Norder Klinikumwandlung  Kreis-Rettungsdienst ist stärker gefordert

Heino Hermanns
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Von Heino Hermanns
| 12.03.2024 19:56 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Rettungsdienst des Landkreises Aurich muss in den kommenden Jahren ausgebaut werden. Foto: Romuald Banik
Der Rettungsdienst des Landkreises Aurich muss in den kommenden Jahren ausgebaut werden. Foto: Romuald Banik
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Seit Sommer wird die Umwandlung des Norder Krankenhauses in ein Regionales Gesundheitszentrum betrieben. Das hat Folgen für den Rettungsdienst des Kreises.

Aurich/Norden - Im Sommer vorigen Jahres wurde die Umwandlung des Norder Krankenhauses in das Regionale Gesundheitszentrum Norden begonnen. Ein Schritt, der deutliche Auswirkungen auf den Rettungsdienst des Landkreises Aurich hat. Das erläuterte Marcel Schäfer, Geschäftsführer des Rettungsdienstes im Landkreis Aurich, am Dienstag im Betriebsausschuss „Rettungsdienst“.

So habe sich die Transportzeit der Fahrzeuge um 42 Prozent erhöht. „Das haben wir erwartet, die Umsetzung ist problemlos gelungen“, so Schäfer. Die sogenannte Hilfsfrist liege bei 95,2 Prozent. Im Bereich der Stadt Norden erreiche der Rettungsdienst sogar 96,2 Prozent. In Niedersachsen schreibt die Hilfsfrist vor, dass der Rettungsdienst in mindestens 95 Prozent aller Fälle innerhalb von 15 Minuten beim Patienten sein muss.

Vorrang für Notfallpatienten

Um das gewährleisten zu können, mussten drei neue Rettungsfahrzeuge bestellt werden. Auf diese Weise sei die Notfallversorgung sichergestellt. In Norden gebe es sogar drei Fahrzeuge, die rund um die Uhr in Bereitschaft seien. Vom Gutachter Dr. Holger Behrendt, Geschäftsführer der Forplan Dr. Schmiedel GmbH, seien nur zwei Fahrzeuge für Norden gefordert. Behrendt hatte sein Gutachten über den Rettungsdienst des Landkreises in derselben Sitzung vor Schäfer vorgestellt.

Deutlich wurde der Geschäftsführer des Rettungsdienstes bei der Bedeutung, die die Umwandlung der Norder Klinik für Notfallpatienten hat. „Notfallpatienten werden immer in die Notaufnahmen gebracht, sie haben immer Vorrang.“ Leichtere Verletzungen und Erkrankungen würden auch nach Norden gebracht. An anderen Standorten gebe es keine Probleme bei Notfallpatienten. Es habe seit dem 1. Juli auch keinerlei Beschwerden von Patienten gegeben.

Aktionsbündnis blieb der Sitzung fern

Im ersten Halbjahr 2023 sind laut Schäfer insgesamt 2475 Patienten vom Rettungsdienst ins Norder Krankenhaus gebracht worden, 997 wurden in andere Kliniken gefahren. Im zweiten Halbjahr, nach der Umwandlung, wurden 1215 Patienten ins Regionale Gesundheitszentrum gebracht, 2715 Patienten mussten zu anderen Klinken gefahren werden.

Die Rettungswache neben dem bisherigen Norder Krankenhaus soll in den nächsten Jahren neu gebaut werden. Foto: Aiko Recke
Die Rettungswache neben dem bisherigen Norder Krankenhaus soll in den nächsten Jahren neu gebaut werden. Foto: Aiko Recke

Schäfer bedauerte es ausdrücklich, dass zu der Sitzung kein Vertreter des Aktionsbündnisses zum Erhalt der Klinik gekommen sei, obwohl der Ausschuss extra in Norden tage. Die „populistischen Beiträge sorgen für Unmut, nicht für Lösungen“, sagte er.

Behrends: Versorgung in Norden jetzt besser als früher

Das Aktionsbündnis zum Erhalt des Norder Krankenhauses hatte im September dazu aufgerufen, Fälle von fehlerhafter Notfallbehandlung im Altkreis Norden zu melden. Eine Auflistung von Einzelfällen sei nicht sinnvoll, so Schäfer. Vor allem nicht angesichts von rund 30.000 Einsätzen des Rettungsdienstes im Jahr. Einsätze, bei denen es keine Beschwerden gegeben habe.

Kuno Behrends (SPD) lobte die Umwandlung. „Es gibt in Norden einige wenige, die Stimmung machen.“ Aber es sei alles gekommen wie geplant. Die medizinische Versorgung für die Norder sei jetzt sogar besser als vorher, sie könnten froh sein.

Mehr Notfalleinsätze bei alternder Gesellschaft

Die Hilfsfristen kann der Rettungsdienst in Zukunft nur mit mehr Fahrzeugen einhalten. Zu dem Schluss kommt das Gutachten von Dr. Holger Behrendt, Geschäftsführer der Forplan Dr. Schmiedel GmbH. Er stellte sein Gutachten am Dienstag im Ausschuss vor.

Die Alterszusammensetzung der Bevölkerung im Kreis werde sich bis zum Jahr 2042 deutlich ändern. Der Anteil der jüngeren Menschen bis 65 Jahre schrumpfe, der Anteil der Älteren wachse. Mit Folgen: In der Altersstufe zwischen 60 und 65 Jahren gebe es eine so genannte Einsatzfahrtrate bei Notfalleinsätzen von knapp 77. Ein Jahrzehnt später steigt dieser Wert es in der Altersstufe von 70 bis 75 Jahre bereits auf 97. Es wird daher mit einer stark wachsenden Zahl von Notfallfahrten und Krankentransportfahrten gerechnet. So gab es im Jahr 2022 noch 26.300 Notfallfahrten. Das wird bis 2042 um 36 Prozent auf dann 35.820 steigen. Für Kreis Aurich bedeutet das, dass mehr Rettungswagen angeschafft werden müssen und damit auch mehr Personal beschäftigt werden muss. Das Forplan-Gutachten geht von einem Mehrbedarf von über 18 Prozent aus.

Gutachten wird im Sommer fortgeschrieben

Der Mehrbedarf, der durch die Umwandlung des Norder Krankenhauses in ein Regionales Gesundheitszentrum entstanden ist, wurde vom Rettungsdienst bereits durch neue Fahrzeuge erfüllt. Ob das reicht, soll im Sommer mit einer Fortschreibung des jetzt vorgestellten Gutachtens geklärt werden. Darin wird auch das neue Angebot der Auricher Johanniter berücksichtigt, die seit Kurzem auch Krankentransporte durchführen und so zusammen mit anderen privaten Anbietern den Rettungsdienst des Landkreises entlasten. Laut Korwin Davids, Betriebsleiter des Kreis-Rettungsdienstes, können noch keine Aussagen darüber getroffen werden, was mit den Rettungswachen in Aurich und Emden passiere, wenn die Zentralklinik in Uthwerdum öffnet. „Das muss noch komplett begutachtet werden.“

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