Berlin  Milliardengrab: So teuer ist die Rente für den Steuerzahler

Sören Becker
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Von Sören Becker
| 18.03.2024 06:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
18.05.2020, Corona Geld 18.05.2020, Corona Geld 18.05.2020, Corona Geld *** 18 05 2020, Corona money 18 05 2020, Corona Foto: via www.imago-images.de
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Die Rente wird aus den Beiträgen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern bezahlt. Zumindest theoretisch. In Wahrheit kommt ein beträchtlicher Teil der Rente aus dem Bundeshaushalt.

Welcher ist der größte Einzelposten im Bundeshaushalt? Es handelt sich weder um das Sondervermögen der Bundeswehr, noch um andere viel diskutierte Projekte der Ampelkoalition. Am meisten Geld gibt der Bund für die Rente aus. Und das obwohl die Rente eigentlich von der Rentenversicherung kommt.

Die Rentenversicherung hat nämlich kein wirkliches Eigenkapitalpolster. Lediglich eine sogenannte Nachhaltigkeitsrücklage hält die Sozialversicherung vor. Diese muss immer zwischen einem fünftel und dem anderthalbfachen einer Monatsausgabe liegen. Laut den neuesten Zahlen der Rentenversicherung betrug diese im Januar rund 44,3 Milliarden Euro, genug um die Rente und andere Ausgaben für sechs Wochen zu bezahlen. Damit hat die Rentenversicherung im Monat ein Polster das fast so dick ist, wie der Verteidigungshaushalt für 2024 (52 Milliarden). Anders als bei der Bundeswehr ist das Geld auch sehr schnell ausgegeben. Abgesehen davon, gibt die Rentenversicherung das Geld, das sie einnimmt, sofort wieder aus, um die fälligen Renten zu bezahlen. Doch um allen Rentnern ihre Bezüge zu sichern reicht das Geld schon lange nicht mehr aus.

Es braucht dafür also riesige Zuschüsse vom Steuerzahler: 120,1 Milliarden Euro sind allein im Jahr 2023 aus dem Bundeshaushalt geflossen. 84,3 Milliarden Euro werden als sogenannte Zuschüsse bezeichnet. Sie dient zum Beispiel der Schließung von Lücken und Rentenboni für unterschiedliche Gruppen, wie DDR-Rentner und Mütter. Gleiches gilt für Zeiten, die in der Berufsausbildung verbracht wurden oder Menschen, die genug Beitragsjahre gesammelt haben, um vorzeitig abschlagsfrei in Rente zu gehen.

9 Milliarden fließen in die Grundsicherung für Menschen, die eine Rente unter dem Existenzminimum bekämen. Diese müssten eigentlich die Kommunen zahlen, aber die Ausgaben werden vom Bund erstattet. Hinzu kommen sogenannte Bundesmittel, mit denen ein bunter Strauß von Sonderleistungen finanziert wird. Allen voran die sogenannte „Mütterrente“ (17,3 Milliarden). Auch in die gesonderte Knappschaftliche Rentenversicherung, die sich um Bergleute kümmert, fließen ungefähr 5,1 Milliarden Euro.

Heißt: Nur um die Rente zu stabilisieren muss jeder Deutsche vom Säugling bis zum Greis mehr als 1400 Euro pro Jahr alleine dafür bezahlen. Dabei sind die finanziellen Mittel in Deutschland sehr ungleich verteilt. Forbes schätzt etwa das Vermögen des reichsten Deutschen, des Logistikunternehmers Klaus Michael Kühne, auf 41,8 Milliarden Euro. Er könnte ein Drittel des Zuschusses begleichen, wenn er seinen gesamten Besitz veräußern würde.

Ein Überblick über einige Dinge, die man mit einer solchen Summe anfangen könnte:

Da ist es fast verständlich, dass die Bundesregierung versucht, die Rentenkosten im Haushalt zu drücken. Das ist laut Finanzministerium einer der Hauptgründe für die Einführung der Aktienrente. Bis diese einen Ertrag abwirft, wird es jedoch noch Jahre dauern. Schon jetzt kürzt die Ampel die Zuschüsse in den Jahren 2024 bis 2027 um 600 Millionen. Trotzdem ist im Haushalt 2024 erst einmal deutlich mehr Geld für Rentenbelange vorgesehen: Die Kosten steigen auf über 127 Milliarden Euro.

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