Geplantes Treffen Moordorfer Saalbetreiber distanziert sich von AfD
Gerhard Schoon fühlt sich von Veranstaltern eines geplanten Treffens unter AfD-Beteiligung getäuscht. Sie hätten seinen Veranstaltungsraum „Arche“ unter einem Vorwand angemietet. Das ist die Konsequenz.
Südbrookmerland - Eine Einladung zu einer „Informationsveranstaltung“ unter Beteiligung der AfD hat in Südbrookmerland und darüber hinaus ordentlich Wellen geschlagen. Jetzt hat sich der Vermieter des Veranstaltungsraumes zu Wort gemeldet, in dem das Treffen stattfinden sollte. Er fühlt sich vom mutmaßlichen Veranstalter getäuscht und von der Öffentlichkeit in ein falsches Licht gerückt.
Schoon: Erst durch Berichte von Plänen erfahren
Mit Politik, so sagt der Moordorfer Gerhard Schoon, hat er nicht viel am Hut. Er sei ein Mann des Volkes. Und so lasse er sich auch nicht in eine Ecke drängen, in die er nicht hineingehöre. Ganz konkret meint er die sogenannte rechte Ecke. Das in seinem Veranstaltungsraum „Arche“, im Bereich Ringstraße/Am Kiefmoor in Moordorf ein Treffen unter Beteiligung der AfD stattfinden sollte, erfuhr er nach eigenen Angaben erst durch Aufrufe zu Gegendemonstrationen und die darauffolgende Berichterstattung. Wie berichtet, kursiert seit einigen Tagen ein Einladungsschreiben. Aus dem Schreiben, das offenbar an verschiedene Haushalte verteilt und weiterverbreitet wurde, geht hervor, dass AfD-Kreisverbandsvorsitzende Anja Arndt und weitere Mitglieder des Vorstandes bei dem für den 13. März angesetzten Treffen in der „Arche“ dabei sein sollen. Anlass für das Treffen sei, „dass viele meiner Freunde und Bekannten mit der Politik der jetzigen Regierung unzufrieden sind“. Und weiter heißt es: „Die Berichterstattung der Medien, auch hier in Ostfriesland, und die Hetze gegen die AfD hat bei mir zum Entschluss geführt, Euch einfach mal bürgernah über die AfD zu informieren und Euch die Möglichkeit zu geben, sich kritisch mit der politischen Situation auseinander zu setzen“, heißt es weiter in dem Schreiben, das mit den Namen Bernhard Janßen und Anja Arndt unterschrieben ist.
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Laut Gerhard Schoon wurde der Raum bei ihm aber nicht für eine solche Veranstaltung, sondern für eine Geburtstagsfeier gebucht. Mit der AfD und rechtsextremen Tendenzen habe er nichts zu tun, wie er im Gespräch mit unserer Redaktion mehrfach betont. Nachdem er von den Plänen hörte, habe er dem Veranstalter umgehend abgesagt.
Schoon: Familie wurde bedroht
In der Vergangenheit war Schoon nach einschlägigen Beiträgen auf seiner Facebookseite „Bauer Lustig“ bereits Ausländerfeindlichkeit unterstellt worden. Er hatte einen Videobeitrag geteilt, in dem feiernde Jugendliche zu sehen waren, die „Ausländer raus“ skandierten. Auch fanden sich zuletzt immer wieder Beiträge, die der AfD zuzuordnen sind. Er habe diese geteilt, um darauf aufmerksam zu machen, „wie weit es schon gekommen ist“. Nach Bekanntwerden der AfD-Pläne in seiner „Arche“ habe er eine Reihe von Beiträgen auf seiner Seite gelöscht. Schoon betont, dass der Name seines Veranstaltungsraumes Programm sei: „Bei mir ist jeder willkommen, ganz egal welche Nationalität“, sagt er. In der Vergangenheit habe es beispielsweise schon Feiern von Familien muslimischer Herkunft bei ihm gegeben. „Würde ich die hier reinlassen, wenn ich ein Problem mit Ausländern hätte?“
Schoon hofft, dass sich die Sache durch seine Klarstellungen nun erledigt hat. Die vergangenen Tage seien für ihn nicht einfach gewesen. So wirke sich der Wirbel auf seine Gesundheit aus. Auch seien er und seine Familie nach Bekanntwerden der Pläne für das Treffen bedroht worden.
Kreis verbietet Nutzung für Veranstaltungen
Unabhängig von dem geplanten Treffen unter AfD-Beteiligung scheint die Zukunft seiner „Arche“ aber ungewiss. Wie ein Sprecher des Landkreises unserer Redaktion am Mittwoch mitteilte, hat die Behörde Schoon mündlich die Nutzung der Räumlichkeiten für Veranstaltungen untersagt. Vorangegangen war ein Ortstermin. Nach Informationen dieser Zeitung geht dies jedoch auf eine Anfrage der Gemeinde Südbrookmerland zurück, die bereits Mitte Februar gestellt worden war. Gründe für die Entscheidung nennt der Landkreis nicht. Weil aber das kreiseigene Bauamt die Nutzung untersagt hat, liegt nahe, dass es um besondere Bauvorschriften geht, die bei der Nutzung derartiger Räumlichkeiten für Veranstaltungen gelten.
Und wie geht es mit dem umstrittenen Treffen weiter? Nach Schoons Absage müssen sich die Veranstalter nun neue Räumlichkeiten suchen. Es ist im Ort jedoch auch zu hören, dass diese möglicherweise auf ein Zelt ausweichen könnten. Der Mann, dessen Telefonnummer als Kontakt in dem genannten Einladungsschreiben genannt ist, war am Mittwoch trotz mehrerer Versuche für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Fraglich ist, wie die Organisatoren einer Gegendemonstration mit der ganzen Sache umgehen. Die wollten sich, wie berichtet, auf dem Moordorfer Marktplatz treffen und von dort in einem Demonstrationszug in Richtung „Arche“ laufen, um gegen die AfD zu protestieren. Verantwortliche des CSD Aurich hatten zudem zu einer Menschenkette aufgerufen, die sich vom Moordorfer Edeka-Markt bis zur „Arche“ erstrecken sollte. „Die dürfen gerne alle kommen“, sagt Gerhard Schoon, der keinerlei Groll gegen die Demonstranten zu hegen scheint. Er wäre auch bereit, mit ihnen zu sprechen, wenn dies gewünscht sei. Auch Getränke stünden bereit.