Führungspersonal entlassen Beben in Führungsriege erschüttert Norder Wirtschaftsbetriebe
Die Norder Wirtschaftsbetriebe stecken in der Führungskrise. Es gibt weder einen Geschäftsführer noch einen Kurdirektor. Erster Stadtrat übernimmt als interimsmäßig die Geschäfte.
Norden - Was ist nur los bei den Norder Wirtschaftsbetrieben? Seit Monaten fehlt ein Kurdirektor. In der vergangenen Woche wurde die Führungsriege plötzlich entlassen. Nun hat der Erste Stadtrat der Stadt Norden, Markus Aukskel, den Posten als Interims-Geschäftsführer inne. Dafür musste er sogar seinen eigentlich geplanten und gebuchten zweiwöchigen Urlaub sausenlassen und seine Aufgaben in der Stadtverwaltung umverteilen.
Aber der Reihe nach: Schon seit Monaten rumort es bei Wirtschaftsbetrieben Norden (WBN), zu deren Aufgabenfeld neben den Norder Stadtwerken auch der Tourismusservice Norden-Norddeich gehört. Im April des vergangenen Jahres wurde überraschend mitgeteilt, dass sich die Stadt von Kurdirektor Stefan Krieger zum 1. Juli trennen wird – nach nur wenigen Monaten im Amt. Offiziell trennte man sich im gegenseitigen Einvernehmen. Hinter verschlossenen Türen kam die „schwierige Persönlichkeit“ Kriegers zur Sprache. Es fiel das Wort „Choleriker“. Der Posten des Kurdirektors ist bis heute unbesetzt. Damit geht Norddeich in die zweite Saison ohne richtige Führung.
Stadt strukturierte Wirtschaftsbetriebe plötzlich um
Der nächste Paukenschlag ließ nicht lange auf sich warten: Im Juli ’23 teilte der damalige kaufmännische Geschäftsführer der WBN, Thorsten Schlamann, mit, dass er das Unternehmen zum 1. Januar 2024 aus persönlichen Gründen verlassen und zu den Stadtwerken Lingen wechseln werde. Doch dann wurde Schlamann im November 2023 plötzlich alleiniger Geschäftsführer der Wirtschaftsbetriebe. Außerdem wurde mitgeteilt, dass er nun doch bis zum Februar 2024 in Norden bleibe.
Die Stadt Norden teilte damals mit, sie wolle die Wirtschaftsbetriebe umstrukturieren. Statt zwei Geschäftsführer sollte es nur noch einen geben. Alle anderen Posten wurden darunter, auf Bereichsleiterebene, angesiedelt. Auch der neue, noch zu findende Kurdirektor, soll nur noch ein Bereichsleiter und dem Geschäftsführer der WBN unterstellt sein.
Technischer Geschäftsführer wurde degradiert
Von dieser Umstrukturierung ebenso betroffen war der bis dato zweite Geschäftsführer Wolfgang Völz. Während Thorsten Schlamann – trotz bekannter Kündigung – vom kaufmännischen zum alleinigen Geschäftsführer aufstieg, wurde Wolfgang Völz degradiert – vom technischen Geschäftsführer zum technischen Bereichsleiter. Eine Begründung teilte die Stadt Norden nicht mit.
Im Dezember stellte die Stadt Norden stattdessen per Pressemitteilung den neuen alleinigen Geschäftsführer der Wirtschaftsbetriebe, Said M.R. Khashey, vor. Der sollte nach einer vierwöchigen Übergangszeit ab dem 1. Februar die Geschäfte übernehmen. Das tat er. Für genau sechs Wochen.
Neuer Geschäftsführer wieder entlassen
Dann folgte der nächste Paukenschlag: Am Montag, 11. März, wurde er schon wieder entlassen. In der offiziellen Pressemitteilung der Stadt Norden hieß es: Said M. R. Khashey habe zum 1. Februar 2024 die Geschäftsführung der Wirtschaftsbetriebe der Stadt Norden übernommen und sei „nun ordentlich innerhalb der Probezeit“ gekündigt worden. Die Freistellung von Said Khashey erfolge „mit sofortiger Wirkung, da das Vertrauensverhältnis zu ihm in einem nicht akzeptablen Maße gestört wurde“.
Auf offizielle Nachfragen zur Art des gestörten Verhältnisses heißt es bisher lediglich, dass sowohl die Bewerbungsunterlagen von Khashey, als auch das Auftreten in den Vorstellungsgesprächen sowie seine fachliche Expertise bei allen Beteiligten einen sehr guten Eindruck hinterlassen habe. Im operativen Geschäft habe sich dieser Eindruck „aber leider nicht bestätigt“. Das attestierten auch Mitarbeiter, die Khashey bereits erlebt hatten. Die Eindrücke reichen von Irritation durch bis hin zu kompletter Ahnungslosigkeit bei dem neuen Mann.
Auch Wolfgang Völz rausgeworfen
Doch auch damit noch nicht genug: Wenige Tage nach der Entlassung von Khashey wird bekannt: Auch Wolfgang Völz wurde entlassen. Alles, was die Stadt auf Nachfragen über die Gründe mitteilte, ist: „Zum Fall Völz können wir daher nur bestätigen, dass die Kündigung nichts mit der Neustrukturierung der WBN vor einigen Monaten zu tun hat.“ Zum Schutz der Beteiligten werde die Stadt keine näheren Auskünfte erteilen.
Klar ist: Das ist noch nicht das letzte Wort, denn die Entlassung von Völz wird offenbar vor Gericht gehen. Völz klagt gegen die Wirtschaftsbetriebe Norden. Wie das Arbeitsgericht Emden mitteilte, sei ein Klageschutzverfahren anhängig, Anfang April sei ein erster Termin in der Sache geplant. Khashey war für eine Nachfrage nicht zu erreichen. Wolfgang Völz möchte zurzeit nichts dazu sagen.
Schon vorher will die Norder CDU das Thema in dieser Woche in einem Pressegespräch aufs Tableau holen. Denn: Das machte auch die Stadtverwaltung klar: Die Norder Politik war in alle Entscheidungen mit eingebunden und habe diese mitgetragen.
Wie lange Markus Aukskel die Geschäfte leiten muss, ist indes unklar. Für alle Führungspositionen werde ab sofort wieder Personal gesucht, sagte die Stadtsprecherin Ahlam Gandura-Kourich auf Nachfrage. Selbst wenn die Suche schnell erfolgreich sein würde, werde es bis zu einer Einstellung aber sicher einige Monate dauern. Damit Aukskel so lange auch physisch seinen Posten in den Räumen der Norder Stadtwerke erfüllen kann, habe man in der Stadtverwaltung „aktiv Freiräume geschaffen in der Struktur“, damit er sein Amt als Interims-Geschäftsführer auch ausfüllen könne.