Volkstümliches Theater  Upgant-Schottjer Spaßtruppe liefert Pointen im Überfluss

Gerd-D. Gauger
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Von Gerd-D. Gauger
| 11.03.2024 18:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Mietertreff „ünner een Dack“: Saskia Barkhoff (von links), Kim Janssen, Volker Vienna, Ilona Barkhoff, Erika Beninga und Gerhard Dyhr. Fotos: Gerd-D. Gauger
Mietertreff „ünner een Dack“: Saskia Barkhoff (von links), Kim Janssen, Volker Vienna, Ilona Barkhoff, Erika Beninga und Gerhard Dyhr. Fotos: Gerd-D. Gauger
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Die Heimatbühne Schottjer Dreesche sorgt mit dem Stück „Acht ünner een Dack“ für Lachstürme. Dabei geht es um das Skurrile eines normalen Mieteralltags.

Upgant-Schott - Ein Mehrfamilienhaus kann ein Hort der Gemeinsamkeit und Geselligkeit sein, aber auch ein Pfuhl voller Gerüchte, Geschwätz und Gehässigkeit. Der uns allen bekannte Udo Jürgens hat einen solchen Brummelpott aus Intrigen und Intimitäten in seinem Sozialreport „Ein ehrenwertes Haus“ ausführlich besungen.

Ein Haus wie dieses steht zurzeit in Upgant-Schott, genaue Adresse: Schottjer Dreesche, Ellernhus. Bis Ende März ist es zu besichtigen, doch Nachzügler haben keine Chance – die Hausverwaltung meldete längst „ausverkauft“! Im Haus der Theatergruppe „Um Dreih“ des Heimatvereins Schottjer Dreesche geht es zwar nicht so liederlich zu wie im Jürgens-Klassiker, doch die Fundamente wackeln erheblich. Der Grund sind Lachstürme, hervorgerufen durch Bewohner, die mit ihren Mätzchen und Marotten das Ebenbild von Leuten wie Sie und ich sind.

„Acht ünner een Dack“, so der Titel des zum Plattdeutschen konvertierten Dreiakters aus der Feder der Schwäbin Erika Elisa Karg, schildert das wahre Leben mit der Erkenntnis, dass in jedem von uns auf die eine oder andere Weise ein Unikum steckt.

Spaßvogel-Trupp liefert Komödie zum Kugeln

Der Spaßvogel-Trupp um Bühnenleiterin Ilona Barkhoff hat es nicht mit einem Drehbuch mit durchgehendem Faden zu tun. Der Zuschauer erlebt einen ganz normalen Tag unter einem ganz normalen Dach, und das bedeutet, dass das Normale, näher betrachtet, nichts anderes ist als eine Komödie. Zum Kugeln!

Und wenn man es dann noch mit einem Ensemble zu tun hat, das unbekümmert durch alle Tiefen und Untiefen des Humors steuert, die Klippen, vor denen das Witzfahrwasser gar zu flach wird, voller Lust und Laune umschifft, dann hat man einen Theaterabend, der Alltagsprobleme vergessen lässt. Acht Akteure, acht Hauptrollen, acht Possenreißer à la carte, Pointen im Überfluss – was will man mehr? Die Schottjer erteilen der Trübsal auf fulminante Weise eine Absage. Ein dickes „Kumpelment“ für sie!

Mistkerl oder Mutter Teresa

Jedes Mehrparteienhaus hat auch einen Hausmeister. Der ist, wie erfahrene Mieter wissen, entweder ein Mistkerl oder Mutter Teresa. Der in diesem Haus ist ein Mix aus beiden, ein wahrer „Lübbo Patent“, der mit jeder Schraube per Du ist und wenn es sein muss, auch als Seelenklempner tätig wird. Volker Vienna spielt ihn brillant mit trockenem Humor und mit „een Knippoog“, ganz gleich, ob in lang Unnerbüx oder im Blaumann. Und so ein Haus wird natürlich auch von den unvermeidlichen Tratsch- und Klatschbasen bevölkert. Umwerfend und in Topform wie schon viele Male vorher Ilona Barkhoff und Erika Beninga als „Schladdertanten“, die jedem Gerücht hinterherjagen oder selbst eins in die Welt setzen. Echte Knallerfrauen auch Kim Janssen und Saskia Barkhoff als sehr um des Hausmeisters Wohl besorgte Mieterinnen. Spielerinnen wie sie sind für alle möglichen Rollen einsetzbar, und gerade das macht die Stärke nicht nur der Schottjer, sondern die aller hiesigen Heimatbühnen aus. In diese Kategorie fällt auch Imko Harms, der dem Klischee des gelegenheitsarbeitenden Studiosus ein amüsantes Profil verleiht.

Pralle Lebensfreude

Und dann sind da noch zwei, die schon seit Langem Pfeffer über das Gaudimenü der Schottjer streuen: Alfred Janssen und Gerhard Dyhr. Auswanderungswilliger Schachspieler der eine, von seiner Frau geschurigelter Getränksmann der andere. Zwei Käuze, die mit gewollten oder ungewollten Pointen nur so um sich werfen, „dat man so huult un brummt“.

Das passt zum Gesamtbild dieses kollektiven Spaßstakkatos eines Ensembles, zu dem auch Topusterin Anne Schüler gehört und das dem Publikum zwei Stunden lang pralle Lebensfreude vermittelt.

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