Steigende Kosten  Gastroszene in Aurich mit ungewisser Zukunft

| | 05.03.2024 19:55 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
In der Hafenkiste in Aurich gab es positive Reaktionen auf den Umgang mit der Steuererhöhung. Foto: Romuald Banik
In der Hafenkiste in Aurich gab es positive Reaktionen auf den Umgang mit der Steuererhöhung. Foto: Romuald Banik
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Nicht nur die Kosten steigen für die Gastronomen. Auch die Mehrwertsteuer ist seit dem Januar wieder angehoben worden. So gehen die Lokalbetreiber damit um.

Aurich - Essen gehen war schon immer teuer. Seit Januar sind 19 Prozent Mehrwertsteuer die Realität in den Gastronomien. Zuvor war der Mehrwertsteuersatz im Zuge der Corona-Entlastungen übergangsweise auf sieben Prozent gesenkt worden. Nun wird Essen im Restaurant wieder höher besteuert. Nimmt der Gast das Essen allerdings mit oder lässt es sich liefern, fallen weiterhin nur sieben Prozent an.

Seit Januar müssen auf Speisen, die im Lokal verzehrt werden, wieder 19 Prozent Mehrwertsteuer gezahlt werden. Foto: DPA
Seit Januar müssen auf Speisen, die im Lokal verzehrt werden, wieder 19 Prozent Mehrwertsteuer gezahlt werden. Foto: DPA

Die Steuererhöhungen machen sich bei verschiedenen Wirten ähnlich bemerkbar. Arno Fecht, Vorsitzender des Vereins der Auricher Altstadtgastronomie, bereitet die Steigung der Kosten große Bauchschmerzen. Auch die Preise für Rohware und die Anlieferungspauschale seien gestiegen, sagte er auf Anfrage unserer Redaktion. Obwohl mehrere Gastronomen ihm im Gespräch gesagt hätten, dass sie die Erhöhung nicht an die Kunden weitergeben, sei mancherorts ein deutlicher Rückgang bei den Gästezahlen erkennbar.

Preiserhöhung Stück für Stück

Restaurantbesucher in Aurich reagieren auf die Preissteigerungen in einigen Lokalen in Folge von Kostensteigerungen und Mehrwertsteueranhebung. Wie Arno Fecht, Vorsitzender der Auricher Altstadtgastronomen, beobachtet hat, gehen sie nun bewusster und seltener essen. Stammgäste – so berichteten Auricher Wirte – kämen statt ein bis zwei Mal pro Woche nur noch etwa einmal im Monat.

Einige Gastronomenversuche, die erhöhten Kosten und den veränderten Steuersatz möglichst wenig an die Kunden weiterzureichen. Foto: DPA
Einige Gastronomenversuche, die erhöhten Kosten und den veränderten Steuersatz möglichst wenig an die Kunden weiterzureichen. Foto: DPA

Die Gastronomie hoffe auf einen guten Sommer. Er sei insbesondere in Ostfriesland wegen der Urlauber nach Fechts Erfahrung am umsatzstärksten.

Rechenbeispiele

Ausgehend von einer Karte in einem Auricher Restaurant hat sich doe Preiserhöhung folgendermaßen ausgewirkt:

Ein kleiner Salat war im vergangenen Herbst vor Steuern dort mit 4,58 Euro kalkuliert. Im Dezember kostete er 4,90 Euro, seit Januar 5,40 Euro. Berechnet man tatsächlich 19 Prozent, müsste der Gastronom 5,45 Euro Euro vom Gast verlangen. An die Staatskasse gehen statt 0,32 Euro nun 0,87 Euro – 55 Cent mehr.

Ein Wiener Schnitzel war im Herbst vor Steuern mit 14,77 Euro kalkuliert. Im Dezember kostete es 15,80 Euro, seit Januar nun 17,70 Euro. Eigentlich müsste der Wirt 17,88 Euro nehmen, wenn er die Steuerewrhöhung voll aufschlagen würde. An die Staatskassen gehen nicht mehr 1,03 Euro, sondern 2,81 Euro – also 1,78 Euro mehr.

Während einige Wirte laut Fecht versuchen, die Kostensteigerung nicht an die Gäste weiterzureichen, reagiert der Betriebsleiter der Hafenkiste, David Zirnsack, anders. Er erhöht die Preise Stück für Stück nach Ermessen. Etwa das Frühstücksbuffet solle 50 Cent mehr kosten, sagte er im Februar. Die Gäste gäben ihm für seine Herangehensweise gute Rückmeldungen, sagt er. Sie empfänden es als „gut, dass es nicht so plötzlich passiert“. Obwohl das Lokal zur Franchise-Kette Café Extrablatt gehört, seien die Entscheidungen über Preisänderungen intern gefallen. Ein paar Kosten muss Zirnsack trotz Preiserhöhung selber tragen: Er muss neue Speisekarten drucken lassen.

Gäste konsumieren pro Restaurantbesuch weniger

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) stellt einen Rückgang der Besucherzahlen in der Auricher Gastronomie fest. Diese Rückmeldung hat Mareike Zägel, Vorsitzende des Dehoga im Kreisverband Aurich, von einigen Kollegen bekommen. Sie erkennt jedoch keinen Trend im Umgang mit den Steuererhöhungen seitens der Gastronome. Manche würden die Kosten selber tragen, andere würden sie an den Kunden weitergeben. Dafür hat sie Verständnis. Durch „Kostenexplosionen“ steige trotz der Preiserhöhungen der Gewinn bei Gastronomen aber nicht.

Einige Restaurantgäste bestellen pro Restaurantbesuch weniger Getränke. Foto: DPA
Einige Restaurantgäste bestellen pro Restaurantbesuch weniger Getränke. Foto: DPA

Grund seien unter anderem auch die Erhöhung der Maut im vergangenen Jahr. Der Dehoga kämpfe weiter auf politischer Ebene für eine Rücknahme der 19 Prozent Steuern. Jedoch sei ein Erfolg nicht garantiert. Auch an anderen Stellen versuche man über politische Wege Kostentreiber für die Gastronomen zu reduzieren. Weniger Bürokratie sei einer der Ansätze.

Langfristige Entwicklungen durch die wiedererhöhte Steuer kann Zägel noch nicht absehen. „Das wäre ein Blick in eine Glaskugel“, sagt sie. Es komme auf das Kundenverhalten an. Jedoch sei schon jetzt auffällig, dass Gäste häufig auf ein zweites oder drittes Getränk oder auf das Dessert verzichten.

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