Alternative vorgeschlagen Unternehmer will Badesee Tannenhausen privat betreiben
Die Stadt Aurich will am Badesee Tannenhausen Attraktionen abbauen, um die Kosten klein zu halten. Ein Unternehmer macht nun ein Alternativangebot.
Aurich - Eine Privatisierung des Badesees Tannenhausen ist ein Szenario, das seit Dienstag nicht mehr unwahrscheinlich ist. Bedeuten würde dies, dass sowohl der See als auch der Parkplatz von einem privaten Betreiber übernommen würden. Die Stadt Aurich wäre dann raus. Ein Vorschlag, der von Julian Berg, einer der drei Geschäftsführer der Northbound Wakeboardanlage, gemacht wurde. Er könne sich vorstellen, gemeinsam mit Angelo Kanzler (Strandcafé) den Badesee zu betreiben.
Der Hintergrund dieser Idee ist die von der Stadtverwaltung beabsichtigte offizielle Herabstufung des Badesees von einem Naturbad zu einer Badestelle. Für eine solche würde weniger oder keine Aufsicht benötigt. Bei einem Naturbad aber, das rechtlich als Freibad gilt, müssen in der Zeit von 6 Uhr bis 22 Uhr Rettungsschwimmer anwesend sein – auch schon jetzt im März. Passiert etwas, und es sind keine Rettungsschwimmer vor Ort, wäre Bürgermeister Horst Feddermann persönlich haftbar. Das erklärte er am Dienstag im Wirtschaftsausschuss der Stadt.
Strukturen wurden in goldenen Zeiten geschaffen
Das Problem: Um als Badestelle zu gelten, müssen alle Angebote weichen, die gefährlich sein könnten. Das betrifft die Wasserrutsche. Das betrifft aber auch die Steganlage samt der Tretboote sowie den Verleih von Fahrrädern und Stand-up-Paddle-Boards. Julian Berg drückt das auf Anfrage etwas anders aus: „Alles, was Spaß mach, kommt dann weg.“
Er hat ein Problem damit, dass die Stadt Aurich das Angebot am Badesee einstampfen will. Es sei natürlich richtig, dass die Strukturen am Badesee in einer Zeit geschaffen worden sind, in der Aurich viel Geld zur Verfügung hatte. Jetzt sei die Lage eine andere, nun müsse gespart werden. Das Defizit des Badesees beträgt laut Haushalt der Stadt jährlich 328.000 Euro. „Aber das hat natürlich Konsequenzen für alle Akteure am See“, sagt Berg.
Stadt zieht sich zurück – und will kassieren
Berg erinnert daran, dass 2016 verabredet worden sei, den Badesee weiterzuentwickeln. Es sei abgemacht gewesen, die Saison zu verlängern. Das sei mit Northbound gelungen. Mittlerweile herrsche am Badesee von März bis Oktober Betrieb. „Jetzt passiert aber genau das Gegenteil.“ Gestrichen werden sollen nicht nur die Kinderrutsche und Tretboote. Auch Angebote wie das kostenlose warme Duschen solle es künftig nicht mehr geben.
Damit aber werde das Gesamtpaket „Badesee“ kaputtgemacht. „Es gibt drei Hauptakteure am Badesee Tannenhausen“, sagt Berg. Neben der Wakeboardanlage seien das Angelo Kanzler mit seinem Café und die Stadt Aurich. Jetzt ziehe einer der Akteure sich zurück, wolle aber weiter die Parkgebühren kassieren und die Duschen kostenpflichtig machen. „So werden die anderen beiden Akteure das Angebot nicht halten können.“
Konzentration auf Hauptsaison
Schon die Einführung der Parkgebühren haben dazu geführt, dass es in der Nebensaison weniger Besucher am See gebe. Die neuen Maßnahmen werden das aus Sicht von Berg noch verstärken. Dann kämen nur noch in der Hauptsaison bei Sonnenschein Besucher. Im Rest des Jahres wäre nichts mehr los am See. Berg nennt das eine Kommerzialisierung, weil sowohl Northbound als auch das Café dann alles daran setzen müssten, die notwendigen Umsätze binnen eines kurzen Zeitraumes zu erwirtschaften.
Eine einfache Lösung aus dem Dilemma kennt auch Berg nicht. „Einen gemeinsamen Tod müssen wir sterben.“ Das heißt, dass entweder das jetzige Angebot gehalten werden könnte – dann müsste es aber Geld kosten. Oder man stellt am Badesee alles ein – dann wäre aber vieles von dem, was in den vergangenen Jahren aufgebaut worden ist, verloren.
Besucher haben sich an Luxus gewöhnt
Eintrittsgelder sind immer wieder diskutiert worden im Auricher Rat. Es gab dafür aber nie eine Mehrheit. Berg greift das Thema wieder auf. „Wir wollten den See gemeinsam entwickeln. Wenn einer geht, dann soll er die Strukturen abgeben an die übrigen beiden.“ Das müsse aber mit allen Beteiligten diskutiert werden, da es viele verschiedene Ansichten zur künftigen Entwicklung des Sees gebe.
Die Besucher hätten sich am Badesee Tannenhausen an einen kostenlosen Luxus gewöhnt, den es in vergleichbaren Strandbädern deutschlandweit nicht geben würde. „Jedes Angebot mit solchen Strukturen muss seine Kosten auch wieder reinspielen.“ Dafür gebe es verschiedene Möglichkeiten: Eintrittsgelder, einen Mindestverzehr oder eine Rückerstattung der Parkgebühren über die Gastronomie. Treffen würde es dann die Gäste, die ihren eigenen Grill und eigene Getränke mitbrächte, kostenlos schwimmen und ihren Müll hinterlassen würden. „Dafür wäre ein Eintritt von einem Euro gerechtfertigt.“
Politik vertagt Entscheidung
Anlass für die ganze Diskussion waren die Kosten für die Rettungsschwimmer. Seit die Stadt Aurich durch das Gutachten über den Badesee weiß, dass es sich um ein Naturbad handelt, muss sie den See entweder schließen oder ganzjährig in der Zeit von 6 Uhr bis 22 Uhr Rettungsschwimmer vorhalten. Als Badestelle, so Bürgermeister Horst Feddermann im Wirtschaftsausschuss am Dienstag, wäre keine Aufsicht mehr nötig. Gleichwohl wolle die Stadt an der DLRG Aurich festhalten. Diese soll an den sommerlichen Tagen in der Zeit von 11 Uhr bis 17 Uhr vor Ort sein. Das gelte nicht nur für dieses Jahr, sondern auch für die kommenden Jahre, so Feddermann. Denn die Besucher hätten sich über die Jahre daran gewöhnt, dass es am Badesee eine Aufsicht gibt.
Feddermann drängte auf eine Entscheidung des Ausschusses, den Badesee offiziell abzustufen. Doch es gab Gegenwind aus der Politik. Mit sechs zu vier Stimmen beschloss der Ausschuss, den Wunsch der Verwaltung nach Abstufung des Sees zu einer Badestelle noch einmal in den Fraktionen zu diskutieren. Auch der Ortsrat Georgsfeld/Tannenhausen soll zunächst beteiligt werden. Was die Politik von der Privatisierung des Sees hält, wurde nicht bekannt. Denn dieser Vorschlag wurde im nicht öffentlichen Teil der Sitzung besprochen.
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