Berlin Söders Hühnerfüße: Wie ein China-Trip bayerische Provinzialität offenbart
Markus Söder war in China. Spezialitäten wie Hühnerfüße, Hasenköpfe oder Entenzungen verschmähte der CSU-Politiker allerdings und bekam dafür viel Aufmerksamkeit in der Heimat. Das sagt mehr über Deutschland als über den Geschmack von Hühnerfüßen.
Wenn ein Ministerpräsident eine Reise tut, dann kann er was erleben. Und weil Bayerns Regierungschef Markus Söder zu denjenigen Politikern gehört, denen die Selbstbespiegelung offenkundig besonders wichtig ist, hat er auf Instagram gleich die ganze Welt – oder zumindest den Teil, der sich für ihn interessiert – an seinem Trip nach China teilhaben lassen.
Warum der Regionalpolitiker mit Weltendrang überhaupt da war? Interessiert offenbar kaum jemanden, ergibt ein Kurz-Studium der Begleitberichterstattung. Ein ganz anderer Aspekt überwiegt: Was Söder im Ausland aß beziehungsweise was nicht. Der alte PR-Profi und Baum-Umarmer Söder hat seine Reise für ein intensives Studium chinesischer Speisekarten genutzt und stieß dabei auf Spezialitäten wie Hühnerfüße oder Gänsezungen.
Das sei ja gar nicht das, was der Chinese um die Ecke mit seinem All-You-Can-Eat-Buffet anbiete, stellte Söder erstaunt fest. Um dann seine digitale Gefolgschaft daheim in Deutschland wissen zu lassen, dass er die vorgenannten Delikatessen nicht probiert habe. So ein Hasenfuß möchte man ihm zurufen! „Aber wem es schmeckt“, schrieb er noch hinterher.
Söders kulinarischen Erlebnisse dominierten fortan die Berichterstattung, stets begleitet von diesem ekeligen Unterton: Der europäische Kultur-Hegemon amüsiert sich über die Ess-Kultur einer fremden Nation – in bester kolonialistischer Tradition: „Schaut, was die da (fr-)essen!“
Merke: Wer ein Land, vor allem seine Kultur wirklich verstehen will, kommt nicht umhin, sich der lokalen Küche zu stellen und den gesellschaftlich antrainierten Ekel gegenüber manchen vermeintlich fremden Speisen zu überwinden. Erst wer soziale Normen auf dem Essteller überwindet, kann Weltenbürger sein. Und sich wirklich nachhaltig ernähren: Denn während Deutschland sich den Appetit etwa auf Schweinefüße abtrainiert hat, gelten sie in China als Delikatesse.
Man müsste Söder bei Gelegenheit fragen, ob er sich schon einmal mit mancher bayerischen oder fränkischen Spezialität und speziell deren Zubereitung näher befasst hat. Eine These, der wissenschaftliche Evidenz fehlt, wäre, dass in Bayern das Bier nur deswegen so reichlich fließt, damit einem Leberkäse und Weißwürste nicht im Halse stecken bleiben.
Apropos Leberkäse: Wenn der auf der Verpackung als „bayerisch“ ausgewiesen wird, heißt dass, das in der Fleischpampe alles Mögliche drin sein kann, aber wohl keine Leber. Der stolze Bayer wird nun dagegenhalten: Depperter Preiß! Der Namensbestandteil „Leber“ kommt nicht vom Organ, sondern vom Wort „Laib“. Sehen Sie: Essen bildet!