckmessungen.
Weil der Tunnel lückenlos videoüberwacht ist, müssen die Kameras gereinigt und wenn nötig neu ausgerichtet werden, darüber hinaus erfolgen regelmäßig Softwareupdates. Schließlich sind auch die Lautsprecheranlage und die Tunnelfunkanlagen zu überprüfen. Die Funkversorgung muss für die Einsatzkräfte im Tunnel an jeder Stelle unterbrechungsfrei funktionieren. Hier können gegebenenfalls Vermessungen und Anpassungen erfolgen.
Ein weiterer bedeutender Aspekt ist die sogenannte USV-Anlage. Die unterbrechungsfreie Stromversorgung ermöglicht im Falle eines Stromausfalls die kontrollierte Räumung und Sperrung des Tunnels. Für 45 Minuten versorgt die USV den Tunnel mit Strom, ohne dass die geringste Unterbrechung zu bemerken wäre. Die Anlage überwacht kontinuierlich die Sinuskurve der Netzspannung und schaltet sich bei einer Abweichung ein. Bei der Wartung ist es notwendig, die Akkus zu kontrollieren, um die Anlage einsatzbereit zu halten.
Im Rahmen der großen Wartung werden viele Arbeiten erledigt, die im Betrieb nicht möglich sind. Auch alle weiteren Instandsetzungsmaßnahmen werden an diesen Tagen gebündelt ausgeführt. Bodmann unterstreicht: „Der Tunnel soll nicht länger als notwendig gesperrt werden, aber alle sicherheitsrelevanten Aspekte müssen im Notfall reibungslos ineinandergreifen. Dafür sind regelmäßige Wartungen der einzige Weg.“