Berlin  Atomminister Jens Spahn: Der wichtigste Mann im CDU-„Krisenkabinett“

Tobias Schmidt
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Von Tobias Schmidt
| 09.03.2024 12:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Weder CDU-Chef Friedrich Merz noch NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst stehen auf der Liste des „Krisenkabinetts“. Ex-Gesundheitsminister Jens Spahn soll Atomminister werden. Foto: IMAGO/Political-Moments
Weder CDU-Chef Friedrich Merz noch NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst stehen auf der Liste des „Krisenkabinetts“. Ex-Gesundheitsminister Jens Spahn soll Atomminister werden. Foto: IMAGO/Political-Moments
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Es ist ja nicht neu, dass der Ampel-Regierung das Wasser bis zum Hals steht. Und so wundert es wenig, dass sich CDU und CSU auf den Untergang von Rot-Grün-Gelb vorbereiten. Tatsächlich soll es schon Namen für ein „Krisenkabinett“ geben, in dem Unions-Leute die Ministerposten von FDP und Grünen übernehmen. Oder ist das nur eine Finte von Olaf Scholz?

„Mögliches Krisenkabinett: Der geheime Plan der Union“ titelten die Kollegen von „t-online“ vor wenigen Tagen. In dem Szenario werden die Konservativen „mit den Sozialdemokraten eine Koalition bilden und damit alle Ministerien übernehmen, die aktuell von Grünen und Liberalen geführt werden“. Olaf Scholz muss also Kanzler bleiben.

Interessant ist weniger die Frage, ob das Szenario realistisch ist (100 Prozent!). Pikant sind die Namen, die auf der „kompletten Liste der möglichen Unionsminister“ stehen, oder eben nicht stehen. So geht der höchste zu vergebende Posten von Vizekanzler und Wirtschaftsminister Robert Habeck nicht an CDU-Chef Friedrich Merz!

Liegt es daran, dass Merz eine „Mimose mit Glaskinn“ ist, wie der Kanzler kürzlich behauptete? Oder ein „Frauenschreck“, wie der „Stern“ angesichts Merz‘ dürftiger Beliebtheit bei weiblichen Wählern schrieb? Das würde ja bei der Habeck-Nachfolge besonders schwer ins Gewicht fallen. Sei‘s drum, der Posten geht jedenfalls an Ex-Corona-Minister Jens Spahn.

Noch offen ist, ob Spahn, der energisch für ein AKW-Revival wirbt, zusätzlich den Titel „Atomminister“ bekommt. Wie an diesem Montag aus gut unterrichteten Quellen verlautete, suchen seine Leute schon nach Möbeln, man tendiere zu „grünem Samt“.

Auch der zweithöchste zu vergebende Posten geht nicht an Merz. Neuer Kassenwart der Nation und damit Nachfolger von FDP-Chef Christian Lindner wird... Alexander Dobrindt. Genau, der CSU-Mann, der als Verkehrsminister die Ausländer-Maut ausgeheckt, deren Versenkung allerdings seinem Nachfolger Andreas Scheuer überlassen hatte.

Dass Merz auch nicht Finanzminister werden will, ist verständlich. Als Sparhansel in der Wirtschaftskrise lässt sich die eigene Beliebtheit nicht steigern, weder bei Männern noch bei Frauen.

Vielleicht dann die Nachfolge von Annalena Baerbock? Nein, auch das Außenamt strebt der CDU-Chef nicht an. Das übernimmt Johann Wadephul. Das ist der CDU-Außenpolitiker, der - wie Olaf Scholz - lange gegen Taurus-Lieferungen an die Ukraine war, seit Neuestem aber für den Unionsantrag wirbt, Taurus an die Ukraine zu liefern.

Es wird, das ist wohl klar, nicht gleich alles besser, schneller und konfliktloser, wenn die Unions-Leute von Habeck, Lindner und Baerbock übernehmen. Ist es vielleicht die Absicht hinter der bizarren Krisenkabinetts-Liste, genau diese Erkenntnis zu vermitteln? Kommt die Liste dann vielleicht gar nicht von der Union, sondern aus dem Kanzleramt? Wir werden Olaf Scholz bei nächster Gelegenheit fragen.

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