Chor in der Krise Marienhafer Shanty-Sänger in schwerer See
Der Vorsitzende des Störtebeker-Shanty-Chors legte sein Amt nieder und trat aus. Das vermieste die Winterpause. Einer neuen Führungscrew soll jetzt der Neustart gelingen.
Brookmerland - Von Winterpause konnte nicht die Rede sein. Schon gar nicht von einer Erholungspause. Der Störtebeker-Shanty-Chor hat bewegende Monate hinter sich. Die Stimmung in den Reihen der Sänger war angespannt und ist es zum Teil immer noch. Grund ist der Rücktritt des bisherigen Vorsitzenden.
Der im November 1994 gegründete Chor startet mit einer komplett neuen und verkleinerten Führungsmannschaft in das 30. Jahr seines Bestehens. In der Jahresversammlung Mitte Februar in Osteel wurde der Vorstand neu gewählt und von bisher sieben auf vier Mitglieder reduziert. Er besteht jetzt aus Frank Arndt (1. Vorsitzender), Oliver Sontag (2. Vorsitzender und Schatzmeister), Josef Meyer (Schriftführer) und Kurt Sanders (stellvertretender Schriftführer). Geplant sei, weitere beratende Mitglieder zu berufen, teilte Sontag auf Anfrage mit.
Rück- und Austritt
Auslöser für den personellen Umbruch beim Störtebeker-Shanty-Chor war demnach der Rückzug des bisherigen Vorsitzenden Klaus Schmerse. Der trat im Dezember für viele überraschend nicht nur von seinem Amt zurück, sondern auch gleich aus dem Chorverein aus. Er sei mit „der Politik“ im Chor nicht mehr einverstanden gewesen, sagte Schmerse, der zwei Jahre lang an der Spitze des Störtebeker-Shanty-Chors gestanden hatte. Da laufe einiges falsch. „Ich habe keine Lust mehr, mich damit auseinanderzusetzen“, sagte Schmerse den ON. Das verderbe ihm die Lust am Singen. Gemeinsam mit einigen anderen werde er künftig als „Wirtshaussänger“ auftreten, kündigte Schmerse an.
Sontag wirft Schmerse „Alleingänge“ vor. Ohne Absprache mit dem Restvorstand habe dieser agiert und beispielsweise das „Wirtshaussingen“ des Hotels Zur Waage in Marienhafe organisiert. Das sei zwar ein Erfolg gewesen, Schmerse aber hätte sich mit dem Chor abstimmen und nicht eigenmächtig mit ein paar neuen Sängern dort auftreten sollen, so Sontag.
Außerdem habe es weitere „Unstimmigkeiten und Ungereimtheiten“ gegeben, sagte der zweite Chorchef, ohne allerdings Einzelheiten zu nennen. Einiges sei bis heute nicht geklärt. So sei die Internetseite des Chores, die derzeit neu aufgebaut werde, plötzlich „zerschossen“ gewesen und hätten Funkmikrofone, ein Verstärker, Notenständer und Liederbücher gefehlt. Vieles davon sei bislang nicht wieder aufgetaucht. Von seinem ursprünglichen Plan, Strafanzeige gegen unbekannt zu erstatten, ist der Vorstand abgerückt. Das sei bei einem Treffen am Mittwoch beschlossen worden, so Sontag. „Wir lassen es auf sich beruhen“, sagte er. Zuvor hatte Schmerse sich an die Polizei gewandt und Sontag in einem Brief eindringlich vor Verleumdung und falschen Verdächtigungen gewarnt.
Zweite schwere Krise nach 2016
Im Störtebeker-Shanty-Chor hatte es in der Vergangenheit immer wieder mal rumort. Die letzte große Krise war 2016. Damals stellten Vorstandsmitglieder ihre Ämter zur Verfügung. Unter ihnen Hermann Schipper, der den Chor 17 Jahre lang geführt hatte, Kassenwart Hermann Ulferts und Schriftführer Wolfgang Jochens. Grund waren auch damals vereinsinterne Querelen. Nach stürmischen Wochen übernahm damals Franz Dankau den Vorsitz.
„Mit frischem Wind in den Segeln wird der Störtebeker-Shanty-Chor sein maritimes und heimatliches Liedgut erneut vielen Gästen zu Gehör bringen können“, teilte damals Gerd Wittmann mit, der jetzt musikalischer Leiter des Chores ist und diesen gemeinsam mit Andreas Gerdes instrumental begleitet.
Frischer Wind soll auch jetzt wieder wehen. „Schwamm drüber. Das Thema ist durch“, sagte Sontag. „Wir gucken nach vorne.“ Mit der neuen Führungsmannschaft solle ein Neustart gelingen. Für den Sommer seien bereits einige Auftritte in Planung und ab sofort probe der Chor wieder donnerstags ab 19 Uhr in der Gaststätte Köster in Osteel. Neue Sänger sowie Instrumentalisten sind willkommen.