Kreis Pinneberg  Mit dem Handy gefilmt: 12-Jähriger in Schleswig-Holstein von Gleichaltrigen verprügelt

Cornelia Sprenger
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Von Cornelia Sprenger
| 12.03.2024 12:14 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Polizei hat den Vorfall aufgenommen. Viel mehr tun kann sie jedoch nicht. Foto: Carsten Rehder
Die Polizei hat den Vorfall aufgenommen. Viel mehr tun kann sie jedoch nicht. Foto: Carsten Rehder
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Geschlagen, an den Haaren gezogen und gewürgt – ein 12-jähriger Junge ist offenbar in Uetersen (Landkreis Pinneberg) von einem Gleichaltrigen misshandelt worden. Vier weitere Kinder haben dabei zugesehen und die Tat gefilmt. Trotzdem kann die Polizei nicht viel machen.

Ein brutaler Fall von Gewalt unter Kindern erschüttert den Kreis Pinneberg. Wie die Polizei auf Nachfrage unserer Redaktion bestätigte, soll ein 12-Jähriger einen Gleichaltrigen im Umfeld der Rosenstadtschule in Uetersen gequält, beleidigt und gedemütigt haben. Die Tat hat sich demnach bereits am 14. Februar ereignet. Das perfide: Umstehende filmten die Tat und dieses Video kursiert jetzt offenbar unter Jugendlichen in der Region.

Die Bild-Zeitung hatte zuerst über den Fall berichtet und die verstörenden Bilder gezeigt: Auf dem Video ist ein 12-jähriger Junge zu sehen, der vor seinem gleichaltrigen Peiniger kniet. Er sei auf dem Heimweg von der Rosenschule von insgesamt fünf Kindern abgefangen worden. Der Täter habe ihn gefragt: „Hast du meine Mutter beleidigt?“. Und als sein Opfer das unter Zwang bejaht, ohrfeigt der andere Junge ihn, boxt ihm ins Gesicht, zieht ihn an den Haaren und zieht ihn nach oben.

Selbst als er um Verzeihung bittet, hat der Angreifer noch nicht genug und würgt ihn. Dann darf der Junge endlich gehen. Das Ganze nimmt mindestens ein weiteres Kind mit dem Handy auf, drei weitere Jungen und ein Mädchen stehen dabei, ohne einzugreifen.

Jens Zeidler von der Polizeipressestelle in Bad Segeberg sagt, dass sich der Fall an der Meßtorffstraße in Uetersen ereignet haben soll. Das Opfer habe in Begleitung eines Erziehungsberechtigten die Tat auf dem Polizeirevier geschildert, die Beteiligten wurden ermittelt. Ein Ermittlungsverfahren einleiten kann die Polizei jedoch nicht. Denn: Mit seinen 12 Jahren ist der Haupttäter, der in dem Video zu sehen ist, noch nicht strafmündig.

„Wir haben unsere Erkenntnisse an das Jugendamt des Kreises Pinneberg weitergeleitet“, erklärt Zeidler. Und weiter:

Auch Kreissprecherin Katja Wohlers erklärt, dass im Kreis Pinneberg in den vergangenen Jahren kein vergleichbarer Fall bekannt geworden sei.

Wohlers bestätigt gegenüber shz.de, dass das Jugendamt in diesem Fall aktiv ist. Das habe mehrere Gespräche mit den Beteiligten sowie den Einsatz von professionellen, pädagogisch geschulten Helfern umfasst. Grundsätzlich verhänge das Jugendamt jedoch keine Maßnahmen im Sinne von Sanktionen oder Strafverfolgung: „Die Aufgabe des Jugendamts besteht darin, junge Menschen und deren Familien mit pädagogischen und gegebenenfalls auch kinder- und jugendpsychologischen Angeboten zu unterstützen.“

Die Rosenstadtschule habe aus Sicht der Schulaufsicht umgehend und richtig reagiert, in dem sie die Polizei eingeschaltet und sofort für Angebote zur Unterstützung für den betroffenen Schüler gesorgt habe. Wohlers: „Es erfolgt eine Aufarbeitung im Netzwerk von Schule, Schulaufsicht und Jugendamt.“

Vor knapp einem Jahr hatte ein ähnlicher Fall in Heide (Kreis Dithmarschen) bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Vier Mädchen im Alter von 14 bis 17 Jahren hatten eine 13-Jährige gedemütigt und Videos davon im Netz verbreitet.

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