Gnadenhochzeit Ihre Liebe wuchs anfangs langsam, aber sie blieb
Als Deutschland 1954 Fußballweltmeister wurde, waren Theda und Diedrich Janssen frisch verheiratet. 70 Jahre später sind sie noch immer glücklich.
Engerhafe - Auf siebzig gemeinsame glückliche Ehejahre schauen am heutigen Mittwoch Theda (94 Jahre) und Diedrich Janssen (92 Jahre) in Engerhafe zurück. Die Gnadenhochzeit ist ein besonderes Ereignis, das nur ganz wenigen Ehepaaren vergönnt ist.
Die beiden gaben sich am Sonnabend, 13. März 1954, in der Johannes-der-Täufer-Kirche in Engerhafe das Ja-Wort. Getraut hat sie der damalige Pastor Kuhnert. Die Hochzeitsfeier zu Hause mit den Eltern, Geschwistern, Tanten und Onkeln war mit den heutigen nicht zu vergleichen und fiel eher karg aus. „Ich hatte nichts, nicht einmal ein Paar Socken, als wir geheiratet haben“, bekennt sichtlich berührt Didi Janssen.
Kindheit war geprägt vom Krieg
Das Glück war für die beiden trotz der wirtschaftlichen Probleme vollkommen, als noch im gleichen Jahr Sohn Habbo geboren wurde. Sein Bruder Dieter erblickte acht Jahre später das Licht der Welt. Mit Stolz schauen die beiden auf ihre beiden Söhne und Schwiegertöchter sowie vier Enkelkinder und zwei Urenkelkinder.
„Didi und ich sind sehr, sehr dankbar, dass wir schon so lange beieinander sein dürfen. Wir haben eine wunderbare Familie, die zusammensteht und auf die wir uns verlassen können. Wir hoffen, dass wir alle weiterhin gesund in Ruhe und Frieden leben können“, sagt Theda Janssen. Wie ihr Didi musste sie als Kriegskind die schrecklichen Dinge des Zweiten Weltkriegs in vielen Facetten erlebten. Er habe Emden nach der Bombardierung in Schutt und Asche gesehen, erzählt Didi Janssen. Starke Eindrücke hat die Reichspogromnacht, die er in Emden miterlebte, bei ihm hinterlassen. Theda wohnte mit ihren Eltern in unmittelbarer Nähe des KZ Engerhafe. Auch sie habe bittere Erfahrungen als Kind gesammelt, sagt sie.
Ein schickes Kleid und erste Sympathie
Kennengelernt haben sich die beiden in Marienhafe. Die Liebe zueinander entfachte jedoch nicht gleich. Theda arbeitete mit mehreren anderen Frauen als gelernte Damenschneiderin bei Eke Harf in der Rosenstraße. Didi Janssen gegenüber in der Werkstatt seines Vaters als Mechaniker. Dort reparierte er Motorräder, Fahrräder und Autos. Sie sahen sich fast jeden Tag, doch der Funke sprang trotz einiger Neckereien von Didi erst später über.
Zu Weihnachten 1950 bekamen Theda und ihre Kolleginnen Stoff von ihrer Chefin geschenkt, um für sich Damenkleider anfertigen zu können. Als diese fertig waren, gingen sie, alle schick angezogen, zusammen zu „Thun“ in Moorhusen zum Tanzen. Dort war auch Didi, der Theda dann zum ersten Mal nach Hause brachte. Das war der Beginn einer großen Liebe, die bis heute gehalten hat.
Erste Jahre waren von Mangel geprägt
Drei Jahre nach der Hochzeit begannen sie, ein Haus zu bauen. Trotz der damaligen wirtschaftlichen Schwierigkeiten wuppten die beiden das Vorhaben und bezogen 1958 ihr gemeinsames Heim in Engerhafe im Dreiackerweg, wo sie noch heute wohnen.
Ihren ersten Küchenschrank, erzählen die beiden, kauften sie sich in Raten von 30 Mark beim Möbelhaus Fangmann in Aurich. Es war für sie eine harte Zeit. Zunächst gab es keine Kohlen, Briketts – da wurde auch der eine oder andere an der Straße liegende Holzpfahl zum Verbrennen mitgenommen.
Familie, Freunde und Nachbarn waren und sind wichtig
Nach und nach erging es ihnen wirtschaftlich zusehends besser, als Didi Janssen eine Arbeitsstelle bei den Nordseewerken in Emden antreten konnte. 30 Jahre lang war er dort bis zu seiner Rente tätig. Tag und Nacht musste er arbeiten, denn Frachter wurden zu Autofrachtern umgebaut. Er verdiente damals viel Geld, so Didi Janssen.
Gerne sind sie verreist. 17 Mal waren sie im hessischen Bad Orb, alleine oder mit Freunden und Bekannten. Inzwischen sind die meisten von ihnen jedoch verstorben. Seit jeher pflegen die Eheleute auch eine gute Nachbarschaft, was ihnen immer sehr wichtig war.
Den 70. Hochzeitstag feiert das Ehepaar Theda und Didi Janssen dann auch mit der Familie und Nachbarn.