Leer Wegen der Nörgler: Asia-Restaurant reduziert Ausgabe von Gratis-Essen in Ostfriesland
Das Asia-Restaurant Fang setzt in Ostfriesland ein Zeichen gegen Lebensmittelverschwendung. Doch Reste zu verschenken kommt nicht bei jedem gut an. So reagiert das Restaurant.
Das Asia Restaurant Fang in Westrhauderfehn (Ostfriesland) macht seit letztem Jahr immer wieder Schlagzeilen zum Thema Lebensmittelverschwendung und Maßnahmen zur Vermeidung. Die Problematik ist, dass vollgefüllte Teller vom Buffet zu oft stehengelassen werden. Hinzu kommt, dass reservierte Tische gar nicht oder zu kurzfristig abgesagt werden.
In beiden Fällen landet dann zu viel Essen im Müll. Um das zu vermeiden, berechnet das Restaurant Strafgebühren. Und verschenkt nach Feierabend Essen vom Buffet. Das kommt nicht bei allen gut an.
Restaurantmanager Zi Ye vom Asia Restaurant Fang in Rhauderfehn bekommt viel positives Feedback für die Aktion, übriggebliebenes Essen vom Buffet nach Feierabend gratis auszugeben, statt es in die Tonne zu werfen. Regelmäßig kündigt Ye online bei Facebook an, wenn er etwas zu verschenken hat. Oft finden sich dankbare Abnehmer dafür.
Dafür gibt es hunderte Daumen hoch, Herzchen und lobende Kommentare auf der Online-Plattform, wie beispielsweise: „Menschlichkeit 1plus. Eine ganz tolle Idee, verschenken statt wegzuwerfen.“ und „Ist eine schöne Sache, denke, es gibt genug Menschen, die sich darüber freuen. Es wird schon genug weggeschmissen. Ein großes Lob an euch, dass ihr das nicht tut. Danke.“
Doch nicht allen schmeckt die Essen-Gratis-Aktion, berichtet der Restaurantmanager. „Wir wollen gerne Essen verschenken. Doch beim vorletzten Mal gab es viele negative Kommentare und Bewertungen bei Facebook. Deswegen verschenken wir jetzt weniger. Es gibt Leute, die das Missverstehen. Die kommen einfach so mit einer Tupperdose und wollen Gratisessen. Oder andere stehen zur falschen Zeit vor der Tür“, beschreibt Ye das Problem.
Einige kritisierten, dass das Essen erst spät am Abend ausgegeben werde und dass es nicht genug sei. Andere schlugen vor, man könne die Lebensmittel besser an Leute auf der Straße verteilen. Die Idee, Lebensmittel zu verschenken, statt sie zu entsorgen, sei gut, aber schwierig umzusetzen, stellt Ye fest. „Wenn ich das Essen wegschmeiße, dann habe ich Ruhe“, sagt Ye und erläutert: „Es gibt immer Leute, die was zu meckern haben. Wir verschenken auch, aber nur, was wir können.“
Der Restaurantmanager zieht Konsequenzen aus den negativen Kommentaren. In Zukunft werde das, was nach Restaurantschluss übrigbleibt, überwiegend nur noch an Stammkunden verschenkt. Die Lebensmittelretter-App „Too good to go“ sei für ihn keine Alternative, da dort unverkaufte Lebensmittel zu vergünstigten Preisen angeboten werden. Das sei bei Fang nicht gewollt.
„Mit dem Essen, was auf dem Buffet zu Feierabend übrigbleibt, wollen wir keinen Umsatz machen. Wir nehmen kein Geld dafür, auch wenn einige Kunden uns zwei oder drei Euro als Dankeschön geben möchten“, so Ye.
Auf die Nörgler reagiert Ye online mit Nachdruck: „Wenn es Ihnen nicht gefällt, machen Sie keine negativen Kommentare. Hier gibt es kein Marketing, geben Sie es einfach an diejenigen weiter, die es brauchen. Schönen Abend noch.“
Auch bei Gästen, die trotz Bitte, lieber nachzunehmen, anstatt zu viel aufzufüllen, werde nun durchgegriffen. Wer den Teller zu voll stehen lässt, zahlt mindestens fünf Euro extra. Das käme jedoch selten vor. Erst vergangene Woche sei ein älteres Paar zum ersten Mal bei Fang gewesen. Sie hätten sich viel aufgetan. Am Ende sei zu viel übrig geblieben. Ye habe aufgefordert, dafür extra zu zahlen. Das hätte das Paar abgelehnt. Nach Diskussion zahlte es schließlich.
„Sie haben zu mir gesagt, ‚Ich bin zum ersten Mal hier, ich muss alles probieren.‘ ‚Ja, das ist richtig‘, sagte ich, ‚aber nicht so viel verschwenden‘“, berichtete der Restaurantmanager. Er habe sie auf den lieber-Nachnehmen-Tischaufkleber hingewiesen, den hätten sie nicht lesen können, da die Schrift zu klein sei. Für das Benehmen des Paares hätten die Gäste der umliegenden Tische kein Verständnis gehabt.
Bei Fang sei man relativ großzügig zu den Kunden. Eine 100-Jährige, die mit ihrer Familie dort gewesen sei, habe ihr Essen gratis bekommen. Früher sei der Kunde König gewesen. Heute gelte das nicht mehr uneingeschränkt, sagt Ye: „Wenn der Kunde keinen Respekt hat, dann haben wir auch keinen mehr.“
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Grundsätzlich sei man aber in Rhauderfehn mit seinen Gästen zufrieden. Wer reserviert hat und nicht kann, sage rechtzeitig ab. Fälle, in denen Essen unterm Tisch heimlich in Tupperdosen abgefüllt wird, gebe es auch nicht mehr. Dass sich jemand beschwert, sei selten.
Eine Neuerung gibt es in diesem Jahr: Das Asia Restaurant macht nach zweijährigem Bestehen Urlaub. Vom 21. Mai bis einschließlich 24. Juni bleibt die Küche kalt. Das werde auch in den kommenden Jahren so beibehalten. Personalmangel und Minusgeschäft während der Sommermonate seien die Gründe dafür. Auf die Frage, was denn die Stammgäste dazu sagen, dass so lange geschlossen ist, antwortet Ye: „Sie sagen ‚Schönen Urlaub‘.“
Dieser Artikel erschien zuerst in der Ostfriesen-Zeitung in Leer.