Auswirkungen der Preissteigerungen  Gastronomen in Aurich arbeiten am Limit

| | 17.03.2024 16:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ein gedeckter Tisch in einem Restaurant. Foto: DPA
Ein gedeckter Tisch in einem Restaurant. Foto: DPA
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Zu hohe Kosten machen Restaurants zu schaffen. Eine große Pleitewelle blieb aber bislang aus. Wie die Gastronomen um die Kunden kämpfen.

Aurich - Inflation, alter Mehrwertsteuersatz, hohe Energiepreise und immer noch Auswirkungen der Corona-Pandemie: Die Gastronomen im Landkreis Aurich arbeiten nach eigenen Aussagen am Limit. Wirtschaftliches Arbeiten sei derzeit kaum möglich. Das gaben Branchenkenner aus der Region im Gespräch mit dieser Zeitung an.

„Viele Gastronomen ringen mit den Kosten“, sagt Arno Fecht von der Auricher Altstadt-Gastronomie. Restaurant- oder Cafébesitzer könnten nicht die Preise verlangen, die sie aufrufen müssten. Das würde sonst die Kunden vergraulen. „Ich weiß, dass viele von uns kämpfen müssen“, sagt Fecht. Der Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent, die Energiepreise und gestiegenen Lebensmittelkosten seien in vielen Betrieben nicht eins zu eins an die Kunden weitergegeben worden. Viele Gastronomen arbeiten „an der Kante“, so Fecht. Ähnlich hat es Erich Wagner, 1. Vorsitzender des Dehoga-Ostfrieslands, vom Hotel zur Post in Wiesmoor beobachtet. Die Energiepreise seien der größte Preistreiber. Bundesweit hat es laut Creditreform in den vergangenen drei Jahren 48.000 Restaurantschließungen gegeben. Die Zahl der Insolvenzen sei gestiegen. Allein im vergangenen Jahr habe jeder zehnte Gastrobetrieb aufgegeben.

Früher Ostertermin lässt Gastronomen hoffen

In Aurich ist die Lage überschaubar, jedoch angespannt. „Wir haben noch relativ viel Glück“, sagt Fecht von der Auricher Altstadt-Gastronomie. Zwar gab es so manche Schließung in den vergangenen Jahren. Doch eine große Pleitewelle ist bislang ausgeblieben. Wagner vom Dehoga hat eine einfache Erklärung dafür: In Ostfriesland ist die Gastronomie Saisongeschäft. Das sei ein Glücksfall, so Wagner. „Viele freuen sich, dass Ostern dieses Jahr so früh ist“, sagte Wagner. Denn so könnte die Saison mit den frühen Ferien in Niedersachsen auch schneller wieder Gäste in die Restaurants, Cafés und Bars bringen.

Ein früher Saisonstart ist jedoch nicht allein die Lösung für die Probleme der Gastronomen. Einige Beobachtungen hat der Wiesmoorer Gastronom und Hotelchef noch sich von seinen Kollegen angehört: Einerseits blieben die Gäste nicht mehr so lange in den Restaurants, andererseits holten Viele ihr Essen lieber ab und verzehrten es zu Hause. Geld, was etwa durch Getränke dann eingenommen werden könnte, käme dann nicht in die Restaurantkasse. Für Essen zum Mitnehmen wird auch nach wie vor der reduzierte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent verlangt. Wie lässt sich also verhindern, dass auch im Landkreis Aurich viele Betriebe schließen müssen oder gar in die Insolvenz gehen? Fecht hofft, dass die Gehälter an die wirtschaftlichen Bedingungen angepasst werden. So könnte der Restaurantbesuch wieder erschwinglich werden. „Wir hoffen auf einen guten Sommer“, sagt Fecht.

Kreative Ansätze, um Gäste zurückzuholen

Langfristig gesehen gibt es auch andere Ansätze, um als Gastrobetrieb trotz hoher Preise am Markt zu bestehen. Immer häufiger würden Kollegen über Veranstaltungen im eigenen Haus die Kunden wieder zurück in die Restaurants, Cafés und Bars holen, so Wagner. Der Dehoga-Vorsitzende sagt, dass so die Gäste daran erinnert werden können, dass ein Restaurantbesuch sich lohnen könne. Auch über große Feierlichkeiten im Saalbetrieb wie Hochzeiten, runde Geburtstage und ähnliches könne die Gastronomie zeigen, was sie kann. Vor allem im ländlichen Bereich sei dies wichtig. Denn außerhalb der ostfriesischen Städte hätten die Betriebe es derzeit noch schwerer und könnten hier mit Saalbetrieb punkten. „Der ländliche Bereich muss erhalten bleiben“, sagt Wagner.

Dass die Gastronomen nicht auf viel Hilfe von außen hoffen können, da sind sich die beiden Branchenkenner unabhängig voneinander sicher. Oder wie es Wagner sagt: „Wir haben in der Politik derzeit überhaupt keine Lobby.“

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