Prozess wegen Körperverletzung Vater soll Kleinkind ins Gesicht geschlagen haben
Auf einem Spielplatz in Aurich sind einem Pflegevater die Nerven durchgegangen. Ein Zeuge behauptete, der Mann habe sein vierjähriges Kind ins Gesicht geschlagen. Nun stand der 53-Jährige vor Gericht.
Aurich - Ein Vater, der sein quengelndes Kleinkind in aller Öffentlichkeit ins Gesicht schlägt: Das geht gar nicht, sagte sich ein Auricher im vergangenen Jahr. Er hatte eine solche Szene auf dem Spielplatz der Finkenburgschule in Aurich beobachtet und bei der Polizei Anzeige erstattet. Infolgedessen fand sich der vermeintliche Schläger, ein 53-jähriger Auricher, am Mittwoch, 13. März 2024, auf der Anklagebank des Amtsgerichts Aurich wieder. Die Staatsanwaltschaft warf ihm Körperverletzung vor. Gegen einen Strafbefehl des Amtsgerichts hatte der Mann Widerspruch eingelegt. Daher wurde die Sache nun vor Gericht verhandelt.
Am 20. März 2023 suchte der Angeklagte mit seiner damals vier Jahre alten Pflegetochter besagten Spielplatz auf. Weil das im Kinderwagen sitzende Kind quengelte, drückte er es laut Anklageschrift mit der einen Hand in den Wagen und schlug ihm mit der anderen Hand, in der er eine Jacke hielt, mit Schwung ins Gesicht. Der Zeuge mischte sich ein und bekam vom Angeklagten zu hören: „Kümmere dich um deinen eigenen Scheiß, verpiss dich!“
„Sie hat gezickt und wollte nicht gehen“
Der Angeklagte bestritt, das Kind geschlagen zu haben. Er schilderte eine Situation, die bei ihm zu einer Überreaktion geführt habe: Das Pflegekind, das bereits als Säugling in die Familie gekommen sei, leide womöglich an Autismus, das werde gerade untersucht. Es erleide mitunter Anfälle, habe Probleme mit dem Gehör und sei schwer zu erreichen. Der Umgang mit dem Kind erfordere viel Fingerspitzengefühl.
Als er nach Hause gehen wollte, habe das Mädchen sich auf die Erde gesetzt und geschrien. „Sie hat gezickt und wollte nicht gehen“, sagte der Angeklagte. Er sei sehr aufgebracht gewesen. „So kannte ich mich nicht. Das ist nicht meine Art.“ Hat er die Pflegetochter geschlagen? „Vielleicht hat sie was von der Jacke abbekommen“, sagte der 53-Jährige. Geschlagen habe er die Vierjährige aber nicht, beteuerte er. „Ich habe noch nie einen Menschen geschlagen. Das liegt nicht in meiner Natur.“
„Familie ist für mich alles“
Dennoch habe er sich für seinen Ausbruch bei dem Kind entschuldigt, nachdem es sich beruhigt hatte. „Es tat mir so leid. Das war eine total bescheuerte Situation.“ Das Wortgefecht mit dem Zeugen räumte der Angeklagte ein. Er habe dem Mann gesagt, er solle sich „um seinen eigenen Scheiß kümmern“. Er habe nach diesem Vorfall einen Psychologen aufgesucht, um sein Verhalten aufzuarbeiten, erklärte der 53-Jährige. „Das hat mich auch gefestigt.“ Er betonte, wie wichtig ihm die Familie sei. „Familie ist für mich alles.“ Zur Familie gehören ein weiteres Pflegekind und ein eigenes Kind.
Richter Simon Breuker und der Staatsanwalt waren sich schnell einig, dass das Verhalten des Angeklagten nicht weiter strafrechtlich verfolgt werden müsse. „Der Angeklagte macht einen sehr positiven Eindruck“, sagte der Staatsanwalt. Der Zeuge musste nicht mehr aussagen. Mit Einverständnis des Angeklagten und des Verteidigers stellte das Gericht das Verfahren gegen Zahlung einer Geldauflage von 500 Euro vorläufig ein. Bis zum 30. Juni hat der Angeklagte nun Zeit zu zahlen. „Wenn Sie nicht bezahlen, sehen wir uns wieder“, sagte Breuker. Dann würde der Fall wieder aufgerollt.