Badesee Tannenhausen Politik will Angebot erhalten – strittig ist, wie
Ein privater Investor hat sich als Betreiber für den Badesee Tannenhausen angeboten. Die Auricher Stadtpolitik ist sich nicht einig – und gründet einen Arbeitskreis.
Aurich - Radikal ist der Vorschlag, den AWG-Fraktionsvorsitzender Richard Rokicki macht. Er schlägt vor, den Badesee Tannenhausen samt Gebäuden und dem Parkplatz an einen privaten Betreiber zu verkaufen. Das habe nur Vorteile für die Stadt, weil der Haushalt massiv entlastet würde. Gebäude müssten nicht mehr renoviert, der Parkplatz nicht mehr saubergehalten werden. Auch die Mitarbeiter des Ordnungsamtes müssten nicht mehr nach Tannenhausen fahren, um Parkscheine zu kontrollieren.
Natürlich müsste ein privater Investor seine Kosten auch wieder einspielen, so Rokicki auf Anfrage dieser Zeitung. Er glaubt aber nicht, dass die Preise für die Nutzung des Badesees zu hoch sein würden. Denn ein privater Betreiber hätte auch Interesse daran, dass so viele Gäste wie möglich kommen. „Es würde tragbar und erträglich sein.“ Schließlich habe der Investor dann ein Komplettpaket, mit dem er wirtschaften könne.
Die Sicherheit der Schwimmer, davon ist Rokicki überzeugt, wäre auch bei einem privaten Betreiber gewährleistet.
FDP: „Wollen keinen Freizeitpark für solventes Publikum“
Auch bei der FDP ist man nicht abgeneigt, den Betrieb des Badesees in private Hände zu geben. Northbound habe einen sehr erfolgreichen Betrieb aufgebaut und so den Wert des Sees gesteigert, sagt Fraktionsvorsitzende Sarah Buss. „Wir glauben, dass sich die Stadt Aurich insgesamt zu viele Schuhe anzieht.“ Daher begrüße die FDP-Fraktion ausdrücklich die Initiative aus den Reihen der privaten Betreiber. Dennoch müssten die sozialen Faktoren bedacht werden. „Es ist nicht unser Ziel, einen Freizeitpark zu bekommen, der nur solventem Publikum zugänglich ist“, so Buss. Das werde aber auch nicht das Ziel von Northbound sein.
Hintergrund der Anfrage ist, dass die Stadtverwaltung den Badesee künftig nur als Badestelle, nicht mehr als Naturbad, einstufen möchte. Denn nur dann muss keine Badeaufsicht mehr vorgehalten werden. Bei einer Badestelle aber müsste auf Angebote wie die Wasserrutsche, Tretboote oder kostenlose Duschen verzichtet werden. Deswegen hatte Julian Berg, einer der Geschäftsführer der Northbound Wakeboardanlage, den Vorschlag gemacht, den Betrieb des Badesees von der Stadt zu übernehmen.
SPD verweist auf Tourismuskonzept
Im Wirtschaftsausschuss der Stadt hatte Bürgermeister Horst Feddermann den Vorschlag der Abstufung des Sees eingebracht. Denn wegen der fehlenden Badeaufsicht in der Zeit von 6 Uhr bis 22 Uhr sei er persönlich haftbar, falls es zu einem Unfall komme. Dennoch konnte sich die Politik nicht zu einem Beschluss durchringen. Vielmehr wurde in nicht öffentlicher Sitzung verabredet, einen Arbeitskreis zu gründen. Dieser soll sich mit der Weiterentwicklung des Sees befassen. Das bestätigt CDU-Fraktionschef Arnold Gossel auf Anfrage. Eine Diskussion über einen privaten Betreiber habe es bislang auch noch nicht gegeben. Gossel ist auch skeptisch: „Eine komplette Abgabe des Sees kann ich mir im Moment nicht vorstellen.“
SPD-Fraktionsvorsitzende Ingeborg Hartmann-Seibt verweist auf das gerade erstellte Tourismuskonzept für Tannenhausen. „Ich denke, dass es nicht passt, nun von Seiten der Stadt den Betrieb am Badesee zurückzufahren.“ Das müsse aber noch von der Fraktion wie auch vom Ortsrat Georgsfeld/Tannenhauen diskutiert werden.
