Vorwürfe gegen Verein MTV Aurich streitet sich mit Boxverband
Weshalb Funktionäre die Mitgliedsaufnahme der Auricher ablehnen. Der Großverein ist verärgert und kämpft um Anerkennung und Zugang zum Ring.
Aurich - Der MTV Aurich liegt im Clinch mit dem Niedersächsischen Boxverband (NBSV). Der Großverein will zukünftig Boxen als Wettkampfsport betreiben. Er stellte Ende August 2023 einen Aufnahmeantrag beim NBSV. Drei Wochen später kam die Mail des Verbandes. Er lehnt die Aufnahme des MTV Aurich ab. Die Vorstandsentscheidung fiel einstimmig.
Üble Nachrede und Abwerbeversuche
Erstaunte Gesichter bei den Verantwortlichen des MTV. Sie sind verärgert, fühlen sich vom Verband ausgebremst und wollten nicht glauben, was sie als Begründung lassen. Drei nicht genannte Mitgliedsvereine des Verbandes hatten mehrere Vorwürfe gegenüber MTV und ihren Trainern ins Feld geführt: Es war von übler Nachrede, respektlosem und unsportlichem Verhalten sowie Abwerbeversuche die Rede.
Vizepräsident Nico Fiedler stellte klar: Ein Verein mit derart respektlosem und missachtendem Verhalten gegenüber anderen Mitgliedsvereinen und Trainern sei im Verband fehl am Platz. Rote Karte für den MTV. „Wir dachten, der Antrag wäre ein Selbstläufer“, so der Vereinsvorsitzende Theessen, der nach dem Verbands-Nein ziemlich verärgert war und ist.
Unbewiesene Behauptungen
Dabei ist der MTV in Sachen Boxen kein Anfängerclub. Seit nunmehr 18 Jahren besteht die Boxgymnastiksparte. Sie wächst. Aktuell hat sie 150 Mitglieder, darunter 90 Jugendliche.
Jetzt sollte der nächste Schritt gemacht werden, so Abteilungsleiter Horst Schmidt. Ab in den Ring, lautet die Losung für junge, talentierte Boxer, die mehr wollen, als sich mit Gymnastik fitzuhalten.
Der MTV reagierte auf den ablehnenden Bescheid. In seinem Schreiben an das NBSV-Präsidium ist von „großer Verwunderung“ die Rede. Ebenso von „verleumderischen Unterstellungen“, sowie „unbewiesenen Behauptungen“, die nicht belegt und nachvollziehbar seien.
Theessen wies auf die Integrationsarbeit des Vereins hin, der seit 2006 Fitnessboxen im Angebot habe und viele Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund einbinde.
Zwei Jahre Denkpause
Vergebene Mühe, denn die Antwort von Verbandspräsident Michael Seltmann Mitte Oktober 2023 war erneut eindeutig. Der Verband blieb bei seiner Entscheidung und ließ den MTV abblitzen. Erneut versuchte Theessen den Verband mit einem Schreiben von Mitte November umzustimmen. Er fuhr diesmal sprachlich schwere Geschütze auf, warf dem Verband einen Missbrauch seiner Monopolstellung vor und forderte ihn auf, „Ross und Reiter“ zu nennen. Das ist bisher nicht geschehen, so Theessen auf einer Pressekonferenz am Dienstagvormittag in der Geschäftsstelle des MTV Aurich. Dort war auch der Kreissportbund Aurich durch Detlev Schoone vertreten. Er zuckte mit den Schultern: „Das Schiff ist festgefahren und die Fronten sind verhärtet. Ich sehe vorerst nicht, wie wir die Sache voranbringen können.“
Abteilungsleiter Schmidt spielte in der Pressekonferenz eine Sprachnachricht ab. Zu hören war ein Funktionär des Norder Boxclubs. Dieser machte deutlich, dass die Auricher für die nächsten zwei Jahre erst einmal hinten anstehen müssen. Denkpause für die angeblichen Verfehlungen. So lange will Theessen aber nicht warten. Er will ein drittes Schreiben auf den Weg zum NBSV bringen und hofft auf eine positive Wende. Wenn die ausbleibt, wird er wohl seinen letzten Joker in den Ring werfen. Der MTV behält sich rechtliche Schritte vor. Dazu zählt auch der Einsatz eines Anwalts. Der Weg zu den ersten Boxkämpfen dürfte für Auricher Athleten noch weit sein, aber Aufgeben ist für den MTV auch keine Option.