Warschau „Generation A-Traktor“: Diese EU-Maßnahme bringt Schwedens Jugend in Aufruhr
Eine neue EU-Richtlinie löst bei der schwedischen Jugend Unmut aus. Aus Gründen der Verkehrssicherheit soll das Mindestalter für sogenannte „A-Traktoren“ auf 16 Jahre angehoben werden. Diese langsam fahrenden PKWs sind bei der Landjugend jedoch immens populär.
Sie sind der Traum der schwedischen Jugendlichen und der Alptraum vieler schwedischen Autofahrer – „A-Traktoren“ – PKWs, oft Volvos, die so eingestellt sind, dass sie maximal 30 km/h fahren. Mit ihnen dürfen schon 15-Jährige herumkurven, gern im Korso oder auf dem Kreisverkehr, was zu Verkehrsstaus und Auffahrunfällen führt.
Doch damit ist vermutlich bald Schluss – das EU-Parlament hat Mitte dieser Woche entschieden, dass das Alter für diese Fahrzeuge auf 16 Jahre gehoben werde und es eine strengere Fahrprüfung geben muss. Aus Gründen der Verkehrssicherheit.
Dies mag banal erscheinen, ist es jedoch weder für Schwedens Jugendliche noch für Schwedens Politiker. „Fuchsteufelswild“ wurde nach eigenen Angaben Emma Wiesner, die schwedische EU-Abgeordnete der liberalen Zentrumspartei über die „enorme Freiheitseinschränkung für die Jugend“.
Und auch bei Schwedens Jugendlichen auf dem Land ist die Stimmung schlecht, es sei der große Traum von der Mobilität, der nun ein Jahr später in Erfüllung geht. Allgemein gilt vor allem in der schwedischen Provinz mit den großen Entfernungen als ein unverzichtbarer Bestandteil des allgemeinen Wohlstands.
Befürworter argumentieren zudem, dass Jugendliche mit den langsamen Fahrzeugen früh Verantwortung im Straßenverkehr lernen. Dieses Lernen hat Tradition.
Die Geschichte der A-Traktoren (A steht für Fahrzeugklasse A) geht zurück bis in die zwanziger Jahre – damals konnten die Bauern jedes langsamere Gefährt als Traktor anmelden. In den sechziger Jahren kam die Landjugend auf die Idee, diese Gefährte als Vorstufe für das Automobil zu nutzen. Damals wurden vor allem kleine Volvo-Pickuptrucks gefahren, welche heute hohen Sammlerwerte haben.
Kennzeichnend für die nur in Schweden zugelassenen Vehikel ist ein Warndreieck auf dem Heck – dennoch kommt es immer wieder zu Auffahrunfällen, wenn der „A-Traktor“ mit 30 km/h über die Landstraßen schleicht. Die EU will darum die Höchstgeschwindigkeit auf 45 km/h erhöhen.
Auch interessant: Dänemark kämpft mit „Hyggekorruption“ durch grüne Energiefirmen
Doch dies besänftigt die Stimmung in Schweden nicht, das Fahrzeug ist zu populär – in den letzten drei Jahren ist die Anzahl der Anmeldungen um 65 Prozent gestiegen, es gibt mehr als 51.000 dieser Gefährte, die gegenüber dem Moped im Winter mehr Sicherheit bieten. „Generation Greta ist in Wirklichkeit Generation A-Traktor“ schrieb kürzlich eine schwedische Zeitung.
Und tatsächlich ist die Beliebtheit der Vehikel so groß, dass die Klima-Bewegung „Fridays for Future“, 2018 von der Schülerin Greta Thunberg gegründet, es nicht wagte und wagt, dieses kohlendioxidlastige Hobby den schwedischen Jugendlichen anzukreiden. Auch Nachfragen von dem Autor dieser Zeitung vor zwei Jahren bei der Klima-Bewegung blieben unbeantwortet – man will es sich nicht mit der Landjugend verderben. Und auch die schwedischen Parteien, sonst in vielem uneins, denken an ihre künftigen Wähler und wollen den Beschluss anfechten.
Die Bestimmung, welche im Herbst in Kraft treten kann, wird noch mit EU-Staaten verhandelt. Ein gutes Thema vor der Europawahl im Juni.