Grüne wollen keinen privaten Betreiber
Eine ganz klare Antwort hat Grünen-Fraktionschefin Gila Altmann auf die Frage, was sie von einem privaten Betreiber hält: „Nichts.“ Denn so könne man mit kommunalen Liegenschaften nicht umgehen. Mit der Einstufung als Badestelle würde sich eine Qualitätsveränderung ergeben am Badesee. Der Streitpunkt sei, dass es bei einer Privatisierung wahrscheinlich Zugang zum See nur gegen Eintrittsgeld geben würde. Das wäre schon problematisch, weil dann alles eingezäunt werden müsste. Altmann sieht aber auch die Notwendigkeit, Kosten einzusparen. Zum Hintergrund: Im Haushaltsplan 2024 wird das Defizit mit 328.000 Euro angegeben. Weitere 100.000 Euro kämen hinzu, wenn die Badeaufsicht tatsächlich ganzjährig von 6 Uhr bis 22 Uhr gewährleistet werden müsste. Gila Altmann kann sich daher vorstellen, dass es nicht mehr alles gratis gibt am Badesee. „Duschen und Umkleiden kosten in jedem Strandbad Geld.“ Es gebe sicher noch mehr Dienstleistungen, die man „finanziell bewerten könnte“. Wer diese Dienstleistungen nicht in Anspruch nehme, müsse auch künftig nichts für den Besuch am Badesee zahlen.
Ganz oben auf der Prioritätenliste stehe aber die Familienfreundlichkeit. Daher sei es gut, dass das Thema in den Fraktionen eine Ehrenrunde drehe. So könnten alle überlegen, wie das Defizit verringert werden könnte.
Linke fordern „Ende der Kommerzialisierung“
Die Abstufung zu einer Badestelle kann sich hingegen die Linksfraktion gut vorstellen. Das sagt Reinhard Warmulla, stellvertretender Fraktionsvorsitzender, auf Anfrage. „Die Fraktion besteht darauf, dass Angebote wie Tretbootverleih, von Fahrrädern, Stand-up-Paddel-Boards und Strandkörben wie bisher von der Stadt weiterbetrieben werden.“ Denn diese Nutzungen würden einem Betrieb als Badestelle nicht entgegenstehen. Eine weitere Kommerzialisierung des Badesees lehnt die Linke ab. Zwar habe man der Einrichtung des Aquaparks mitgetragen. Weiter aber dürfe sich „der kommerzielle Betrieb nicht in den städtischen Bereich das Badestrandes hineinfressen“. Unbedingt müsse die Öffentlichkeit einbezogen werden in die weitere Entwicklung des Badesees, so, wie es auch beim Tourismuskonzept geschehen sei. Die angebotene private Übernahme des Sees hätte nach einer Übergangszeit zur Folge, dass alle Angebote teuer bezahlt werden müssten und natürlich ein Eintrittsgeld erhoben werden würde, so Warmulla. Das jährliche Defizit der Stadt sei bei einem solchen hervorragenden und touristischen Angebot aus Sicht der Linken durchaus vertretbar.
Gegen ein Eintrittsgeld für den See spricht sich auch Volker Rudolph (GAP) aus. Jugendliche und Bürger mit geringem Einkommen dürften beim Besuch dieser Freizeiteinrichtung nicht belastet werden. Lediglich die Erhebung von Parkgebühren sei angemessen, da viele Badegäste auch mit dem Fahrrad anreisen würden.
Die Zukunft des Badesees bleibt daher bis auf Weiteres offen. Vor einer Entscheidung zur Abstufung muss nun zunächst der neue Arbeitskreis tagen. Am Badesee weht derweil die rote Fahne: Schwimmen ist verboten. Wie lange das so bleibt, ist offen.
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