Hamburg  Was ist eigentlich Gender-Sprache?

Lara Schmidt
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Von Lara Schmidt
| 21.03.2024 06:24 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Die gesellschaftspolitische Debatte um das Gendern hält an. Vor allem Varianten mit Sonderzeichen stehen in der Kritik. Foto: dpa/Uli Deck
Die gesellschaftspolitische Debatte um das Gendern hält an. Vor allem Varianten mit Sonderzeichen stehen in der Kritik. Foto: dpa/Uli Deck
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In Bayern gilt bald ein Gender-Verbot. Dieser Beschluss hat die Debatte um das Gendern neu angefacht. Doch worum geht es eigentlich, was ist Gender-Sprache und wie funktioniert sie?

Bayern hat als viertes deutsches Bundesland ein Gender-Verbot für Teilbereiche des öffentlichen Lebens verabschiedet. Neben Institutionen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein müssen damit nun auch bayrische Schulen, Hochschulen und Behörden auf das Gendern mit Sonderzeichen ausdrücklich verzichten. Doch was steckt hinter dem Anglizismus?

Der Begriff „Gender“ stammt ursprünglich aus der englischen Sprache und bedeutet in sozialpsychologischen Kontexten so viel wie „soziales Geschlecht“. Dieses bezeichnet, vereinfacht gesagt, das gelebte und gefühlte Geschlecht. Davon abgegrenzt wird das sogenannte biologische Geschlecht (im Englischen: sex), das aufgrund körperlicher Merkmale bei der Geburt zugewiesen wird.

Die Praktik des Genderns hingegen beschreibt eine geschlechtergerechte Sprech- und Schreibweise, die darauf abzielt, alle Geschlechter in der Sprache zu inkludieren. Dadurch soll Gleichbehandlung gefördert werden.

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Im Deutschen wird bislang vor allem das generische Maskulinum benutzt, also die rein männliche Form eines Begriffs im Plural, um auf Menschengruppen hinzuweisen – und das auch, wenn unter ihnen Frauen oder queergeschlechtliche Menschen sind. So ist beispielsweise die Rede von Ärzten, Kollegen oder Helfern.

Allerdings wird bereits seit den 1970er-Jahren zunehmend Kritik an dieser Urform laut, da dadurch Frauen und queergeschlechtliche Menschen nicht mitgedacht würden. Das soll durch geschlechtersensible Sprache geändert werden. In diesem Zuge wird vor allem über folgende Alternativen zum generischen Maskulinum diskutiert:

Bei der Frage, welche Form des Genderns die richtige ist, herrscht allerdings Uneinigkeit; auch in der Wissenschaft. Während einige Initiativen den fortschreitenden Sprachwandel begrüßen, gibt es immer wieder auch kritische Stimmen, die von Sprachverhunzung sprechen und eine vermeintliche Gender-Pflicht kritisieren. Tatsächlich existieren bislang allerdings nur Gender-Verbote und keine Verpflichtungen zum Gendern in Deutschland.

Im Mittelpunkt der Kritik steht dabei häufig das Gendern mit Sonderzeichen wie dem Stern oder dem Doppelpunkt – auch im Hinblick auf Barrierefreiheit für Menschen mit Sehbehinderung. Auch der Rat für Rechtschreibung hatte das laut einem Beschluss vom Dezember 2023 weder empfohlen noch Gender-Zeichen in das amtliche Regelwerk aufgenommen. Gleichzeitig betonte er, die Lage weiter beobachten zu wollen. Das Gremium bekräftigt außerdem die gesellschaftliche Aufgabe, „dass allen Menschen mit geschlechtergerechter Sprache begegnet werden soll“.

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